Einstieg mit Vize-NRW-Meister 

Nach zwei Jahren Pause: Bühne frei für Poetry-Slammer in der Tanke

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Halver - Nach knapp zweijähriger Pause bot „Die Tanke“ jungen, vielversprechenden Poetry- Slammern am Samstag eine Bühne. Nahtlos knüpften Martina Asbeck vom Friseursalon und Oscar Malinowski als Moderator an den Erfolg vorangegangener Veranstaltungen an.

Als Siegerin ging die 18-jährige Schülerin Lidia Morante Maldonado aus Wermelskirchen aus dem Dichterwettstreit hervor. Ihr Siegespreis: die „Goldene Schere“. Rafael Krause (21) aus Köln landete in der Publikumsgunst knapp dahinter auf Platz 2. 

Gemeinsam mit Jan Möbus aus Remscheid, der sich vor Jahren beim ersten Slam in der Tanke die Siegertrophäe holte, und Luzi Hochhardt aus Gummersbach bereiteten die beiden Finalisten ihren Zuhörern mit heiteren, selbstironischen, politisch ambitionierten und zutiefst berührenden, persönlichen Texten einen unvergesslichen Abend. 

Vor allem mit dem hoch emotionalen Brief an ihre früh verstorbene Mutter, der von allen Texten die höchste Punktzahl bekam, rührte Lidia Morante Maldonado manchen im voll besetzten Friseursalon zu Tränen. Wer sich nicht verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel wischte, hatte zumindest einen dicken Kloß im Hals. 

Einstieg mit Vize-NRW-Meister 

Ihr seien Steine in den Weg gelegt worden, die jetzt weggeräumt seien, erklärte Martina Asbeck die lange Veranstaltungspause in der Tanke. Mit Oscar Malinowski, der gleichsam das „Opferlamm“ spielte und mit humorvollen Texten außer Konkurrenz das Eis brach, hieß sie den Vize-NRW-Meister im Poetry Slam im Friseursalon willkommen. 

Sowohl mit der witzigen Hommage an seinen polnischen Vater, der sich standhaft dem Gebrauch von Artikeln verweigerte, als auch mit seinem amüsanten Großstadtgeflüster „Ich will hier gar nicht mehr weg“ sorgte er für beste Unterhaltung. 

In zwei Runden „fochten“ die vier Slammer ihren Dichterwettstreit aus. Über die Reihenfolge der Vorträge entschied das Los. Das Publikum war als Jury gefragt. Per Handzeichen und – im Finale – durch Applaus entschieden die Zuschauer über die Platzierung. 

Publikum entscheidet 

Gerade einmal sechs Minuten hatten die jungen Dichter in jeder Runde Zeit, das Publikum mit selbst verfassten Texten für sich zu gewinnen. Jegliche Requisiten waren verboten. Bei Themen und Textart gab es keinerlei Beschränkungen. 

Gegen Krieg und Gewalt positionierte sich Luzi Hochhardt mit ihrem Text über ein Seidentaschentuch. Faust im Schnelldurchgang und Kafkas Josef K. erinnerten an schulischen Deutschunterricht. 

Über grenzenlose Möglichkeiten sich auszuleben machte sich Jan Möbus Gedanken. Selbstironisch eilte er mit seinen Visionen von Entertainment der Zeit voraus. Vom Wunschzettel an den Weihnachtsmann kam Rafael Krause auf Socken zu sprechen. Darin enthalten: ein klares Bekenntnis zu bunt statt braun. 

Noch deutlicher formulierte Lidia Morante Maldonado in „Die Wahrheit“ ihre Kritik an rechten Tendenzen im Land. „Ein Großteil von Deutschland ist in der Vergangenheit hängengeblieben“, formulierte sie. Wer mit „der Partei“ gemeint war, die sie ansprach, war unmissverständlich. Als Finalisten lieferten sich Rafael Krause und Lidia Morante Maldonado abschließend ein Kopf an Kopf Rennen. 

Wie Oscar Malinowski verriet, ist eine Neuauflage des Slams geplant. Ein Termin steht allerdings noch nicht fest.

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