Langohren aus Halver

Bianca Sanders züchtet Kaninchen - und erklärt den Unterschied zu Hasen

+
Bianca Sanders züchtet Deutsche Widder.

Halver - Für gewöhnlich sind es die älteren Herren, die sich die Zeit für die Kaninchenzucht nehmen. Bianca Sanders beweist das Gegenteil.

Mit ihren 32 Jahren ist die junge Mutter mit ihrem Hobby eine Seltenheit – warum eigentlich? Eine Liebhaberzucht nennt es die Halveranerin. „Ich liebe meine Tiere.“ Weil sie süß sind? „Ja, sie sind unglaublich süß. Aber sie haben auch alle einen tollen Charakter.“ 

Die kleinen Klopfer seien vom Wesen her ähnlich wie Hunde – ruhig und gesellig. Und sie sind stubenrein. „Das trainiere ich ihnen an“, sagt Sanders. Das sei für alle, die Kaninchen in ihrer Wohnung ohne Käfig halten, von Bedeutung. Die Kaninchen laufen frei in der Wohnung rum, sitzen mit auf der Couch und gehen auf ein Katzenklo. Verrückt ist das nicht – den Besitzern der Tiere liegt viel daran, ihnen ein schönes Leben zu ermöglichen, und dazu gehört Freilauf und keine ausschließliche Käfighaltung. 

Kaninchen hoppeln durch den Garten

Bei Bianca Sanders ist das ähnlich, auch wenn sie alle eine Box im Garten haben. Die 15 Kaninchen hoppeln durch den großzügigen Garten, in dem auch Wachteln, Enten, Gänse und ein Pony zuhause sind. Ab und zu komme es vor, dass sogar das Pferd, nicht auf dem Flur, aber dafür halb in der Küche steht. 

Süße Kaninchen: Die Titer ernähren sich vegetarisch.

Auch die Fraktion Schlappöhrchen kennt das Leben in der Gemeinschaft. Während die vier Kinder der Tagesmutter vormittags im Garten spielen, hoppeln sie quer durchs Grün. „Ab und zu sitzt auch mal einer im Sandkasten“, erzählt Sanders. „Dann backen die Kinder einen Kuchen für die Kaninchen.“ Dass sie eigentlich eher Löwenzahn, Obst und Gemüse essen, lernen die Kinder auch. Sie sammeln frisches Grünzeug auf der Wiese und wissen auch, was der Unterschied zwischen Hasen und Kaninchen ist. 

Während Hasen eher als Einzelgänger unterwegs sind, sind Kaninchen am liebsten in Gemeinschaft. Auch als Jungtier verlässt der Hase sofort das Nest, während Kaninchen noch eine Weile bei der Mutter hocken. Und auch der Körperbau ist unterschiedlich. Lange Hinterbeine machen den Hasen zu einem schnellen Läufer, kürzere Beine beim Kaninchen machen es zwar langsamer, aber dafür zu einem guten Gräber. 

Hasen stehen unter Artenschutz

Abgesehen davon stehen Hasen unter Artenschutz und dürfen nicht eingefangen werden. Wer also Zuhause einen hoppelnden Mitbewohner hat, hat ein Kaninchen. Bei Bianca Sanders sind es Deutsche Widder in blau-weiß – im besten Falle zumindest. Manche sind auch einfach nur blau, die Chance ist fifty-fifty. Beim aktuellsten Wurf, der mittlerweile neun Wochen ist, kamen auf elf Junge vier in blau-weiß. Wie viele ein Kaninchen wirft, ist auch immer eine Überraschung. „Zwischen zwei und zwölf Jungen können es sein.“

Der Züchterin geht es um die blau-weißen. Sie sollen perfekt werden. Maßstäbe, die in der freien Natur eher wenig interessieren, bringen Punkte bei den Preisrichtern. Dort geht es dann um eine weiße Zeichnung auf der Stirn und ein weißes Bäuchlein, aber auch um Körperform, Fellqualität und Sauberkeit. 

Damit alles stimmt, wird beeinflusst, was beeinflusst werden kann. Jeden Sonntag werden alle Tiere gebürstet und gepflegt. Dreimal am Tag werden sie mit selbst zusammengestellten Futter versorgt und bekommen zudem frisches Obst und Gemüse. Die Boxen werden jeden Tag gesäubert und viel Freilauf, auch bei Schnee, gehören dazu. 

Im Doppelpack geht es den Tieren am besten.

Die Kaninchenzucht, die Bianca Sanders seit Anfang vergangenen Jahres betreibt, sei nur ein Hobby. Auch wenn die Tiere mit gut einem Jahr weitergegeben werden, macht sie damit keinen Gewinn. Aber ist das wirklich nur ein Hobby? Abgesehen von Zeit und Geld, die sie investiert, sind die Schlappöhrchen ein Teil der Familie. Wenn die 32-Jährige ihre Tiere sieht, beginnt sie zu strahlen. Nur Tochter Thora toppt es – etwa wenn sie barfuß über die Wiese läuft, Schnecken rettet oder vom Baumhaustelefon die Omi anruft. „Seit sie fünf Tage alt ist, ist sie jeden Tag draußen.“

Kaninchen brauchen Gesellschaft

Ähnlich unbeschwert soll das Leben der Deutschen Widder verlaufen. „Sie müssen keine Preise gewinnen“, sagt sie. Auch wenn sie sich darüber freuen würde. An erster Stelle geht es ihr aber um ein schönes, artgerechtes Leben für die Tiere. Und ein Kaninchen Zuhause alleine halten reiche da nicht. Man sollte sie mindestens zu zweit halten, besser zu dritt, sagt Sanders. „Sie brauchen die Gesellschaft.“ 

So sei auch das Klopfen der Kaninchen eine reine Kommunikation untereinander. „Auf diese Weise warnen sie sich vor Gefahren, hören, wer da ist und unterhalten sich.“ Bianca Sanders weiß eigentlich alles über ihre Tiere, immerhin hält sie sie nicht nur, sondern lebt mit ihnen zusammen. „Ich hatte schon immer Zwergkaninchen“, sagt Bianca Sanders. Dass sie mit der Zucht vor einem Jahr anfing und dem Rassekaninchenzuchtverein in Oberbrügge beitrat, habe sich dann so ergeben. Jetzt sind die Kaninchen Teil ihres Lebens – und ihrer Familie.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare