Ausstellung im Heimatmuseum: Flugblätter der Alliierten

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Ein Flugblatt der Royal Air Force. Adolf Hitler inmitten von Toten. Darüber ein vermeintliches Zitat des Diktators vom 24. Februrar 1941: „Ich fühle mich so frisch. Es kommt der Frühling“. „Es treibt einem einen Kloß in den Hals“, sagt Peter Bell vom Heimatverein.

Halver - „Denk bei diesem Kriege dran, den fing Adolf Hitler an.“ Direkt und eindringlich ist die neue Ausstellung im Heimatmuseum Halver, die den Titel „Flugblätter der Alliierten im 2. Weltkrieg“ trägt.

Tote Menschen. Soldaten und Kinder. Mittendrin steht Adolf Hitler mit einem Lächeln im Gesicht. Darüber das Zitat des Diktators aus dem Jahr 1941: „Ich fühle mich so frisch. Es kommt der Frühling.“

60 Flugblätter sind seit Dienstag im Heimatmuseum ausgestellt. Sie zeigen – mal mit Bildern, mal mit plakativen Worten und längeren Texten – was Alliierte zur Zeit des Zweiten Weltkrieges vom Himmel fallen ließen. Abgeworfen und „verteilt“ wurden diese Flugblätter alle über Halver und der nahen Umgebung. Dass der Heimatverein diese Relikte nun ausstellen kann, ist Andrea Riedel zu verdanken. Die Halveranerin bekam vor einigen Jahren von ihrer Mutter eine Mappe überreicht. Darin waren alle Flugblätter aufbewahrt, die ihr Vater während des Zweiten Weltkrieges – verbotenerweise – gesammelt und über viele Jahre aufbewahrt hatte.

Gerd Dahlhaus, geboren 1928 und lange Zeit als Architekt in Halver tätig, war schon tot, als seine Tochter Andrea die Flugblatt-Sammlung in den Händen hielt. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie von den Relikten nichts gewusst. Auch die Mutter konnte keine näheren Angaben machen.

„Ich hätte ihn gerne gefragt und seine Absichten erfahren. Heute kann ich nur noch spekulieren“, berichtet Andrea Riedel. Dass es nicht mehr dazu gekommen ist, bedauert sie. Als die 60 Flugblätter in ihrem Besitz waren, hat sie sich zunächst selbst mit den Inhalten auseinandergesetzt. Später bot sie sie den Schulen ihrer Kinder als Anschauungsmaterial im Unterricht an. Es folgten Leihgaben an Verwandte und Bekannte. Nun kam der Kontakt zum Heimatverein zustande. Peter Bell, zweiter Vorsitzender, freute sich am Dienstag sehr, diese außergewöhnliche Ausstellung im Museum an der Von-Vincke-Straße eröffnen zu können. „Wir hoffen, dass viele Menschen diese Dokumente anschauen werden und darüber ins Grübeln kommen.“ Nach den Ferien wolle er sich zudem an die Schulen wenden.

Die Flugblätter sind Zeugen. Zeugen aus einer Zeit, in der Hitler sein Volk in den Untergang trieb. Viele folgten ihm. Mal aus Fanatismus, mal aus Angst, mal aus Gehorsam. Für die nachfolgenden Generationen eine unvorstellbare Situation. Die ausgestellten Flugblätter im Heimatmuseum sind schonungslos. Sie zeigen Tod und Angst. Und den Versuch der alliierten Mächte, die Soldaten vom Umkehren und zur Aufgabe zu überzeugen. Oder den Menschen Hitlers aussichtsloses Machtspiel vor Augen zu führen. Oder die Bevölkerung vor Angriffen zu warnen. „Warnung an die deutsche Zivilbevölkerung im Rheinland und im Ruhrgebiet. (...) Durch das schnelle Vorrücken der alliierten Armeen (...) sind nunmehr das ganze Rheinland und Ruhrgebiet zum rückwärtigen Heeresgebiet geworden. In kurzer Zeit können diese Gebiete zum unmittelbaren Kriegsschauplatz werden“, lautet die Warnung auf einem Flugblatt.

Darüber hinaus dienten Flugblätter als Passierschein für deutsche Soldaten, sollten sie sich im Angesicht der Alliierten ergeben wollen: „Der deutsche, der diesen Passierschein vorlegt, benutzt ihn als Zeichen seines ehrlichen Willens, sich zu ergeben.“

Bis Mitte September ist die Ausstellung „Flugblätter der Alliierten im 2. Weltkrieg“ im Heimatmuseum zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch und Donnerstag von 15 bis 18 Uhr und Sonntag von 10.30 bis 12 Uhr. Der Eintritt kostet 1 Euro für Erwachsene, Kinder sind frei.

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