Modernisierung 

Bodycams: Besserer Schutz für die Polizei

+
Mit einem Knopfdruck filmt die Bodycam der Polizei die Situation. Das soll deeskalieren, aber auch vor Gericht mehr Klarheit bringen. 

Halver - Die Polizei hat Bodycams in Nordrhein-Westfalen eingeführt. Auch die Halveraner Wache hat die Kameras bekommen. Mittlerweile sind alle im Umgang geschult und können sie im Einsatz nutzen.

Sie sollen deeskalierend wirken. Bis Ende 2020 will Nordrhein-Westfalen insgesamt rund 9000 Kameras anschaffen. Sechs davon liegen bereits in der Halveraner Wache. Mit den Geräten, die an den Westen befestigt sind, können die Streifenpolizisten auf Knopfdruck heikle Einsatzsituationen auf Video aufzeichnen. Als Minister Herbert Reul die Bodycams in Köln präsentierte, sagte er: „Die Kameras können kritische Situationen im Streifendienst entschärfen. Und das schützt die Polizistinnen und Polizisten direkt vor Übergriffen.“ 

Dieser Überzeugung sind auch Wachleiter Alexander Fall und Polizeikommissar Marowsky. Der 27-Jährige wurde von Fall als Multiplikator benannt. Er hat Anfang Februar an einer Schulung in Selm teilgenommen, um dann sein Wissen mit seinen Kollegen in Halver zu teilen. Mittlerweile hat er alle geschult. Ob die Polizisten die Kamera mit sich führen, ist ihnen selbst überlassen. „Eine Verpflichtung gibt es nicht“, sagt Marowsky. Auch unter den Halveraner Polizisten seien einige dabei, die die Bodycam nicht immer mit sich führen. Marowsky selbst sei froh, sie zu haben. Nur weil ein Polizist die Kamera an seiner Weste in Schulterhöhe angesteckt hat, ist sie nicht gleich eingeschaltet. Für die Nutzung der Aufzeichnung mit Bild und Ton gibt es klare Regeln. 

Vorher muss der Einsatz angekündigt werden

Dazu gehört auch die vorherige Ankündigung. Nicht zuletzt hoffe man, eine Situation zu schlichten, bevor sie eskaliert. Ein „Stopp, sonst filme ich“, könne vieles bewirken, sagt Alexander Fall. Polizisten entscheiden selbst, ob sie die Kamera einschalten oder nicht. Voraussetzung muss jedoch sein, dass die Aufnahme zum Schutz von Polizeivollzugsbeamten oder Dritten vor einer konkreten Gefahr für Leib oder Leben genutzt wird, wie es im Polizeigesetz steht. Außer bei Gefahr im Verzug muss die Aufzeichnung vorher angekündigt werden. Dann reicht ein Knopfdruck. Nach wenigen Sekunden ertönt ein lautes Signal, das anzeigt, dass die Kamera betriebsfähig ist. Sobald die Kamera aufzeichnet, piept sie noch einmal laut – und fortan in regelmäßigen Abständen, um weiterhin an die Aufzeichnung zu erinnern. 

Grenzen gibt es auch: Aufzeichnungen sind in Wohnungen nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen erlaubt und auch beispielsweise in Anwaltskanzleien wäre es untersagt. Nach einem Dienst stellen die Polizisten die Kameras auf eine Ladestation, die die Aufnahmen der Bodycams auf lokale Rechner überträgt und von den Kameras löscht. Sie bleiben 14 Tage auf dem Sicherungsrechner und können zur Gefahrenabwehr oder zur Verfolgung von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten als Beweismittel genutzt werden. Auch Wachleiter Alexander Fall ist von den Bodycams überzeugt. 

Teil der Modernisierungsoffensive des Landes

Dadurch, dass die Aufnahmen vor Gericht verwendet werden können, würden einige Situationen, die sonst nur in Wort und Schrift wiedergegeben werden, nun in Bild und Ton gezeigt werden können. Die Bodycams sind Teil der Modernisierungsoffensive des Innenministeriums. „Es reicht heute nicht mehr, Polizisten auf die Straße zu bringen – damit allein ist Innere Sicherheit schon lange nicht mehr zu gewährleisten. Wir wollen eine moderne Polizei, die mit der globalen, digitalen Entwicklung Schritt hält“, so der Minister. In Halver ist die Modernisierung bereits angekommen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare