1. come-on.de
  2. Volmetal
  3. Halver

Neuer Kämmerer in Halver - seine Ziele und Perspektiven

Erstellt:

Von: Florian Hesse

Kommentare

Simon Thienel
Simon Thienel © Hesse, Florian

Der Neue hat keine Langeweile. Vom 2. Obergeschoss, wo Kämmerer Simon Thienel zum Jahresbeginn sein Büro bezogen hat, sind es bis zum Foto vorm Rathaus im Flur fünf Kontakte mit Kolleginnen und Kollegen. Rund 100 Mitarbeiter der Stadtverwaltung will der neue 1. Beigeordnete möglichst schnell persönlich kennenlernen.

Halver - Viele der Begegnungen laufen dabei herrlich unkompliziert. Ob der neue Kämmerer schon gewählt worden sei, wollte der Schulhausmeister am AFG wissen am Abend nach der letzten Ratssitzung im Dezember, als die einstimmige Entscheidung gerade gefallen war. Thienel konnte das guten Gewissens bestätigen. Und als es in der ersten Arbeitswoche wieder später geworden war, wurde auch ein Mitarbeiter des Ordnungsamts misstrauisch, der ebenfalls noch im Rathaus unterwegs war. Er sei doch der neue Beigeordnete, erklärte Thienel, womit auch dieses Thema erledigt war. Der 41-Jährige verantwortet die Bereiche Personal, Organisation, Finanzen, Wirtschaftsförderung und Bauleitplanung. Allen Bereichen möchte er „mit gleicher Leidenschaft“ gerecht werden.

Persönliches Gespür entwickeln

Es sind diese Kontakte und andere, die Thienel bewusst sucht. Der Satz, er wolle erst einmal „ein persönliches Gespür entwickeln“, fällt mehrfach im Gespräch. Das gilt in allen Bereichen, sowohl für die Stadt Halver und die Umgebung, die er zum Teil schon gekannt hat und jetzt immer besser kennenlernt. Das gilt umso mehr aber für die Menschen, mit denen er in Zukunft zusammen arbeiten wird, und zwar nicht nur, wenn es um die Zahlen und Kosten geht, sondern auch um die Entwicklung der Verwaltung und sein neues Aufgabenfeld der Bauleitplanung, das er von seinem Vorgänger Markus Tempelmann ebenfalls übernommen hat.

Unsere Landschaft ist ein hohes Gut

Schnittstelle zwischen Kämmerei und Stadtplanung ist da beispielsweise die Bewirtschaftung von Flächen, konkret der Erwerb und die Entwicklung von Grundstücken für Wohnen und Gewerbe. „Der Verkauf von Flächen ist keine Lösung für den Haushaltsplan“, sagt Thienel recht deutlich und auch wissend, dass Flächenverbrauch und -versiegelung politisch immer weniger konsensfähig werden. „Unsere Landschaft ist ein hohes Gut“, um das Energiesektor, Landwirtschaft, Wohnen und Gewerbe konkurrierten. Die Kunst werde es sein, das mit intelligenten Lösungen in Einklang zu bringen. Der Politik verspricht er einen „Blick über den Tellerrand“, das heißt den Vorschlag, sich gemeinsam Best-Practice-Beispiele von Städten anzuschauen, die solche Lösungen für sich erarbeitet haben. Zustimmung aus den Fraktionen habe er dazu bereits signalisiert bekommen. Denn ganz ohne Wandel werde auch Halver nicht davonkommen, vermutet Thienel. Die Stadt brauche Wohnraum natürlich auch für junge Familien, doch die demografische Entwicklung mache auch klar, dass für ältere Menschen zentrumsnah Wohnmöglichkeiten existieren müssten – und ebenso Platz sein müsse für Single-Haushalte. „Dem müssen wir uns stellen.“

Verwaltung im Wandel

Einen Wandel sieht er auch an anderer Stelle kommen. Die Kommunalpolitik, in erster Reihe die UWG, regt für dieses Jahr ein Organisationsgutachten für die Stadtverwaltung an. Und Thienel begrüßt die Überlegung. „Alles ist im Wandel, auch die Verwaltung“, sagt er aus seiner Erfahrung in leitender Funktion und Dozent des Südwestfälischen Studieninstituts für kommunale Verwaltung in Hagen. Doch seine Einschätzung ist auf den ersten Blick überraschend. Es dürfe nicht höchstes Ziel sein, mit weniger Menschen möglichst mehr Ergebnis zu liefern, sondern Qualität zu schaffen durch Mitarbeiterzufriedenheit. Er sei in Halver „gut angekommen und gut aufgenommen worden“, und das müsse durchgängig der Fall sein. Die Stadt müsse sich als Arbeitgeber authentisch darstellen, um attraktiv zu sein, hat er festgestellt, und zwar spätestens beim Blick auf den Altersschnitt der Mitarbeiter. Von etwa 100 Beschäftigten dürften in den nächsten vier Jahren 20 in den Ruhestand wechseln. Das sei durch eigene Ausbildung nicht zu kompensieren. Wolle man externe Kräfte gewinnen, gelte es, auch in weiche Faktoren zu investieren, um sie zu beeindrucken. „Wenn es schon viel zu arbeiten gibt, dann unter guten Bedingungen für die Mannschaft.“

Über den Zaun brechen will er nichts. „Das macht man nicht nach sieben Tagen“, sagt der Kämmerer, der sich an manchen Stellen noch „ein bisschen fühlt, wie der neue Azubi“, weil er überall ganz viele Fragen hat. Denn schließlich geht es ja darum, „ein persönliches Gespür zu entwickeln“.

Auch interessant

Kommentare