Bald geht es wieder richtig los

Bock aufs Jugendzentrum: Neue Sozialarbeiterin für die Stadt

Raus auf die Straße oder auch mal vors Jugendzentrum: Die Corona-Not macht erfinderisch und lockt Jugendliche an
+
Raus auf die Straße oder auch mal vors Jugendzentrum: Die Corona-Not macht erfinderisch und lockt Jugendliche an

Jugendarbeit geht langsam wieder los und hat mehr Möglichkeiten. Warum es jetzt wichtig ist, die Jugendlichen genau an dem Punkt abzuholen, an dem sie stehen, erzählen uns Arndt Spielmann und seine neue Kollegin Saskia Hock. Das neue Team der Stadt ist bereit für die Zeit, die ihnen jetzt bevorsteht.

Halver – Für die Jugendarbeit in der Stadt wurde eine neue Mitarbeiterin eingestellt: Saskia Hock hat im Mai ihren Dienst in Halver neben Jugendzentrumsleiter Arndt Spielmann angetreten. Gemeinsam bilden sie jetzt das neue Team. Mitarbeiterin Anika Wurth, die 2020 bei der Stadt begonnen hatte, ist seit März nicht mehr im Team. Zwei Monate war Arndt Spielmann alleine, jetzt ist das Team wieder komplett – und bereit für die Zeit, die jetzt vor ihnen liegt.

Jugendliche haben in den vergangenen Monaten einfach nur noch funktioniert, schildert die Sozialpädagogin ihren Eindruck. Corona hat etwas mit den Jugendlichen gemacht – mit jedem einzelnen, sind sich beide Sozialarbeiter sicher. „Ich habe Verständnis für die Jugend“, sagt Saskia Hock.

Kicker kommt vor die Tür

Neben dem Homeschooling blieb den Jugendlichen wenig bis nichts. Kein Wunder, ergänzt Arndt Spielmann, dass sich viele von ihnen jetzt woanders treffen, trinken oder auch Mountainbike-Strecken im Wald bauen. Aber so langsam läuft auch die Jugendarbeit, wie man sie kennt, wieder an. Die beiden bauen vor dem Jugendzentrum Spiele auf, tragen den Kicker vor die Tür und spielen Cornhole, ein Spiel, bei dem man Säckchen in Löcher werden muss. Ausreichend Abstand gehört zu den Spielregeln ohnehin.

Im Jugendzentrum dürfen, wenn die Inzidenzen weiterhin sinken, bald auch wieder mehr Aktivitäten stattfinden. Fakt ist aber, stellt Arndt Spielmann fest, „Jugendarbeit ist nur möglich ohne diesen ganzen Hickhack“. Man wartet daher sehnsüchtig auf weitere Lockerungen. „Die Geduld der Geduld hat ein Ende“, stellen die beiden fest. Das teilen sie den Jugendlichen auch mit.

Kontaktaufnahme: Tüten mit kleinen Präsenten

Zur Kontaktaufnahme haben Saskia Hock und Arndt Spielmann Tüten gepackt – mit Süßigkeiten und einem Geduldsspiel. Verteilt haben sie die gefüllten Päckchen bereits am ersten Schultag nach dem Distanzunterricht, in der Hoffnung, dass einige der Kinder den Weg zum Jugendzentrum finden. Viele der bekannten Gesichter, denkt Arndt Spielmann, wird er im Aquarium nicht mehr sehen. Sie sind jetzt älter und der Wechsel an Besuchern ist völlig normal. Die Jüngeren jedoch müssen nach Corona das Jugendzentrum erst noch kennenlernen.

Derzeit können maximal zehn rein; für maximal zwei Stunden. Wichtig ist aber, dass die Jugendlichen überhaupt hier hin kommen, sagt Spielmann. Und das tun sie auch. Erste Gespräche kamen bereits zustande, weil Schüler auf dem Weg nach Hause am Aquarium vorbeigelaufen sind. Eine Tüte gab es auch. „Und dann saßen die hier bis 18 Uhr“, erzählt Arndt Spielmann. Erzählt haben sie von den letzten Monaten, vom Homeschooling und wie ätzend Corona einfach ist. Das Mitteilungsbedürfnis, sagen die beiden, ist immens. Und oft reicht es, einfach nur zu reden.

Saskia Hock ist 30 Jahre alt, Sozialpädagogin und hat richtig Lust auf die Arbeit mit Jugendlichen.

Man muss die Jugendlichen da abholen, wo sie gerade stehen. Ohne Druck, vor allem ohne Leistungsdruck. „Wir müssen erst einmal das Nötigste reparieren“, sagt Arndt Spielmann – keine Noten verbessern. Dabei wird auch die aufsuchende Jugendarbeit weiter eine Rolle spielen. Das Verabreden auf Instagram, das Treffen auf einem Parkplatz mit den mobilen Skate-Rampen. Es wird bleiben. Auch, weil es gut funktioniert, sagt Spielmann.

Dass die Jungen und Mädchen keine Lust mehr auf Regeln haben und ein lockereres Umfeld suchen, kann Saskia Hock verstehen. „Ich habe das Gefühl, wir werden wieder Anschluss kriegen“, sagt Spielmann. Noch ist Saskia Hocks Gesicht in Halver nicht bekannt. Das wird sich schnell ändern, ist Arndt Spielmann sicher. Die 30-Jährige hat viele Erfahrungen in der Jugendarbeit gesammelt, hat das vergangene Jahr bereits im Meinerzhagener Jugendzentrum verbracht. Etwas anderes kann sie sich nicht vorstellen, sagt sie klar.

Die Kiersperin wohnt ab Juli in Halver und freut sich auf die kommende Zeit, die hoffentlich mit dem Ende der Corona-Zet einhergehen wird, um richtige Jugendarbeit machen zu können. Wie wichtig ihre Aufgabe ist, hat Corona noch einmal mehr gezeigt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare