Betriebsräte tauschen sich aus

Sorgen um „heimlichen Stellenabbau“ - Firmen sprechen über Corona-Auswirkungen

Halver Luftbild Stadt
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Firmen in Halver leiden unter der Corona-Krise.

Kurzarbeit, Stellenabbau, Leiharbeit – auch die Halveraner Firmen haben unter der Corona-Krise zu leiden.

In dieser Woche trafen sich zwölf Vertreter der Betriebsräte auf Einladung der Märkischen IG Metall im Kulturbahnhof, um sich über die momentane Situation auszutauschen.

Bürgermeister Michael Brosch leitete zusammen mit dem neuen ersten Bevollmächtigten der IG Metall MK, Torsten Kasubke, die Konferenz. Betriebsräte der Firmen Kico, Schürfeld, Turck, Märkisches Werk und Leoni sind der Einladung gefolgt und beantworteten auch gleich die Frage zur derzeitigen Stimmung in den Betrieben.

Die meisten Firmen befinden sich in Kurzarbeit

Die meisten Halveraner Firmen seien derzeit in Kurzarbeit oder planen diesen für Arbeitnehmer unangenehmen Einschnitt für die nahe Zukunft, war von den Anwesenden zu erfahren. Auch wenn das mehr Freizeit bedeute, würde das Geld fehlen. „Jeder 50-Euro-Schein, der am Monatsende fehlt, macht sich bemerkbar“, unterstrich Heike Kaufmann von der Firma Turck das Thema.

Bei der Firma Kico sei die Lage im Moment nicht so dramatisch, „dafür waren wir in der Krise, bevor die Krise da war“, verwies deren Betriebsrat auf die Entlassung von 58 Arbeitnehmern zu Anfang des Jahres. Nicht alle Anwesenden halten die verkürzte Arbeitszeit für eine gute Lösung. „Wir hatten trotz Corona eine Top-Auftragslage. Trotzdem wurde Kurzarbeit eingeführt. Damit soll einfach nur Geld eingespart werden“, hieß es aus den Reihen der Arbeitnehmervertreter.

Und für einige Angestellte ergibt sich ein zusätzliches Problem, das von Torsten Kasubke noch einmal erläutert wurde: „Das Kurzarbeitergeld ist zwar steuerfrei, trotz weniger Verdienst kann es nach Abgeben der Steuererklärung aber zu Nachzahlungen kommen.“ Da das Kurzarbeitergeld trotzdem zur Berechnung des Steuersatzes verwendet werde, führe es zu einem höheren Prozentsatz, mit dem das übrige Einkommen versteuert werde. Durch das Kurzarbeitergeld steigt also der Steuersatz. Eine Nachzahlung droht.

Tarifverträge fallen nicht vom Himmel

Torsten Kasubke, erster Bevollmächtigte der IG Metall MK

Sorge bereitet den Betriebsräten auch der „heimliche Stellenabbau“. Gemeint ist damit der Verzicht auf die weitere Beschäftigung von Leiharbeitern. „Man arbeitet die Leute monatelang ein und plötzlich sind sie weg. Wer soll diese Arbeit dann auffangen?“ war eine der Fragen, die unbeantwortet bleiben musste. Der Leoni-Betriebsrat vertritt die Meinung, „dass Leihfirmen in erster Linie Firmen mit schwankender Auftragslage unterstützen sollen“. Auch die Bezahlung müsse besser sein. Man bräuchte einfach mehr Tarifverträge. „Halver ist ein fast tariffreies Gebiet“, stellte Torsten Kasubke fest und gab zu bedenken: „Tarifverträge fallen nicht vom Himmel. Die müssen erstritten werden.“

Die Corona-Krise hat auch etwas Positives

Doch die Corona-Krise habe auch etwas Positives: Alles laufe etwas strukturierter ab, Sitzungen würden öfter digital abgehalten und es gäbe mehr Arbeitsmöglichkeiten im Homeoffice. Die Firma Turck bietet ihren Mitarbeitern kostenlosen Kaffee oder Tee an, damit das Bezahlen mit Bargeld entfällt. Ohnehin scheint das Bemühen der Halveraner Firmen um ihre Mitarbeiter in Krisenzeiten vorbildlich zu sein. Mütter wurden während des Lockdowns freigestellt, Risikopatienten durften zu Hause bleiben und Urlaubsrückkehrer mussten im Falle einer Quarantäne nicht auf ihre Einnahmen verzichten.

Die Konferenz im Kulturbahnhof soll keine einmalige Angelegenheit gewesen sein. Zum Abschluss des Termins regte Brosch an, sich mindestens einmal jährlich zusammen zu finden – ein Vorschlag, der angenommen wurde.

Die Situation der Firmen In Halver im vergangenen Jahr.

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