Sechs Prozent ohne Wasseranschluss: "Unsere Erde ist voll mit Wasser"

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Halver - 950 Personen in Halver haben keinen Wasseranschluss – stattdessen haben sie einen Brunnen. Insgesamt sind es 234 tiefe Löcher, die bis zu 80 Meter in die Erde gebohrt wurden, um genügend Wasser zu gewährleisten. Ein Wasseranschluss von den Stadtwerken werden die Außenbezirke in Halver wohl nie bekommen. „Das ist viel zu teuer“, sagt Markus Tempelmann, Stadtwerke-Geschäftsführer.

Ein Brunnen als Wasserversorgung wird eher mit vergangenen Zeiten assoziiert, aber in Halver sind es fast 1000 Menschen, die ihr Wasser direkt von der Quelle beziehen, ohne dass es zunächst viele Kilometer mit Rohren von den Stadtwerken zu ihnen gelangt – das sind rund sechs Prozent der Stadt-Einwohner.

Ein Hausbrunnen ist aber keine Privatsache, denn das Wasser wird regelmäßig geprüft und muss geltenden Standards entsprechen. Zudem ist die Versorgung gewissermaßen abhängig von der Natur. Wenn es nicht regnet und der Brunnen nicht tief genug ist, wird das Wasser knapp.

Reißende Flüsse unter der Erde

Die professionelle Rutengängerin Marianne Jäger weiß: „Unsere Erde ist voll mit Wasser“. Sie hat viele Jahre Rutengänger ausgebildet und weiß genau, wo sich Wasser befindet. „Tief in der Erde gibt es reißende Flüsse“, sagt sie. „Diese muss man finden und abschätzen, wie tief gebohrt werden muss, um auch immer genügend Wasser zu haben“. Brunnen, die nur 20 Meter tief sind, sind demnach nur mit sogenanntem Schichtwasser gefüllt – Regenwasser, dass langsam ins Grundwasser sickert. 

„Nach der langen Trockenphase sind solche Brunnen leer“, erzählt sie. Wer von einem Brunnen sein Wasser beziehen möchte und nicht nur den Garten bewässern will, müsse mindestens 40 Meter, besser bis zu 80 Meter tief bohren.

234 Brunnen in Außenbezirken

In Halver sind laut Tempelmann so gut wie alle Außenbezirke nicht am Wassernetz angeschlossen. „Es würde zu teuer werden. Und die Kosten würden auf den Wasserpreis umgelegt werden“, sagt der Kämmerer. Einige Außenbezirke hätten den Wunsch nach einem Wasseranschluss, werden ihn aber wohl nicht erfüllt bekommen.

Deutschlandweit beziehen rund 700 000 Menschen ihr Wasser aus einem Hausbrunnen. Sie befinden sich fast ausschließlich in ländlichen Gebieten, denn dort ist eine zentrale Versorgung aus technischen oder hygienischen Gründen nicht immer möglich oder ökonomisch sinnvoll.

In Ober-Carthausen hat die Familie Rosiepen einen Hausbrunnen und zusätzlich einen städtischen Wasseranschluss. „Wir nutzen hauptsächlich das Brunnenwasser“, erzählt Max Rosiepen. „Die Qualität des Wassers ist super.“

Gute Qualität

Brunnenwasser wird von den zuständigen Behörden des Gesundheitsamtes und der Wasserbehörde des Märkischen Kreises regelmäßig überprüft. Ulli Rotschy, die ebenfalls in Ober-Carthausen lebt, nutzt ihren Brunnen jedoch nur, um ihren Garten zu bewässern.

Wenn sie wollte, könnte sie allerdings auch vom Brunnenwasser den Haushalt versorgen: „Dafür müsste ich nur einen Hahn umlegen“, erzählt sie. „Aber ich bleibe bei dem Wasser der Stadtwerke.“ Aus Angst vor steigenden Kosten für die Wasserprüfungen haben sie und ihr Mann den Anschluss ans Wassernetz vor einigen Jahren sehr begrüßt.

Wasser für die Landwirtschaft

Kuhbauer Michael Loitz hat einen 75 Meter tiefen Brunnen und hatte auch in der langen Trockenzeit keine Problem, sein Vieh zu versorgen. Allerdings hat er vor zehn Jahren den Brunnen dafür extra tiefer bohren lassen, um garantieren zu können, dass er nicht trocken läuft.

Für Landwirte ist ein Brunnen vor allem für die Tiere nützlich, aber Jäger gibt zu bedenken, dass auch für den Acker ein Brunnen genutzt werden sollte. „Dann hätten die Landwirte nicht auf Regen warten müssen und die Kartoffeln wären nicht so klein wie dieses Jahr.“

Sie sagt: „Aufgrund der Trockenheit haben wir so viele Plätze für Brunnen, wie noch nie suchen müssen.“

Sollte ein Haushalt nicht mehr genügend Wasser aus dem Hausbrunnen beziehen können, müsse laut Tempelmann im Einzelfall entschieden werden, wie vorgegangen werden kann, um eine ausreichende Wasserversorgung wieder zu gewährleisten. Jäger sagt ganz klar, dass wenn ein Brunnen trocken läuft, er nicht tief genug war. „Wasser gibt es genug“, sagt die Rutengängerin. „Man muss es nur herausholen.“ Je tiefer der Brunnen gebohrt wird, desto höher sind Wasserqualität und -menge.

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