Schon 2018 war dramatisch

Borkenkäferzeit beginnt: Förster bereiten sich auf das Schlimmste vor

+
Das Holz muss aus dem Wald. Überall liegen die Polter mit Käferholz. Die Sägewerke arbeiten am Limit.

Halver – Die warmen Tage Ende Februar brachten ans Licht, was eigentlich keiner sehen wollte: Die ersten Borkenkäfer seien geschwärmt, weiß Halvers Förster Ulrich Ackfeld.

Typisch für die Jahreszeit sei dies nicht. Die zerstörerischen Aktivitäten entfalte der Käfer bei Temperaturen ab durchschnittlich etwa 15 Grad und damit im April oder Mai. Damit hat in der Woche vor Ostern im Grunde die Käferzeit 2019 begonnen.

Was das für den Wald in diesem Jahr bedeutet, will Ackfeld noch nicht vorhersagen. Der Verlauf des Winters jedenfalls sei für den Käfer noch nicht schädlich gewesen. „Wir bereiten uns auf das Schlimmste vor“, sagt er nach dem ohnehin schon dramatischen Käferjahr 2018.

Ziel für die Forstwirtschaft sei zurzeit, die befallenen Stämme bis Mitte April aus dem Wald zu bekommen. Die Käfer seien durch die Rinde geschützt geblieben. Etwa 80 Prozent der Borkenkäfer hätten nach Schätzungen dort überwintert. Weitere 20 Prozent seien im Boden geblieben. „Die kriegen wir sowieso nicht“, sagt Ackfeld.

"Können sich die Bäume wehren?"

Forstleute wünschen sich nun ein feuchtes und kühles Frühjahr. Das sagt auch Matthias Borgmann, Förster im Raum Meinerzhagen: „Die Frage, die auch wir nicht beantworten können, ist diese: Wie verhalten sich die vorgeschädigten Bäume. Steuern wir auf eine Katastrophe zu, oder können sich die Bäume wehren?“

Der Befall im vergangenen Jahr und die neue Bedrohung hat erhebliche wirtschaftliche Auswirkungen. Laut Landesbetrieb fällt mehr Holz an, als der Markt aufnimmt. Fehlende Lager- und Transportkapazitäten und die Ungewissheit, wie sich die Massenvermehrung der Borkenkäfer 2019 fortsetzt, würden die Lage verschärfen, heißt es bei Wald und Holz.NRW.

Geschwächte Bäume produzieren weniger Harz. Das aber ist das Abwehrmittel gegen die Käfer.

Andreas Wiebe, Leiter des Landesbetriebes, empfiehlt jetzt: „Unsere Waldschutzexperten und Forstleute bereiten sich konzentriert und fachkundig auf die Massenvermehrung der Borkenkäfer vor, die sich voraussichtlich in wenigen Wochen unvermindert fortsetzen wird. Dabei sind die großen Privatwälder genauso in Gefahr wie der Staatswald und die Wälder zehntausender kleiner Privatwald-Besitzer. In dieser Situation ist es wichtig, dass sich Betroffene und potenziell Betroffene gut informieren und solidarisch handeln.“

Neue Broschüre soll aufklären

Mit einer neuen praxisorientierten, kleinformatigen Broschüre möchte der Landesbetrieb Wald und Holz.NRW insbesondere Waldbesitzer in die Lage versetzen, Borkenkäferschäden einzuschätzen und daraus resultierend Maßnahmen in die Wege zu leiten.

In der Broschüre, die auf der Homepage von Wald und Holz.NRW bestellt werden kann, bereitet der Landesbetrieb die Themen „Erkennen, Bekämpfen und Vorbeugen des Befalls“ auf. Der Leitfaden gliedert sich in die Bereiche Grundwissen, Handlungsempfehlungen, den eventuellen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln als letztes Mittel sowie eine Darstellung aller Maßnahmen je nach Jahreszeit „Auf einen Blick“ zum Ausklappen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare