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Brückenproblem in Halver: Anwohner sind verärgert

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Von: Thilo Kortmann

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Die kleine gemauerte Brücke wurde wegen Hochwasserschäden abgerissen. Sie war einzige Verkehrsverbindung für die Anwohner.
Die kleine gemauerte Brücke wurde wegen Hochwasserschäden abgerissen. Sie war einzige Verkehrsverbindung für die Anwohner. © Thilo Kortmann

Brücken sorgen momentan für Aufregung im Märkischen Kreis. Dabei kommt es nicht auf die Größe an.

Halver - Während die Sperrung der A45-Rahmedetalbrücke besonders die Menschen in Lüdenscheid verärgert, hat jetzt auch die benachbarte Kleinstadt Halver ein Brückenproblem: Am Nordeler Schleifkotten wurde vor gut zwei Wochen eine kleine, rund 100 Jahre alte, gemauerte Brücke abgerissen. Sie diente als Verbindung zu dem Haus von Dirk Schmale, dem Bauernhof von der Familie Berker und der nur wenige Meter entfernten Schafswiese sowie Fischteichen, die Karl-Heinz Streese bewirtschaftet.

„Mein Schornsteinfeger hat mich angerufen. Er kann mein Haus nicht mehr erreichen“, erzählt Dirk Schmale verärgert über den Moment, als er erfahren habe, dass die Brücke abgerissen worden sei. „Es gab keine offizielle Informationen zu dem Start des Brückenabrisses“, wirft Schmale der Stadt versäumte Benachrichtigungen vor. Bagger seien bereits im Sommer vorgefahren, sagt Schmale weiter, „da sollten eigentlich die Arbeiten starten“.

Die Bauarbeiten finden im Wasserschutzgebiet statt. Besondere Vorsicht ist geboten.
Die Bauarbeiten finden im Wasserschutzgebiet statt. Besondere Vorsicht ist geboten. © Thilo Kortmann

Die Gerätschaften seien dann plötzlich wieder verschwunden. Es sei damals schon ein Provisorium über den 900 Meter langen Wirtschaftsweg, der parallel zur Straße Ennepe verläuft, für die Anwohner angelegt worden. „Das war vor sechs Monaten. Jetzt im Winter ist das Provisorium kaputt und man muss durch den Schlamm fahren. Mein Auto hat auch schon auf den Boden aufgesetzt“, erzählt Schmale.

900 Meter langes Provisorium

Seit dem Abriss sei man von der Außenwelt abgeschnitten, „weder die Post noch die Müllabfuhr kommt hier hin. Die Mülleimer sind bis oben hin voll“, sagt der Halveraner. Und wie solle im Notfall ein Krankenwagen zügig über das Provisorium, das zum Teil durch Wald führe, fahren können, fragt er sich.

„Warum hat man mit den Brückenarbeiten nicht wie geplant im Sommer begonnen. Es war trocken und der Wirtschaftsweg besser befahrbar als jetzt“, meint Schmale. Momentan sei es ja noch eher trocken, aber was ist erst, wenn es wieder stark schneie oder viel regne. „Der Weg ist jetzt schon matschig und holperig. Und wer zahlt die Schäden wie Kratzer an meinem Auto.“

Mein Schornsteinfeger hat mich angerufen. Er kann mein Haus nicht mehr erreichen.

Anwohner Dirk Schmale über den Moment, als er über den Brückenabriss erfahren hat.

Am meisten ärgert sich Schmale über die Stadt, weil diese die Anwohner nicht informiert habe. „Das ist eine Sauerei. Man erkennt so gut, wie die Stadt mittlerweile mit ihren Bürgern umgeht.“ Und wie sollten Anwohner den Weg nutzen, wenn sie keinen Geländewagen fahren, fragt sich Schmale. Erst von Karl-Heinz Streese habe er gehört, dass bald irgendwann die Arbeiten losgehen sollten. Von offizieller Seite habe es keine Information zum genauen Baubeginn gegeben. Stresee wiederum habe es nicht von der Stadt erfahren, sondern vom Bauunternehmen Dohrmann.

Müllabfuhr kann nicht kommen

Streese bewirtschaftet eigene Fischteiche am Bremecker Hammer sowie eine Wiese mit Schafen. „Mein Auto muss ich gar nicht mehr waschen, es ist ständig dreckig wegen des matschigen Wirtschaftsweges.“ Er habe die Anwohner über die Brückenarbeiten informiert, „aber auch nur, weil ich es vom Bauunternehmen Dohrmann erfahren habe“.

Bei der Stadt Halver herrscht angesichts der Aufregung unter den Anwohnern Verwunderung. „Das Bauprojekt ist seit einem Jahr bekannt. Damals wurde auch das Provisorium angelegt“, erklärt Christoph Stillger vom Amt für Bauen und Wohnen. Das Provisorium sei auch für die Post sowie Krankenwagen befahrbar. Das sehen die Anwohner und Anlieger anders: Die Ersatzstrecke sei mehr schlecht als recht befahrbar, findet Streese. Sollte es wieder mehr regnen, dann werde der Wirtschaftsweg kaum befahrbar sein, meint er.

Anwohner Karl-Heinz Streese hat vom Bauunternehmer über den Start der Abrissarbeiten erfahren.
Anwohner Karl-Heinz Streese hat vom Bauunternehmer über den Start der Abrissarbeiten erfahren. © Thilo Kortmann

Probleme wegen der Müllabfuhr könnten so gelöst werden, indem die Mülleimer an der Einfahrt zum Wirtschaftsweg gegenüber der Löhrmühle hingestellt werden könnten, findet Stillger. Bei einem Weg von 900 Metern? „Die Anwohner können ihren Müll doch auch selber mitnehmen“, rät er. Zum derzeitigen Zustand des Wirtschaftsweges, meint Stillger, dass Waldmaschinen das Provisorium kaputt gemacht hätten. Das Provisorium müsse von denen, die es beschädigt haben, wieder Instand gesetzt werden, erklärt der Mitarbeiter der Stadt.

Hochwasserschäden machten Abriss nötig

Hochwasserschäden hätten, sagt Stillger, den Abriss der alten Brücke im Rahmen der Beseitigung der Hochwasser-Schäden von vor über einem Jahr nötig gemacht. „Das Brückengewölbe hat sich durch das Hochwasser gesenkt und hat deshalb nicht mehr den Sicherheitsanforderungen entsprochen, damit Autos drüberfahren können“, erklärt Stillger. Der gemauerte, circa 100 Jahre alte Vorgänger sei komplett entfernt worden. Stillger kann nur schätzen, da die Brücke in einer Zeit gebaut wurde, in der es noch kein Register für solche Bauwerke gab.

Der Nachfolger wird eine Stahlwerkprofilbrücke mit zwei Rohren, die das Brückengewölbe vor Ausspülung schützen. Ein gemauertes Bauwerk komme aufgrund der Kosten und der aufwendigen Unterhaltung nicht mehr in Frage. Zudem befänden sich die Arbeiten im sensiblen Wasserschutzgebiet, „da darf kein bisschen Mörtel in den Fluss gelangen“.

Die Einfahrt zum Provisorium befindet sich unmittelbar in der Nähe der Brücke. 900 Meter lang ist der Wirtschaftsweg, der an der Löhrmühle endet.
Die Einfahrt zum Provisorium befindet sich unmittelbar in der Nähe der Brücke. 900 Meter lang ist der Wirtschaftsweg, der an der Löhrmühle endet. © Thilo Kortmann

Bis Mitte Januar, schätzt der Bauingenieur, würden die Bauarbeiten dauern. „Dann braucht es zwei warme Tage, damit eine Asphaltdecke aufgetragen werden kann.“ Mit warmen Tagen meint Stillger Temperaturen um die fünf Grad Celsius. Das gesamte Vorhaben koste bis zu 150 000 Euro, wird zu 100 Prozent vom Land NRW im Rahmen der Hochwasserschäden gefördert.

Die Frage, warum die Arbeiten doch nicht im Sommer stattgefunden hätten, beantwortet er mit der Gefahr des starken Gewitterregens im Sommer. „Das Risiko wollten wir nicht eingehen, dass die Bauarbeiten durch ein erneutes Hochwasser gefährdet werden.“

Stadt steht für Fragen jederzeit zur Verfügung

Zudem habe man eine ganze Liste von Beseitigungen von Hochwasserschäden, die nicht bei Frost gemacht werden können und deshalb zuerst gemacht werden müssten. Dazu gehörten die Straßenarbeiten an der Heesfelder Mühle oder das Befestigen der Seitenstreifen auf Stadtgebiet. „Momentan regnet es wenig. Deshalb haben sich die Brückenarbeiten angeboten“, erklärt Christoph Stillger.

Der Mitarbeiter der Stadt steht für Fragen jederzeit zur Verfügung. Anwohner könnten sich unter Tel. 0 23 53/7 31 77 bei Christoph Stillger melden.

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