Beim Bosseln geht’s richtig zur Sache

OBERBRÜGGE ▪ „Nun komm schon, du musst versuchen, die Bossel ein wenig weiter links zu schieben.“ Anlauf, Schwung und passt, die grüne Bossel rutscht auf die weiße zu und drängt sie aus dem Punkte gebenden Carré. „Siehst du, so wird’s gemacht!“ Beim Hallenbosseln sind nicht nur Geschicklichkeit und Schnelligkeit gefragt, sondern auch eine ganze Portion Kraft.

Denn mit einem Gewicht von 4,5 Kilogramm, ist die Bossel ganz schön schwer. Aber für die trainierten Spieler der Behindertensportgemeinschaft Oberbrügge ist das kein Problem. Zu ihrem alljährlichen Bosselturnier in der Oberbrügger Grundschule, kamen am Samstag sieben befreundete Mannschaften aus dem Märkischen Kreis zusammen: aus Menden, Werdohl, Gevelsberg, Lüdenscheid, Hemer, Plettenberg und Iserlohn.

Wer Hallenbosseln zum ersten Mal sieht, denkt direkt an Eisstockschießen. Die in Bayern und Österreich sehr beliebte Sportart, ist mit dem Hallenbosseln eng verwandt. „Aber wir brauchen kein Eis und können somit ganzjährig spielen.“, schmunzelt Rudolf Siebert. Der erste Vorsitzende und Übungsleiter der Mannschaft aus Oberbrügge koordiniert das Turnier. Wer wann gegen wen spielt – Rudolf Siebert weiß es ganz genau. Er selbst hat Jahre lang leidenschaftlich gebosselt, heute spielt die Gesundheit aber nicht mehr ganz mit. „Meine Aufgaben liegen halt jetzt woanders.“ 

Seine  Sportkameraden sind aber noch richtig fit, eine Behinderung ist nicht auf den ersten Blick erkennbar. Und trotzdem haben die Mitglieder Probleme mit ihren Knochen oder anderen Stellen ihres Körpers. „Wir alle sind mindestens zu 30 Prozent schwer behindert“, sagt Siebert. „Aber wir haben Spaß an der Bewegung und dass das Bosseln als Behindertensport abgetan wird, verstehe ich nicht. Hier werden auch gesunde Menschen sportlich gefordert.“ Gemeinhin gilt Hallenbosseln als Sport für körperlich Beeinträchtigte. Gerade bei Rollstuhlfahrern ist diese Art der Bewegung beliebt. Genauso wie Blinde, schulen sie durch das gerade Werfen ihren Gleichgewichtssinn. „Das Bosseln entstand übrigens während des Zweiten Weltkrieges“, erklärt Siebert. „Soldaten mit Amputationen begannen mit dem Spiel in den Lazaretten.“ In leicht abgeänderter Form, hat das Spiel heute einen sicheren Platz in deutschen Turnhallen. Und auch in Oberbrügge gab es nach vier Stunden spannenden Wettkämpfen einen Sieger: Lüdenscheid gewann vor Werdohl und Menden das Turnier. Die gastgebende Mannschaft der BSG Oberbrügge erspielte sich auch einen zufrieden stellenden sechsten Rang. Viel Zeit zum Üben für die nächste Herausforderung bleibt aber nicht. Denn schon im April und Mai laden die anderen Vereine aus dem Märkischen Kreis zum Hallenbosseln ein. ▪ Friederike Domke

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