Arzt reagiert mit Strafverfahren

Betrogen vom Zahnarzt? 50-Jähriger nach Sturz im Streit

Zahnarzt
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Nach Zahnbehandlung vor Gericht.

Ein schwerer Sturz mit dem Fahrrad und die darauf folgende Zahnbehandlung hat einem heute 50-jährigen Mann aus Halver jahrelange Auseinandersetzungen vor Gericht eingebracht.

Halver/Lüdenscheid – Fünf Jahre nach dem Sturz hat das Amtsgericht Lüdenscheid jetzt das Strafverfahren wegen eines angeblichen Betruges eingestellt.

Es war eigentlich Glück im Unglück: Der Halveraner hatte eine Unfallversicherung, die die Kosten für die Behandlung übernehmen musste. Eine erste Rechnung des behandelnden Zahnarztes wurde ohne Beanstandungen bezahlt. Bei einer zweiten Rechnung des Arztes stutzte die Versicherung jedoch: Entgegen der ersten Rechnung und dem ursprünglichen Kostenvoranschlag hatte der Mediziner die Behandlung von zwei Zähnen in Rechnung gestellt.

„Deshalb vermuten wir Betrug“, zitierte der Angeklagte die Auskunft seiner Versicherung, die sich weigerte, den Rechnungsbetrag zu erstatten. Und konsequenterweise verweigerte auch der „Angeklagte“ die Begleichung der Rechnung bis zur Klärung der offenen Fragen.

Zahnarzt reagiert mit Strafverfahren

Der Zahnarzt reagierte darauf offenbar mit der Keule eines Strafverfahrens: Er unterstellte seinem Patienten eine Betrugsabsicht und zeigte ihn an. Vor einem Zivilrichter des Amtsgerichts erstritt er außerdem sein Honorar.

Der 50-Jährige verlor diesen Prozess: „Ich wurde verdonnert, ihm das Geld zu zahlen“, erklärte er. „Er hat sein Geld bekommen.“

Trotz des engen Zusammenhangs lehnte das Amtsgericht die Zusammenlegung dieses Prozesses mit der nun folgenden Klage des 50-Jährigen gegenüber seiner Versicherung ab. Also musste er nun die Erstattung der bereits bezahlten Rechnung von seiner Versicherung erstreiten.

Insgesamt hätten ihn die Zivilverfahren mehr als 1300 Euro gekostet, rechnete der Halveraner vor. Außerdem sei es eine „Mega-Belastung“ für ihn gewesen, jahrelang mit dem unberechtigten Vorwurf des Betrugs leben zu müssen. Er zeigte sich deshalb empört über die Strafanzeige seines Zahnarztes und wunderte sich, dass der Mediziner nicht die Kosten für das unberechtigte Strafverfahren tragen musste. Das war ein moralisch nachvollziehbarer, aber nicht durchsetzbarer Gedanke.

Der 50-Jährige wusste nach dem beendeten Strafverfahren aber, dass er seinerseits eine Strafanzeige gegen seinen Zahnarzt stellen könnte - wegen falscher Verdächtigung und Verleumdung. Der Ausgang eines solchen Strafverfahrens wäre allerdings sehr ungewiss.

Keine direkte Konfrontation

Zu einer direkten Konfrontation zwischen Patient und Zahnarzt kam es nicht im Gerichtssaal. Denn zum Verhandlungstermin waren der Mediziner und weitere Zeugen aus seiner Praxis gar nicht erst erschienen. Da Staatsanwalt und Richter keinen Anlass für eine Vernehmung der Zeugen sahen, wurden wegen dieser Säumigkeit keine Ordnungsgelder verhängt. „Der vermeintlich Geschädigte hat kein Interesse mehr an dem Strafverfahren“, erklärte Richter Markus Pohl und stellte hinsichtlich des Strafverfahrens fest: „Das gehört nicht vor einen Strafrichter.“ Der Vertreter der Anklage sah das genauso: „Ich sehe keinen Betrug.“

Der zu Unrecht Beschuldigte zögerte zunächst, einer sang- und klanglosen Einstellung des Strafverfahrens zuzustimmen. Es hätte auch sehr gute Gründe für einen Freispruch gegeben. Dafür hätte die Geschichte jedoch mit allen Beteiligten umfassend aufgeklärt werden müssen. Darauf verzichtete aber letztlich auch der sogenannte „Angeklagte“.

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