Kein Anschluss am Tannenweg

Bewohner im Neubau in Halver warten auf die Telekom

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Das Handy ist der Draht nach draußen. Festnetz und Internet funktionieren nicht und damit auch nicht das dringend nötige Hausnotrufsystem. Die Telekom verweist auf technische Probleme und eine notwendige „Erweiterung des Auftrags“.

Halver - „Erleben, was verbindet.“ Mit diesem Slogan wirbt die Telekom Deutschland GmbH für ihre Arbeit. Ein ganz eigenes Erlebnis mit der Telekom haben zurzeit die Eheleute Schneider, der Architekt Jochen Hedtstück und der Investor Eberhard Franke.

Es geht um das erste der beiden Wohnhäuser am Tannenweg in direkter Nachbarschaft zum Fachmarktzentrum. 14 Wohneinheiten haben Hedtstück und Franke dort realisiert. Wenn die Bewohner telefonieren wollen, nehmen sie das Handy. Anders geht es nicht. 

Wann die Festnetzanschlüsse und damit auch die Möglichkeit, das Internet zu nutzen, hergestellt werden, ist nicht bekannt.

Kupfer und Glasfaser liegen im Keller

Im Keller des Gebäudes kommen Glasfaserleitungen aus der Wand. Als Backup hängt ebenso funktionslos ein Kupferkabel. 

Beides ist offenbar verbunden mit dem Verteilerkasten draußen ein paar Meter weiter. Im Haus selbst verlegt ist das Endnetz in die Wohnungen, ausgeführt in Kupfer.

Um am Tannenweg 5 über das Festnetz telefonieren zu können, gäbe es wohl mehrere Optionen. So könnten die Glasfaserleitungen an das Kupfer-Endnetz angebunden werden, und zwar für jede Wohneinheit einzeln. Alternative wäre, die Verbindung direkt über Kupfer zum Verzweiger herzustellen – entweder im Keller oder direkt in dem Verteiler.

Alle Kabel liegen im Keller. Problem ist der Übergang ins Endnetz im Haus.

Wer dafür zuständig ist, darüber gehen die Meinungen aber auseinander. Hedtstück ist der Auffassung, dass die Telekom in der Pflicht steht. Auch Elektroinstallateure sagen, dass das Unternehmen für die Verbindung zum Endstück zuständig sei. 

Bei der Telekom hat man eine andere Sicht auf die Dinge am Tannenweg. Ursache für die Verzögerung sei, schreibt eine Sprecherin auf Anfrage des Allgemeinen Anzeigers, dass vom Kunden ein moderner, zukunftsfähiger Glasfaseranschluss beauftragt, die Innenverkabelung jedoch in Kupfer realisiert worden sei. 

Ohne den Einsatz zusätzlicher Technik könnten die Daten jedoch nicht auf die Kupferkabel bis in die Wohneinheiten weitergeleitet werden. 

Ein Lösungsvorschlag sei vom Architekten und vom Bauträger abgelehnt worden. Bevor eine Einigung über die „Erweiterung des Auftrags“ gefunden werde, könne man die Kundenanschlüsse nicht realisieren. 

Hausinstallation nicht veränderbar

Hedtstück und Franke können die Argumentation des Dienstleisters nicht nachvollziehen. Seit dem Frühjahr 2017 ist klar, dass die Telekom die Versorgung in dem Neubau sicherstellen soll. 

Die Telekom bedankt sich höflich für die Erteilung des Auftrags und liefert auch gleich die „Standardinstallationsregeln für das Endleitungsnetz“ mit: „Das Endleitungsnetz kann als Kupfer- und/oder Lichtwellenleiternetz in und zwischen den Gebäuden auf dem Grundstück ausgeführt sein.“ Auf diese Aussage habe man sich verlassen, sagt Hedtstück. Die Option, innerhalb des Hauses statt der Kupfer- nun nachträglich Glasfaserleitungen einzuziehen, sei technisch nicht mehr möglich. 

„Ich muss ja auch mal einkaufen“ 

Für Eigentümer und Mieter entsteht so eine schwierige Situation. Ingrid und Johannes Schneider hatten Mitte Oktober gehofft, „einfach nur einziehen zu können“. Die Telefon-Problematik war ihnen zu diesem Zeitpunkt nicht klar. 

Denn Ingrid Schneider kann ihren 80 Jahre alten Mann eigentlich nicht allein lassen. Er ist gesundheitlich erheblich vorgeschädigt. Sollte er bei einem Schwindelanfall stürzen und ohne Hilfe sein, könne das fatale Folgen haben. „Aber ich muss ja auch mal einkaufen“, sagt sie im Gespräch mit dem AA. 

Die Lösung, auf die die Eheleute gesetzt hätten, kommt jedenfalls nicht zum Tragen. Johannes Schneider hätte sich eines Hausnotruf-Systemes bedient, wie es die Johanniter anbieten. Doch diese Möglichkeit basiert auf einem Festnetzanschluss. Für Hedtstück grenzt die Haltung der Telekom, was die Immobilie am Tannenweg angeht, vor diesem Hintergrund „an unterlassene Hilfeleistung“.

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