Biologen feiern „Sternstunde“ im Hülloch

Diplom-Biologe Michael Bußmann (Foto) erkundet im Auftrag des Märkischen Kreises gemeinsam mit seinem Kollegen Klaus Kraatz die Höhlen. Bereits im Eingangsbereich des Hüllochs stößt er auf drei Braune Langohren. ▪ F. Zacharias

HALVER ▪ Im Frühjahr erleben Michael Bußmann und Klaus Kraatz ihren „Jahres-Höhepunkt“, wie sie selber sagen: Dann geht es für die diplomierten Biologen in Diensten des Märkischen Kreises unter Tage – unter anderem eben auch ins Hülloch in Halver. Das seit 2004 der europäischen RichtlinieFauna-Flora-Habitat (FFH) unterstehende Revier wird vom Kreis regelmäßig genauestens unter die Lupe genommen. Eine Tierart hat es Bußmann und Kraatz dabei besonders angetan: Fledermäuse.

Nicht ohne Stolz bezeichnet Bußmann diese Höhle als ein Fledermausquartier „von europaweiter Bedeutung“. Dem AA gewährten er und sein Kollege nun die seltene Chance, bei einer der jährlichen Fledermauszählungen dabei zu sein. „Diese Höhle ist ein immer beliebteres Winterquartier, vor allem für die so genannten Braunen Langohren und die Mausohren“, erklärt Michael Bußmann. Diese Fledermausarten sind in fast ganz Europa heimisch und überwintern gerne in Höhlen – wie eben im Hülloch. Doch die Zahl war in den vergangenen Jahren überschaubar. „Als wir vor 25 Jahren mit den Zählungen begannen, hatten wir manchmal null bis zwei Tiere gefunden“, erinnert sich Bußmann. Umso größer ist die Überraschung, als ihm diesmal bereits im Eingangsbereich der Höhle drei Tiere „gegenüber hängen“ – allesamt Braune Langohren. „Sie haben ihren Winterschlaf offenbar unterbrochen und sind in Richtung Ausgang geflogen, ehe sie sich’s anders überlegt haben“, sagt der Biologe. Dass Fledermäuse ihre Winterschlafquartiere wechseln, sei keineswegs unüblich. Den Dreien, so viel ist schnell klar, geht es gut. Eine kleine Wasserfledermaus hatte weniger Glück: Sie liegt tot direkt neben der Eingangstür zum Hülloch.

Es soll der Auftakt zu einer echten Erfolgsgeschichte sein, die im Märkischen Kreis in den zurückliegenden Jahrzehnten einmalig ist: Insgesamt zählen Klaus Kraatz und Michael Bußmann am Ende zwölf Mausohren, fünf Braune Langohren – und ein „Ufo“, „ein unbekanntes Flugobjekt“, lacht Bußmann, „bei dem konnten wir aus der Ferne nicht erkennen, um welche Art es sich handelt.“

Er und sein Kollege haben bereits viele Höhlen nach Fledermäusen abgesucht, doch lebende 18 Tiere, das ist Rekord. „Eine Sternstunde“, freut sich Michael Bußmann, der die Expedition ins Hülloch im Frühjahr 2011 so schnell nicht vergessen wird. ▪ Frank Zacharias

Lesen Sie mehr zur Expedition ins Hülloch in der Samstagsausgabe des Allgemeinen Anzeigers.

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