Auf Besitzersuche im Fundbüro

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Ob Schlüssel, Stofftiere, Walkie Talkies oder Kinderschuhe – bei Jannicke Wellnitz werden die Fundsachen verwaltet.

Halver - Wenn Jannicke Wellnitz den grauen Stahlschrank in ihrem Büro im Rathaus aufschiebt, kommen nicht – wie man bei einer Mitarbeiterin der Verwaltung vermuten könnte – Akten zum Vorschein. In den Regalen liegen ein Kinderschuh, ein Walkie-Talkie und ein kleiner Stoffaffe. Jannicke Wellnitz arbeitet im Fundbüro.

Die Diplomverwaltungswirtin kümmert sich um alle Dinge, die aufmerksame Bürger in und um Halver finden. „Meist werden Schlüssel abgegeben“, weiß die 23-Jährige. Doch auch Handys landen immer häufiger in Zimmer 7 des Rathauses. „Bei hochpreisigen Wertsachen dauert es nicht lang, dann stehen die Eigentümer vor der Tür“, so Wellnitz weiter. Andere Dinge lägen schon mal etwas länger im Fundbüro. „Im Keller lagert seit Anfang des Jahres ein Modellflugzeug. Auch Fahrräder, Rucksäcke mit zum Teil verderblichem Inhalt und einen Taschencomputer mit allem Zubehör haben Bürger schon gefunden.

Laut Gesetz haben die Eigentümer ein halbes Jahr Zeit, ihre Sachen abzuholen. Danach, so Jannicke Wellnitz, verfällt das Besitzrecht. Zudem haben Finder ein besonderes Fundrecht. „Es ist schon häufiger vorgekommen, dass dem Finder die Dinge auch selbst ganz gut gefallen“, so Wellnitz. Hat sich nach einem halben Jahr also kein rechtmäßiger Besitzer gefunden, kann sich entweder der Finder freuen oder die Fundsachen werden von der Stadt – so sie einen gewissen Wert besitzen – verkauft. Zu diesem Zweck wurde vor einer Woche der Online-Fundsachenverkauf gestartet. Auf der Internetseite der Stadt Halver ist neben sieben Mountainbikes auch ein Cityroller für kleines Geld zu haben. Die Fahrräder, so Wellnitz, werden in dem Zustand angeboten, in dem sie auch im Fundbüro abgegeben wurden. Das heißt, platte Reifen, ein defekter Sattel oder eine abgesprungene Kette müssen schon mal in Kauf genommen werden. „Die Rahmen der Räder sind aber noch gut in Schuss“, betont die Halveranerin. Zwischen zehn und 50 Euro müssen Interessenten für die Räder berappen – „natürlich können sie vorher im Rathaus begutachtet und getestet werden“, so Jannicke Wellnitz weiter. Übrigens: Schlüssel gehen natürlich nicht in den Verkauf. Sie werden nach der halbjährigen Frist grundsätzlich vernichtet.

Enge Zusammenarbeit besteht auch mit der hiesigen Polizei, wenden sich doch viele Finder zunächst an sie. Die Beamten bringen die Fundsachen dann zu Jannicke Wellnitz. „Ich erinnere mich an einen Kasten Bier, den mir die Polizisten mal vorbei brachten. Die stand im Park und gehörte eigentlich ein paar Jugendlichen, die aber abgehauen waren, als sie die Beamten sahen“, lacht Wellnitz.

Wer etwas verloren hat, kann sich seit einigen Wochen auch im Internet auf die Suche begeben. Im Online-Fundbüro auf der Internetseite der Stadt werden alle Dinge aufgelistet, die im Rathaus abgegeben worden sind. „Bei den ganzen Auto- und Sicherheitsschlüsseln, die hier liegen, geben die meisten Leute viel zu schnell auf“, vermutet Jannicke Wellnitz, „oder sie fangen erst gar nicht an zu suchen.“

www.halver.de

Von Friederike Domke

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