Ein Baumhain für Urnen

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Roland Pfeiffer, Vorsitzender des Presbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde Halver-Oberbrügge, hat sich für den Baumhain für Urnenbestattungen auf dem Oberbrügger Friedhof eingesetzt.

Halver - Mitten im Dorf auf einem Hügel liegt der Friedhof der Evangelischen Kirchengemeinde Halver-Oberbrügge. Zuständig für dessen Belange ist Roland Pfeiffer, der Vorsitzende des Presbyteriums. Auf dem Friedhof findet sich eine Besonderheit: Ein Baumhain für Urnenbestattungen.

„Für viele Angehörige ist Grabpflege heute schwierig“, sagte Pfeiffer. „Zum Beispiel, wenn sie sehr weit entfernt wohnen.“ Auf allen Friedhöfen wird deshalb mittlerweile die Baumbestattung angeboten. „Dort kann jedoch immer nur eine Person beigesetzt werden“, erklärte er. „Wenn einige Jahre später der Partner oder die Partnerin stirbt, erfolgt die Beisetzung auf einem anderen Teil des Friedhofs.“

Acht Urnenröhren aus Edelstahl wurden um jeden Baum herum eingepflanzt. In jeder Röhre können zwei Urnen beigesetzt werden, sodass Paare zum Beispiel gemeinsam beerdigt werden können.

Auf seine Initiative entstand in Oberbrügge nun ein Baumhain. Hier besteht die Möglichkeit, dass Paare beigesetzt werden können. „Diese Form des Baumhains gibt es im gesamten Märkischen Kreis nicht“, sagte Roland Pfeiffer. Er wählte dazu eine Fläche aus, die ursprünglich auf drei Ebenen angelegt war. Die Nutzungszeit der hierauf befindlichen Gräber war nach 30 Jahren abgelaufen. Mit dem Auftragen von Erde wurde eine grade Fläche geschaffen, Rasen eingesät und speziell gezüchtete Hainbuchen gepflanzt. „Sie wachsen schlank und aufrecht“, erklärte der Landschaftsarchitekt. „Es soll nicht wie ein Wald wirken, sondern auch mal Sonne auf den Rasen scheinen.“ 

Kreisförmig um jeden Baum wurden acht Urnenröhren aus Edelstahl eingepflanzt. In jeder Röhre können zwei Urnen beigesetzt werden. Der Deckel der 80 Zentimeter tiefen Röhre kann mit einem Messingplättchen versehen werden, in das Namen eingraviert werden. „Die Deckel lassen sich nicht öffnen, Vandalismus ist also ausgeschlossen“, hob Roland Pfeiffer hervor.

Alternative zu Grabstätten

Auf einer Steinmauer vor dem Feld stehen Sitzbänke zur Verfügung. Blumen und Gestecke können auf einer halbrunden Steinfläche niedergelegt werden. Damit ist der Baumhain eine Alternative zur pflegeleichten Urnengrabstätte. Das ist eine Rasenfläche auf der Urnen beigesetzt werden. Namenschilder weisen auf den oder die Verstorbene hin. Aus Kostengründen ist das Ablegen von Blumen darauf nicht gestattet.

Gemeinde entspricht Wunsch der Bürger

Mit einem weiteren neu angelegten Feld entspricht die Kirchengemeinde dem Wunsch aus der Bevölkerung nach Urnenwahlgräbern für Paare. Das Gräberfeld bietet Platz für jeweils ein oder zwei Urnen und ist 0,90 x 1 Meter oder 0,90 x 2 Meter groß. Gemäß der Friedhofssatzung ist ein Stein, sowie individuelle Bepflanzung oder das Auftragen von Kies erlaubt. Sitzflächen in unmittelbarer Nähe bieten Gelegenheit zum Verweilen.

Änderung der Friedhofsatzung

Der Deckel der 80 Zentimeter tiefen Röhre kann mit einem Plättchen mit Namen versehen werden.

Pfeiffer zeigte sich zufrieden, dass die Kirchengemeinde die Neuerung nach etwa 18-monatiger Vorlaufzeit nun anbieten kann. „In einer Fachzeitschrift las ich etwas über den Baumhain“, erläuterte Pfeiffer. Nachdem er nähere Informationen eingeholt hatte, legte er seine Pläne dem Presbyterium vor und stieß dort auf ungeteilte Zustimmung. Im Anschluss daran stellte die Kirchengemeinde einen Antrag an das Kreiskirchenamt sowie das Landeskirchenamt in Bielefeld.

Im weiteren Verlauf musste die Friedhofssatzung geändert und ausgehängt werden“, informierte er über die Regularien. Zum Schluss erfolgte die Anpassung der Friedhofsgebührensatzung. Nach Ablauf der Einspruchsfrist ist sie automatisch rechtskräftig. Urnenröhren, so informierte Roland Pfeiffer, können ab sofort gekauft werden. Fragen dazu beantwortet Gemeindesekretärin Ute Sonderberg. Sie ist montags von 9 Uhr bis 12 Uhr und mittwochs von 15 bis 17 Uhr im Büro erreichbar unter der Rufnummer 0 23 51/ 74 98 oder per Mail an info@kirche-oberbruegge.de.

Kosten

Die Gebühr für die Beisetzung im Baumhain inklusive Messingplättchen beträgt 2425 Euro. Die Verlängerungsgebühr pro Jahr und Tag beträgt 44,22 Euro, 340 Euro kostet die zweite Urnenbeisetzung. Hinzu kommen 95,20 Euro für das weitere Beschriften des Messingplättchens. Im Baumhain entfällt die Pflege. Anders ist das bei den neuen Urnenwahlgräbern. Hier müssen Hinterbliebene zu den Beisetzungskosten die Kosten hinzurechnen, die bei 30-jähriger Nutzungszeit anfallen. Die Urnenbeisetzung kostet 790 Euro je Grab, die Verlängerungsgebühr pro Grab und Jahr 18,90 Euro.

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