Beerdigungen und das Coronavirus

Den Tod kann man nicht verschieben - Beerdigungen in Corona-Zeiten

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Beerdigungen finden derzeit nur im engsten Familienkreis statt.

Halver/Schalksmühle - Einsam. Dieses Wort beschreibt in Zeiten des Coronavirus am besten die Momente, in denen die meisten Menschen eigentlich nicht alleine sein wollen. Alles kann man verschieben. Den Tod nicht. Bestatter bleiben da. Was auch bleibt, ist die Rechtsunsicherheit.

Die Trauerhallen in Halver und Schalksmühle sind dicht. Kapellen geschlossen. Nur unter freiem Himmel ist eine Beerdigung in diesen Zeiten noch erlaubt. Im engsten Familienkreis – Eltern, Kinder, Ehepartner oder Lebensgefährten sind erlaubt, so definiert das Land den engsten Kreis. Mehr nicht. Zwischen ihnen muss ein Abstand von 1,5 Metern eingehalten werden. 

In der aktuellsten Verordnung zum Schutz vor Neuinfizierungen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 (CoronaSchVO) steht „Zulässig sind Erd- und Urnenbestattungen sowie Totengebete im engsten Familienkreis, wenn die erforderlichen Vorkehrungen zur Hygiene und zur Gewährleistung eines Mindestabstands von 1,5 Metern eingehalten werden.“ 

Am Anfang der Woche wussten die Bestatter auf viele Fragen noch keine Antwort. Wie handhabt man die Regelung bei einer Erdbestattung, bei der Sargträger notwendig sind? Sind Auslandsbestattungen noch möglich? Wie finden Beratungen statt? 

Sargträter sind vor allem ältere Menschen

Was Sargträger betrifft, befinde man sich aktuell in einer Grauzone, heißt es vonseiten des Bestattungsunternehmens Flüs. In der vergangenen Woche konnten Erdbestattungen noch normal stattfinden. Was die neuen Regelungen für die Zukunft bedeuten, sei noch unklar. Es sei zwar so, dass es mehr Urnen, als Särge, zu bestatten gebe. Aber sollten die Regelungen alle umgesetzt werden müssen, könne man sich auch vorstellen, dass der Sarg erst im Anschluss in die Grube gelassen wird – zur Not auch mit Maschinen, also einem Bagger, sagt eine Mitarbeiterin von Bestattungen Flüs. Schutzmasken seien auf jeden Fall denkbar, denn die Sargträger sind alle Rentner und dementsprechend in der Risikogruppe.

Beim Bestattungsunternehmen Friemann haben sich die Träger noch nicht dazu geäußert. Aber dem Unternehmen ist es wichtig, alle Mitarbeiter zu schützen. Die Särge werden daher komplett desinfiziert. In die Kapelle dürfen die Sargträger nicht eintreten. Diese ist auf dem evangelischen Friedhof noch geöffnet. Der Sarg muss daher von den Friedhofsmitarbeitern bis zur Tür getragen werden – erst dann übernehmen die eigentlichen Träger. 

Keine Musik in der Kapelle

In der Kapelle selbst wird keine Musik mehr gespielt. Kein Mitarbeiter des Bestattungsunternehmens ist mehr anwesend. „Wir haben eine Fürsorgepflicht“, sagt Birgit Wohlgemuth-Berger von Bestattungen Friemann. Auch Trauergespräche finden nur noch mit maximal zwei Personen statt. „Wir machen auch keine Hausbesuche mehr“, sagt sie. Stattdessen wird das Büro dafür genutzt. „Hier haben wir es in der Hand.“ 

Jeder, der das Bestattungsunternehmen betritt, muss sich die Hände desinfizieren. Im Nebenraum können noch Särge und Urnen angesehen werden. „Das ist noch mal etwas anderes, als nur im Katalog zu blättern.“ Einen großen Unterschied gibt es auch noch bei der Behandlung von Leichnamen. Weil man nicht wüsste, ob die Verstorbenen den Virus in sich tragen, werden Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Die Mitarbeiter tragen deshalb Schutzanzüge. 

Dem Bestattungsunternehmen liegt die Information vor, dass der Virus neun Tage ohne Wirt überleben. Wenn das stimme, sagt Wohlgemuth-Berger, sei das ein Grund, sich so gut es geht zu schützen. Bei einer Erdbestattung wird der Sarg sofort geschlossen und bleibt nicht wie sonst üblich, zum Abschied nehmen bis zur Beisetzung geöffnet. 

Keine Sargbeigaben durch Verwandte mehr

Sargbeigaben legen auch nur noch die Mitarbeiter zu den Verstorbenen. Auslandsbestattungen seien momentan nicht möglich. Ganz ausschließen, dass ein Leichnam überführt werden kann, könne man bei Bestattungen Flüs nicht. Aber selbst dann könnten Angehörige nicht hinterher reisen. Für alle sei diese Situation neu. Klar ist: „Wir müssen das Geschäft weiterführen.“ 

Auf dem evangelischen Friedhof ist die Kapelle trotz allem noch geöffnet. Der letzte Stand von Verwalter Ulrich Streppel ist, dass dort auch noch Trauerfeiern abgehalten werden können. In der Kapelle sei dann aber jede zweite Bank gesperrt und die Teilnehmer müssen in einem Abstand von 1,50 Meter zueinander sitzen. Die Kirchengemeinde bespricht mit den Angehörigen den engsten Kreis, der zur Feier eingeladen werden sollte. Das machen auch die Bestatter. „Wir empfehlen das bereits bei der Beratung“, sagt die Bestatterin Birgit Wohlgemuth-Berger. Statt einen großen Kreis Angehöriger einzuladen, gab sie vergangenen Freitag bei einer Beerdigung den Angehörigen den Tipp, die Bestattung zu filmen. Weil Enkel nicht teilnehmen konnten, wurde der Vorschlag auch umgesetzt. 

Auf einer Gedenkfeier, die nach der Krise stattfinden könnte, könnte man sich zusammen noch einmal den Film ansehen. So hat jeder die Möglichkeit, Abschied zu nehmen. „Wir wissen, wie wichtig der Trauerprozess ist“, sagt die Bestatterin. „Jeder kann das verstehen, dass man Abschied nehmen will.“ Auf dem katholischen Friedhof wurden bereits Urnenbeisetzungen verschoben. 

Urnenbestattungen verschoben

Im Gegensatz zu Erdbestattungen ginge das ohne große Probleme, das Marina Wegerhoff von der Friedhofsverwaltung. So wurde eine Bestattung zum Beispiel bis Ende April verschoben. Ansonsten gilt auch in der katholischen Gemeinde, dass Bestattungen nur im engsten Kreis abgehalten werden dürfen. Nur am Grab, also unter freiem Himmel – nicht mehr in der Kapelle. Diese ist wie die Kirchen geschlossen.

In Schalksmühle sind alle Trauerhallen geschlossen. Alle Beerdigungen dürfen nur noch am Grab unter freiem Himmel stattfinden. Christina Weinberger-Heedfeld sagt, dass sich das Bestattungsunternehmen Weinberger in Schalksmühle an die Regelungen halte. Dass die Sargträger überwiegend ältere Menschen sind, mache auch ihr Sorgen. Sie frischt jeden Tag die Informationen auf, sagt sie. Klar sei auch ihr, dass Urnenbestattungen unkomplizierter sind, als Erdbestattungen.

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