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Borkenkäfer-Holz kann auch nützlich sein - Firma im MK zeigt das

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Von: Thilo Kortmann

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Borkenkäfer, Hackschnitzel
Georgi Dimov vor dem Hackschnitzel-Berg. © Kortmann, Thilo

Was passiert mit dem Borkenkäfer-Holz? Allein in Halver mussten riesige Flächen mit Fichten gerodet werden, um den Borkenkäfer zu bekämpfen. Mehr als 280 000 Festmeter Borkenkäfer-Holz wurden in den vergangenen drei Jahren rund um Halver gefällt. Viel Holz geht dabei ins Ausland, aber nicht alles. Auch in Halver wird das Käferholz verwertet.

Halver - Ausländische Holzeinschlagunternehmen aus den Benelux-Staaten bis hin zum Baltikum werden mit den Fällungen beauftragt und transportieren das Holz mit Lkw oft Tausende Kilometer weit ab. Oder es wird von Brügge nach Österreich per Zug oder über den Seeweg mit Containern nach China exportiert. Doch es gibt auch heimische Holzhändler, die das Fichtenholz ökologisch nachhaltig ohne weite Transportwege verwerten.

Das Borkenkäfer-Holz ist nicht schlechter als anderes. „Das Borkenkäfer-Holz brennt genauso wie anderes Holz. Nur, wenn es zu lange in den Wäldern herumliegt, dann wird es schlecht“, erklärt Georgi Dimov, Geschäftsführer von Green Power mit Sitz am Schröders Herweg in Halver. Das Borkenkäfer-Holz hat sogar einen Vorteil: „Die Rinde ist locker und so kann der Stamm schneller trocknen“, sagt Georgi Dimov.

Nachhaltiger Holzhandel

Green Power setzt beim Holzhandel auf Nachhaltigkeit. Und das schon bei der Trocknung des Holzes. Die Lufttrocknung ist im Gegensatz zu anderen Methoden energiesparend. Zudem liefert das Unternehmen nur in einem Radius von 50 Kilometern – bis Remscheid, weiter nicht. Und auch die Ressource Baum wird bis zu 100 Prozent ausgeschöpft. „Wir verwerten vom Baum alles. Auch Äste zerkleinern wir“, sagt der Geschäftsführer.

Das Borkenkäfer-Holz, also Fichte, verarbeitet Green Power zu Bauholz. Es eignet sich zum Innenausbau von Häusern, Saunabau, Fassadenverkleidungen oder auch Zäunen. „Mittlerweile erzielt Holz wieder einen Höchstpreis von 80 bis 100 Euro pro Festmeter“, sagt Georgi Dimov.

Container nach China gerade günstig

Warum wird gerade so viel nach China exportiert? „Der Seeweg ist gerade günstig, weil die Container so günstig sind“, weiß der Holzfachmann und erklärt das Phänomen, dass gerade von Europa nach Asien ein Container circa 1500 Dollar koste. Andersherum koste ein Container 15 000 Dollar. Immer noch wirke sich auch das Querstellen des Schiffes „Evergreen“ im März im Panamakanal auf die Weltmarktpreise aus, ergänzt Georgi Dimov. Die Nachfrage ist momentan größer als das Angebot.

Auch beim Bauholz spürt der Geschäftsführer einen erheblichen Preisanstieg. Eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr. 600 bis 800 Euro kostet der Kubikmeter Bauholz. „Vor einem Jahr kostete der Kubikmeter noch 300 bis 400 Euro“, weiß der Holzhändler.

Brennstoff und Fallschutz

Vor fünf Jahren gründete Georgi Dimov, gebürtiger Breckerfelder, die Green Power GmbH. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Sina Beinghaus, gebürtige Wipperfürtherin, leitet er das Holzunternehmen, das im Märkischen Kreis und im Bergischen Land Kunden bedient. In den großen Lagerhallen des ehemaligen Sägewerks Wolter ist das kostbare, hölzerne Gut untergebracht. Der rund vier Meter hohe Hackschnitzel-Berg ist imposant. Hackschnitzel, aus B-Holzware hergestellt, werden als Brennstoff genutzt, dienen aber zum Fallschutz als Untergrund auf Kinderspielplätzen, als Boden für Paddocks oder als Belag für Finnenbahnen (Outdoor-Laufbahnen).

Ein paar Meter weiter liegen die Holzpellets, die Green Power vertreibt. Für die Holzpellet-Heizungen. 1000 Tonnen Holzpellets vertreibt der Holzhändler in der Region. Rund 50 Kunden sind es im Märkischen Kreis, die auf diese CO2-neutrale Heizmethode setzen. „Es ist ein nachwachsender Rohstoff“, sagt Georgi Dimov. Eine echte Alternative angesichts der gerade hohen Heizöl- und Gaspreise. 15 Kilogramm Holzpellets kosten rund vier Euro. Eine Holzpellet-Heizung für ein normales 120 Quadratmeter Wohnhaus verbraucht drei bis vier Tonnen Holzpellets im Jahr. Ein Umstieg von Öl auf Holzpellets lohne sich, sagt Georgi Dimov, nicht nur aus ökologischer Sicht. „Momentan wird ein Wechsel zu Holzpellet-Heizungen noch vom Bund gefördert.“ Mit bis zu 55 Prozent wird eine Holzheizung mit besonders niedrigen Feinstaubwerten gefördert. Stichwort „Abwrackprämie für Ölkessel“.

CO2-Neutralität

Wird Biomasse aus dem Vorrat entnommen, in dem zum Beispiel ein vorhandener Wald als Biomasse verbrannt wird, führt dies nicht zu einer Verminderung, sondern zu einer Verstärkung des Treibhauseffekts. CO2-neutral ist die Nutzung nur dann, wenn andernorts in etwa demselben Zeitraum dieselbe Menge an später zu nutzender Biomasse nachwächst – und dieser Nachwuchs nur einmal in die Gesamtbilanz einbezogen wird. Eine solche nachhaltig genannte Wirtschaft ist also Voraussetzung der CO2-Neutralität. tko

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