Ärger mit Bitcoins

Langeweile in der Firma: Mann aus dem MK fängt „Basisjob für Nebenbei“ an

Eine Bitcoin Münze steht auf einem Tisch.
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Der Mann aus Halver kaufte Bitcoins mit Geld, das ihm ein Unbekannter zur Verfügung stellte. Damit machte er sich strafbar (Symbolbild).

Weil ihm angeblich langweilig war, begann ein Mann aus dem MK einen „Basisjob für Nebenbei“. Das vermeintliche leicht verdiente Geld machte er mit Bitcoins, die er mit dem Geld von Dritten kaufte. Das Geschäft ging nach hinten los.

Halver – 25 schwere Betrugsfälle mit einem Gesamtschaden von mehr als 35 000 Euro waren eine schwere Bürde für einen 26-jährigen Mann aus Halver. Nach einer gründlichen Klärung dessen, was passiert war, kam er nach einer langen Verhandlung im Amtsgericht Lüdenscheid dennoch mit einer vergleichsweise milden Strafe davon – nicht wegen des zunächst angeklagten gewerbsmäßigen Betrugs, sondern wegen fahrlässiger Geldwäsche. Viel schwerer wiegen jedoch die Schadensersatzansprüche der Geschädigten.

Die Geschichte begann damit, dass sich der Angeklagte bei einem großen öffentlichen Arbeitgeber langweilte. „Wir haben nur jeden zweiten Tag gearbeitet.“ Und so bemühte er sich um einen „Basisjob für Nebenbei“ und erhielt kurz danach eine E-Mail. Der Absender teilte mit, dass er Honorarzahlungen erwarte. Diese sollten aber nicht über sein eigenes Konto, sondern das des 26-Jährigen abgewickelt werden. „Der Angeklagte sollte dieses Geld in Bitcoins umwandeln. Dafür sollte er zehn Prozent des Geldes bekommen“, erklärte Verteidiger Dirk Löber. Der Unbekannte lieferte auch noch die Anleitung für die Weiterleitung von 90 Prozent des Geldes an ein Geldinstitut in den Niederlanden. Und tatsächlich ließen sich sowohl die Zahlungseingänge als auch die etwas reduzierten Folge-Überweisungen auf den Kontoauszügen des Angeklagten nachweisen.

Schon an diesem Punkt der Geschichte stellten sich Richter Andreas Lyra und nicht nur ihm einige Fragen: „Was haben Sie sich dabei gedacht?“ Und er schlug einige Fragen vor, die sich der 26-Jährige hätte stellen können, um das Denken anzuregen: „Warum macht der (Unbekannte) das nicht alleine? Warum hilft der Ihnen noch mit der Umwandlung in Bitcoins? Und warum läuft das Ganze nicht über dessen Konto? Das stinkt doch!“ Verteidiger Dirk Löber konnte dem nur zustimmen: „Er hätte mehr nachdenken sollen und müssen. Er schämt sich sehr dafür.“ Und natürlich war auch der Angeklagte seit dem Tatzeitraum im August 2020 ein ganzes Stück schlauer geworden: „Das war dumm von mir.“

Denn die Gelder, die über sein Konto geflossen waren, stammten aus massiven Betrugstaten, die über die Internet-Plattform Ebay begangen worden waren. Die unbekannten Täter im Hintergrund hatten sich nicht mit angebotenen Kleinigkeiten begnügt, wie sie häufig vor Gericht verhandelt werden. Es ging vielmehr um hochpreisige Waren wie Zylinderköpfe, Vergaser, Felgensätze, Stickmaschinen, Modellautos, Modellflugzeuge, exklusive Kaffeeautomaten, ein Echolot, ein elektrisches Skateboard und vieles mehr. Teilt man den Gesamtschaden von 35.674 Euro durch die 25 angeklagten Betrugsfälle, ergibt sich ein durchschnittlicher Überweisungsbetrag der um ihre Ware geprellten Kunden von 1427 Euro.

Von dieser Vorgeschichte der Überweisungen wusste der Angeklagte zur Überzeugung des Schöffengerichts nichts. Er wurde deshalb nicht wegen Betrugs verurteilt. Es blieb aber ein Vorwurf, der sich darauf stützte, dass er eigentlich hätte nachdenken und erkennen müssen, dass er Teil eines ausgeklügelten Betrugssystems war: Der Paragraph 261 des Strafgesetzbuches bedroht jenen mit einer Haftstrafe bis zu zwei Jahren, der „leichtfertig“ nicht erkennt, dass er an einer Geldwäsche beteiligt ist. Dass er also dabei hilft, Gelder zu verbergen, bei denen ihm klar sein müsste, dass sie aus rechtswidrigen Taten stammen.

Angesichts der sehr hohen Schadenssumme hätte das Schöffengericht dafür auch eine Geldstrafe von bis zu 180 Tagessätzen oder eine Haftstrafe auf Bewährung verhängen können. Das Gericht berücksichtigte jedoch, dass der Angeklagte keinerlei Vorstrafen hatte und verhängte eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 50 Euro. Das war eine Menge Geld, und dennoch hatte Richter Andreas Lyra Recht: „Im Ergebnis hätte es für Sie kaum besser laufen können.“

Dass die Geschichte den Halveraner noch lange Zeit begleiten wird, liegt an einer Regelung des Zivilrechts. Obwohl er 90 Prozent des Geldes an die unbekannten Drahtzieher weiterleitete, können alle Geschädigten von ihm die Rückzahlung des gesamten Betrages einklagen. Da auch noch einige Betrugsfälle eingestellt wurden, dürften die möglichen Forderungen noch über den 35674 Euro liegen. Deren Einziehung wurde mit dem Urteil angeordnet. „Das war einfach nur eine dumme Entscheidung“, erklärte der Angeklagte in seinem Letzten Wort.

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