„Klischees über Obdachlose falsch“

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Am Bahnweg stehen die Gebäude der Stadt, die von Hilfsbedürftigen in der Not als Unterkunft genutzt werden.

Halver - Kündigung, Armut oder eine Zwangsräumung aufgrund von Mietschulden - theoretisch kann eine plötzliche Obdachlosigkeit jeden Bürger treffen. Doch auch in solchen Notlagen können sich Halveraner Bürger an die Mitarbeiter der Stadt wenden. Diese stellt, für den Fall der Fälle, Notunterkünfte zur Verfügung.

Im Rathaus ist Johann Klaßmann vom Fachbereich Bürgerdienste seit nun mehr als elf Jahren für dieses Aufgabenfeld verantwortlich. Er hat nach eigenen Angaben mit mehr als 80 Hilfesuchenden zu tun gehabt. „In der Regel kommen die Bürger nach dem Verlust ihrer vier Wände zu mir und bekommen einen Einweisungsbescheid“, sagt Klaßmann. Danach werde ihnen ein Zimmer in einem der Notunterkünfte am Bahnweg zugeteilt. Dort besitzt die Stadt drei Gebäude, die ausschließlich für diesem Zweck genutzt werden. Die Kapazitäten sind flexibel, da die Verantwortlichen bei Notständen die Belegung der Zimmer ändern kann. Eine Begrenzung für die Aufenthaltsdauer in den Unterkünften gebe es nicht.

Zur Zeit seien dort 16 Bürger einquartiert. Diese Zahl entspreche, nach der jahrelangen Erfahrung des Verwaltungsmitarbeiters, dem Durchschnitt. „Etwa 15 Personen wohnen dort immer“, sagt Klaßmann, für den die Anzahl der Notdürftigen nicht besorgniserregend ist. „Es gibt kein großes Obdachlosen-Milieu in Halver. Jedoch wird sich das Problem nie ganz auflösen lassen.“ In der Regel seien die Personen, denen die Stadt Halver helfen müsse, Einzelschicksale.

Als schlimmer empfindet Johann Klaßmann die Klischees, die sich über die Bewohner am Bahnweg in den Köpfen vieler Menschen festgesetzt hätten. „Gerade bei Bewerbungen für neue Arbeitsstellen wird mit der Wohnadresse Bahnweg nur Negatives verbunden. Viele denken dann, dass es sich über schlechte Menschen handelt, die kriminell sind. Das entspricht nicht der Wahrheit“, weiß Klaßmann, dass die Bewohner des Bahnwegs, die er kennengelernt hat, diese Vorurteile ertragen müssten.

„Wir begleiten diese Menschen oft über einen längeren Zeitraum. Wir kümmern uns um sie und wollen ihnen eine Chance aufzeigen, um wieder aus dem Teufelskreis herauszufinden“, sagt Johann Klaßmann.

Von Benny Finger

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