Zustand der Weihnachtsbäume

Trockenheit und Borkenkäfer: Sind die Weihnachtsbäume in Gefahr?

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Weihnachtsbäume so weit das Auge reicht: Mit bunten Fahnen werden die für den Verkauf geeigneten Bäume gekennzeichnet.

Halver - Trockenheit und Frost sind neben dem Borkenkäfer die größten natürlichen Feinde der heimischen Bäume - auch für die Weihnachtsbäume.

Ein Fachmann auf diesem Gebiet ist Heiko Tacke. Egal, ob Nordmanntanne oder Blaufichte, auf dem Weihnachtsbaumhof Tacke in Eickerhöh ist für eine große Auswahl an Weihnachtsbäumen gesorgt. „Es gibt drei Probleme für unsere Bäume“, erklärt Heiko Tacke. 

Spätfröste treten in der Regel Mitte Mai auf und können besonders für Nordmanntanne und Blaufichte zu einem großen Problem werden. „Ab minus 2,5 Grad Celsius frieren die Triebe kaputt“, berichtet Heiko Tacke und schildert: „In NRW waren mehr als 50 Prozent der Blaufichten betroffen, was einen Marktanteil von zehn Prozent ausmacht.“ Die Nordmanntanne sei deutlich geringer betroffen, da diese erst 14 Tage später treibe. 

Gleichwohl sei es in diesem Jahr knapp gewesen. Um dem Spätfrost etwas entgegen zu wirken, ergreift Heiko Tacke deshalb verschiedene Maßnahmen. So meidet er bei der Pflanzung seiner Bäume beispielsweise Südhänge und Tallagen. Außerdem sei er dabei, mit anderen Sorten zu arbeiten, die mit den klimatischen Bedingungen besser klar kämen. „Insgesamt habe ich den Eindruck, dass das Thema Spätfrost mit den Jahren mehr geworden ist.“ 

Knackpunkte gab es 

Für größere Veränderungen in der Arbeit von Heiko Tacke hat die anhaltende Trockenheit in den vergangenen Jahren gesorgt. Knackpunkt für Tacke war unter anderem das Jahr 2016: „Das war ein sehr trockenes Jahr, weshalb wir daraus gelernt haben und seit dem dreijährige Bäume statt wie bisher Vierjährige pflanzen.“ Zudem praktiziere er seit ein paar Jahren die Zwischenfrucht, wodurch der Boden über mehr Humus verfüge, was den Vorteil mit sich bringe, dass die Feuchtigkeit dort besser halte. 

Heiko Tacke sieht seinen Hof gut aufgestellt.

Außerdem hat Tacke von der Frühjahrs- auf die Herbstpflanzung umgestellt. „Der Vorteil hierbei ist, dass die Bäume mit Beginn der Trockenheit eine größere Wurzel vor der Austreibung haben. Dadurch sind wir momentan bei unter fünf Prozent Ausfall.“ Des Weiteren hat Tacke feststellen müssen, dass die ersten beiden Jahrgänge seiner Pflanzung mehr gelitten hätten als die älteren Bäume. „So etwas ist sehr ärgerlich und kostet Geld“, so Tacke. Jedoch gibt es auch Lichtblicke, denn die Nordmanntanne hat als Pfahlwurzler einen großen Vorteil, da die Wurzel deutlich tiefer in den Boden wächst und so eine bessere Wasserversorgung gewährleistet ist. 

Auch Borkenkäfer als Problem

Der Borkenkäfer, der seit dem Jahr 2018 ein großes Problem für die Forstwirtschaft darstellt, hat es unter anderem auch auf die Blaufichten abgesehen. Die Nordmanntanne hingegen scheint kein ausgemachtes Ziel des Schädlings zu sein. „Es gibt keine Belege, dass die Nordmanntanne anfällig für den Borkenkäfer ist, was wiederum Hoffnung für die Zukunft macht“, freut sich Heiko Tacke über diese Tatsache. 

Nordmanntanne als Naturtalent

Resignation setzt bei Heiko Tacke trotz der Vielzahl an Problemen jedoch nicht ein. Stattdessen sieht er auch positive Entwicklungen, die sich besonders bei der Nordmanntanne abzeichnen. „Die Nordmanntanne passt sich an ihre Umwelt an. Ich vermute, dass sich durch die Trockenheit die Schließzellen der Pflanze gekräftigt haben“, stellt Tacke eine Vermutung auf und ergänzt: „Wir haben uns innerhalb der Branche ausgetauscht und haben den Eindruck, dass sich die Haltbarkeit durch die Trockenheit verbessert hat. Deshalb erwarten wir ein überdurchschnittlich gutes Jahr.“ 

Frostschäden wie bei diesem Baum bereiten Heiko Tacke Sorgen.

Somit ist die Nordmanntanne wohl als echtes Naturtalent anzusehen. Insgesamt sehe er in der Mengenversorgung kein Problem, gleichwohl er anmahnt: „Wer eine Blaufichte als Weihnachtsbaum haben möchte, der sollte sich frühzeitig darum kümmern und nicht erst am 23. Dezember los gehen.“ Die Sicherung der Mengenversorgung ist jedoch nicht die einzige gute Nachricht, die Tacke verkünden kann: „Der Preis für die Weihnachtsbäume ist im vierten Jahr in Folge konstant und liegt bei 18 bis 24 Euro für den laufenden Meter.“

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