Zur Neye noch keine Prognosen

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Nach der Güllekatastrophe in Kotten auf dem Hof von Tobias Feck

Halver/Wipperfürth - Ein Jahr nach dem Gülleunfall bei Halver in der Nähe der Neyetalsperre gibt es noch keine eindeutigen Aussagen zur weiteren Entwicklung des Gewässers.

In einer gemeinsamen Presseerklärung ziehen die EWR GmbH, Versorgungsunternehmen aus Remscheid, und der Wupperverband eine Zwischenbilanz: Am 18. März 2015 ereignete sich an der Neyetalsperre eine Umweltkatastrophe mit verheerenden Auswirkungen, nachdem etwa 1700 Kubikmeter Gülle aus dem Güllebehälter eines Hofes in Halver ausgelaufen waren.

Aufgrund des stark erhöhten Ammonium-Gehalts wurden in dem etwa drei Kilometer langen Bachlauf Neye sowie in den oberhalb der Talsperre gelegenen Fischteichen alle Kleinstlebewesen und Fische abgetötet. Anschließend floss die Gülle in die Neyetalsperre und lagerte sich dort als Gemisch aus Gülle und Wasser am Grund der Talsperre vor der Staumauer ab. Über eine bestehende frühere Rohwasserleitung konnten rund 100 000 Kubikmeter des Gülle-Wasser-Gemischs zur Kläranlage Hückeswagen des Wupperverbandes transportiert und dort behandelt werden.

Banges Warten auf den Sommer

In den Sommermonaten des letzten Jahres zeigten sich deutlich die Folgen der Gülleeinleitung: Der Sauerstoffgehalt in einigen Schichten der Talsperre war extrem niedrig. Die Nährstoffe aus der Gülle führten zu einem deutlich stärkeren Algenwachstum. Wie sich der Zustand der Neyetalsperre entwickelt, ist auch annähernd ein Jahr nach dem Unfall nicht vorherzusagen. „Das ist schlicht nicht möglich“, sagt Dr. Joachim Frings (Leiter Gas/Wasser) von der EWR GmbH. Hintergrund: Noch hat das Wasser durch die niedrigen Temperaturen der letzten Monate – ob an der Oberfläche oder in tieferen Schichten – nahezu die gleiche Temperatur. Es durchmischt sich ständig. Erst im Frühjahr und Sommer, wenn sich die oberen Wasserschichten erwärmen, wird sich zeigen, ob die natürliche Fauna und Flora sich wieder erholt haben oder ob es zum Beispiel zu einem erhöhten Algenwachstum kommt.

Verfahren straf- und zivilrechtlich

Erst im Sommer wird die EWR somit genaue Kenntnisse darüber erlangen, wie hoch die noch verbliebene Schadstoffbelastung tatsächlich ist. Zum jetzigen Zeitpunkt könne dazu noch keine Vorhersage getroffen werden. Hinsichtlich der Verschmutzung aus März 2015 hat die EWR im September 2015 eine Klage beim Landgericht Hagen eingereicht, weil ihre Schadensersatzforderungen außergerichtlich nicht beglichen wurden. Die strafrechtlichen Ermittlungen laufen derzeit.

Zur zivilrechtlichen Aufarbeitung der Umweltkatastrophe wird am 8. Juni ein Termin beim Landgericht Hagen stattfinden. Der beklagte Landwirt will sich gegen die Forderungen in diesem Verfahren zur Wehr setzen. Seine Haftpflichtversicherung hat bisher trotz Aufforderung durch die EWR GmbH keine Stellungnahme zur Haftung abgegeben und auch keine Zahlungen wegen der Umweltkatastrophe geleistet.

Bei der Höhe des Schadens geht es um einen niedrigeren sechsstelligen Betrag. Sofern neue Erkenntnisse vorliegen, würden die EWR GmbH als Talsperreneigentümer und der Wupperverband, der für die EWR GmbH die Talsperre betreibt, darüber informieren, heißt es abschließend.

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