Arbeiten an Bahntrasse

Brücke am Ehberg nicht mehr voll tragfähig - was ist passiert?

+
Die Brücke an der alten Bahntrasse Richtung Anschlag soll zwar mittelfristig abgerissen werden, konkrete Planungen gibt es dazu aber noch nicht.

Halver - Im Bereich der Fahrrad- und Fußgängerbrücke am Ehberg auf der Bahntrasse Richtung Anschlag werden zurzeit Bäume gefällt. Doch was ist mit der Brücke?

Ein Abriss der Brücke, wie im Zusammenhang mit diesen Arbeiten vermutet, steht laut Stadt nicht bevor. Durchgeführt werden die Arbeiten im Auftrag von Enervie.Vernetzt, deren Stromkabel auf der alten Bahntrasse und bisher auch über die Brücke verläuft, wie Enervie-Pressesprecher Andreas Köster erklärt. 

Dabei handle es sich um eine Mittelspannungsleitung, also ein 10 000-Volt-Kabel. Dieses wird nun umgelegt und unterirdisch vergraben. Um späteren Problemen für das Kabel – etwa Schäden durch Baumwurzeln – zu vermeiden, müsse man einen Geländestreifen neben der Trasse freiholzen, erklärt Köster: „Letzte Woche ist damit begonnen worden einige Bäume zu fällen.“ 

Kunden merken nichts

Die Arbeiten, inklusive Abholzung und Umlegung des Kabels, werde voraussichtlich noch die kommende und übernächste Woche dauern. „Im laufenden Betrieb merken die Kunden, die von uns versorgt werden, nichts. Sie werden solange über andere Leitungen versorgt“, sagt Köster. 

Nach Abschluss der Arbeiten werde man das Kabel wieder in Betrieb nehmen. Da die Arbeiten bei einigen Ratsmitgliedern den Eindruck erweckten, dass die Brücke bald abgerissen würde, sprachen sie sich für den Erhalt des Bauwerks aus. 

„Die Brücke wäre als Rad- und Fußweg erhaltenswert“, sagte Werner Lemmert (UWG) im Rat in seiner Anfrage zu den Bauarbeiten. Die Brücke, die ihm sehr am Herzen liege, werde von hunderten Halveranern genutzt, ergänzte Lemmert gegenüber dem Allgemeinen Anzeiger: „Es ist die einzige Brücke, die noch steht.“ Ähnlich äußerte sich auch Martina Hesse (CDU) in der Ratssitzung. 

„Wenn wir uns aus Vernunftgründen von der Brücke verabschieden, verabschieden wir uns auch von einem Stück Industriegeschichte, denn es ist mal eine Eisenbahnbrücke gewesen.“ Hesse bedauerte es, dass an der einstigen Bahntrasse nur noch wenig an diese Geschichte erinnere. „Ich fände es gut – auch wenn es ein Kraftakt ist – die Brücke zu erhalten.“ 

Die Enervie-Baumaßnahmen seien kein Anzeichen für einen bevorstehenden Abriss, stellt Michael Schmidt, Fachbereichsleiter Bauen und Wohnen, klar. „Die Arbeiten sind nicht gekoppelt an den Gedanken, dass dort zeitnah etwas passiert“, versicherte er in der Ratssitzung. Mittelfristig soll die Brücke allerdings abgerissen werden. Somit mache Enervie sich mit den jetzigen Maßnahmen unabhängig davon, was die Stadt bezüglich der Brücke plane. 

So sieht es derzeit in dem Waldstück aus.

Es sei sinnvoll, die Maßnahmen nun vorsorglich durchzuführen statt kurzfristig reagieren zu müssen, wenn es tatsächlich zum Abriss kommt, sagt auch Enervie-Sprecher Köster: „Wir können die Arbeiten jetzt einfach machen, um für uns das Thema in diesem Bereich abzuschließen.“ 

Bauamtsleiter Schmidt macht gegenüber dem Allgemeinen Anzeiger wie schon zuvor im Rat deutlich, dass der Erhalt der Brücke nicht wirtschaftlich und im Haushalt nicht darstellbar sei. Jedes Jahr müssten die Brücken im Stadtgebiet auf ihre Tragfähigkeit hin überprüft werden. „Diese Brücke ist nach dem Prüfergebnis nur noch eingeschränkt tragfähig“, sagt Schmidt. Dies sei allerdings kein statischer Nachweis, was die Brücke wirklich tragen könne, sondern ein theoretischer Wert. „Wir können nicht in die Brücke reinschauen.“ 

Schlechter Zustand der Brücke

Äußerliche Zeichen zum Zustand der Brücke gibt es allerdings. „An den Flügelmauern drückt das Material im Inneren der Brücke die Steine raus“, sagt Schmidt. „Am eigentlichen Brückenkörper, der Betonplatte, sieht man schon massive Abplatzungen.“ Der Stahl im Inneren sei korrodiert. Schmidts Fazit: „Eine Sanierung lohnt nicht.“ Man müsse sich überlegen, ob man diese von Fahrradfahrern und Fußgängern genutzte Brücke brauche. 

Vor wenigen Jahren war deswegen eine Alternative zur Brücke im Gespräch, worauf Schmidt auch kurz in der Ratssitzung Bezug nahm: „Man könnte das Gelände so absenken, dass man eine Art Furt erreicht.“ Das hieße, dass man einen Einschnitt am Damm macht und anstelle der Brücke Böschungen schafft, auf denen man seitlich der Trasse hinunter und auf der anderen Seite wieder hinauffahren könnte, wie der Bauamtsleiter gegenüber dem Allgemeinen Anzeiger genauer erklärte.

Damit die Steigung unter anderem für Fahrradfahrer weich genug sei, müsste entsprechend etwa 50 Meter angeböscht werden. Schmidt stellte aber zugleich klar: „Wir haben das mal angedacht, es gab aber nie eine konkrete Planung.“ Trotz der eingeschränkten Tragfähigkeit könne die Brücke nach Aussage Schmidts allerdings wie bisher von Radfahrern oder Fußgängern benutzt werden. Das wäre dann auch ganz im Sinne von Hugo Kerspe (CDU), der im Rat eine optimistische Einschätzung zu der Brücke äußerte: „Wenn man alles so lässt, wie es ist, hält das noch 40 Jahre.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare