Kulturfenster in Halver

Mann verarbeitet Coronazeit mit Kunst: „Das Leben hat absolute Priorität“

Kulturfenster Halver Jochen Marxmeier Annalena Kibbert
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Der Künstler Jochen Marxmeier ist umgeben von Beate Segieth, seiner Frau Ingrid, Enkel Luis und Annalena Kibbert (v. l.).

Coronachaos. Ohne Maske. Melancholie, Lichtblick und Verlorenes Paradies. Das alles sind Titel von Bildern, die Jochen Marxmeier in den vergangenen Monaten gemalt hat und jetzt im Kulturfenster an der Frankfurter Straße ausstellt.

Halver – Die Corona-Zeit hat den 80-Jährigen geprägt. Jochen Marxmeier hat seinen zwei Jahre jüngeren Bruder im Mai verloren. Er starb in Folge des Coronavirus, nachdem er lange Zeit beatmet werden musste. Malen hilft Marxmeier dabei, dieses Schicksal und die Zeit zu verarbeiten.

„Ich male, also bin ich“, sagt der Maler und wandelt das Zitat des Philosophen René Descartes „Cogito ergo sum – ich denke, also bin ich“ um. Gerade nach dem Schicksal mit seinem Bruder erinnert ihn das Malen daran, dass es weitergeht. Dass er noch da ist. Marxmeier verarbeitet seine Gefühle mit Acryl. „Malen ist für mich Befreiung und Selbstfindung.“ In einer undurchsichtigen Zeit wie den vergangenen Monaten hilft ihm der Blick auf seine Bilder.

Emotionale Bilder

Lauter werden Stimmen, die die Corona-Verordnungen kritisieren. Jochen Marxmeier ist Mediziner. Er sagt, die Verantwortlichen haben richtig gehandelt und zum Wohle der Bevölkerung entschieden. „Für Medizinier hat das Leben absolute Priorität.“ Alle haben Abstriche machen müssen, auch er. Seinen 80. Geburtstag im April konnte er nicht wie geplant feiern. Dass sein Bruder einen Monat später starb, traf ihn unerwartet. Seine Bilder sind daher emotional. Wenn er sie betrachte, finde er besser zu seiner Mitte zurück.

Unzählbar viele Bilder hat der Hobby-Maler bereits gemalt. Viele hängen bei Freunden und Verwandten an der Wand – jetzt hängt ein Teil im Kulturfenster von Halver.

Jochen Marxmeier malt in seinem „wandelnden“ Atelier, das je nach Jahreszeit entweder im Heizungskeller, auf dem Dachboden oder im Garten ist. In seinem Haus im Außenbezirk Halvers genießt er seine Pension. Vor 13 Jahren kam er aus Essen, dem „Großstadtdschungel“, wie er die Stadt im Ruhrgebiet nennt, ins beschauliche Halver. 40 Jahre führte der Allgemeinmediziner eine Praxis in Essen. Jetzt hat er endlich Zeit für Muße, sagt der 80-Jährige.

Das Kulturfenster an der Frankfurter Straße ist Schauraum für die Arbeiten Jochen Marxmeiers. Kulturfenster Halver

Halver war kein Zufall. Er und seine Frau Ingrid haben ein Ferienhaus in Halver, das einst den Schwiegereltern gehörte. Im Sommer waren sie immer hier und haben die Natur in Halver zusammen mit den Kindern genossen. Das 450 Jahre alte Bauernhaus hat das Ehepaar aus Essen umgebaut. Heute leben sie dort gemeinsam mit Schafen, Hunden, Hühnern, Hasen und Fischen. Vom Großstadtdschungel in den wilden Halveraner Außenbezirk. Das Wochenendhaus wurde das neue Zuhause des Ehepaars. „Halver ist unsere zweite Heimat geworden“, sagt die 72-jährige Ingrid Marxmeier. Die Tochter wohnt mit ihrem Mann und den Kindern ebenfalls in Halver, der Sohn der Marxmeiers führt in Essen die Praxis des Vaters weiter.

Ein Raum für Hobbykünstler

Dass Annalena Kibbert und Beate Segieth, die Initiatoren des Kulturfensters in Halver, ebenfalls aus Essen kommen ist ein schöner Zufall, sagt Jochen Marxmeier. Aus der Heimatstadt brachte Annalena Kibbert auch die Idee fürs Kulturfenster mit, das dort seit Jahren ein etabliertes Element der Künstler-Szene ist. Dass es das bekannte Kunstfenster, das Hobbykünstlern einen Raum zur Ausstellung bietet, seit einiger Zeit auch in Halver gibt, findet Jochen Marxmeier „ganz toll“. Und dass er dort nun ausstellen darf, sei ihm eine Ehre.

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