Berufung: Zweite Chance für einsichtigen Vater

HALVER/HAGEN ▪ Im Jahr 2006 meldet ein heute 45-jähriger Mann aus Halver ein Gewerbe im Kfz-Bereich an. Zwei Jahre später benutzt er es, um sich auf illegale Weise zu bereichern. Resultat: Er findet sich gleich zweimal im Gerichtssaal wieder.

Am 7. Dezember 2008 bestellt ein Kunde Bremsscheiben beim Angeklagten. Dafür bezahlt er 130 Euro im Voraus. Nur ein paar Monate später, am 9. April 2009, bestellt ein weiterer Kunde neue Reifen. Auch hier fordert der 45-Jährige 130 Euro Vorkasse ein. Beiden Fällen ist gemein, dass die Auftraggeber weder die bestellte Ware erhalten noch das vorgeleistete Geld zurückbekommen. Darüber hinaus wird der Angeklagte am 19. August 2009 ohne Führerschein hinterm Steuer eines Fahrzeugs erwischt, als er gerade die Volmestraße befährt. Das Amtsgericht Lüdenscheid verurteilte den Mann dafür am 2. Februar dieses Jahres wegen zweifachen Betruges und Fahrens ohne Führerschein zu einer Haftstrafe von vier Monaten ohne Bewährung. Gegen diese Entscheidung legte der Halveraner jedoch Berufung ein – mit Erfolg.

Gestern befasste sich das Landgericht Hagen mit dem Fall. Wie bereits in erster Instanz räumte der Angeklagte auch gestern die Vorwürfe sofort ein. Mittlerweile hat er das Gewerbe aufgegeben und auch schon einen Teil des Geldes an die Kunden zurückgezahlt. „Das war einmal. Das ist jetzt vorbei. Das Gewerbe ist offiziell abgemeldet. Das gibt’s nie wieder”, so der mehrfache Familienvater voller Reue. Auch bezüglich der Fahrt ohne Führerschein zeigte er Einsicht: „Das war dumm. Ich dachte, die 500 Meter wird nichts passieren. Das war falsch.”

Seit dem 4. November vergangenen Jahres sitzt der Mann in einer anderen Sache in der JVA Attendorn ein. Er gibt an zu wissen, dass er sein Leben wieder in den Griff bekommen muss – seiner Familie zu Liebe. „Meine Frau ist schwer krank. Meine kleine Tochter leidet sehr darunter.” Gestern konnte er dem Gericht ein Schreiben vorlegen, das bescheinigte, dass der zuletzt arbeitslose Mann ab August die Möglichkeit hätte, einen Job anzufangen. „Ich muss bis August raus sein”, erklärte der Angeklagte fast flehend. Am Ende entschied das Gericht die Betrugsvorwürfe einzustellen. Damit blieben nur noch zwei Monate für den Rest übrig. Bei einer Zweidrittel-Entlassung wäre der Mann bis August auf freiem Fuß und könnte ein neues, straffreies Leben beginnen. ▪ jape

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