Kreis lehnt Fällungen ab

Kritik: "Seit wann geht Baum vor Mensch?"

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Das aufgeplatzte Pflaster um die Bäume herum wurde mit Asphalt angeglichen.

Halver - Der Planungsausschuss befasste sich am Dienstag gleich mehrfach mit dem Thema Baumfällungen. Am meisten diskutiert wurden erneut drei Bäume an der Lohstraße.

Nach den Beschlüssen, einen städtischen Baum an der Südstraße zu erhalten und drei weitere am Hälversprung nur dann zu fällen, wenn sie im kommenden Frühjahr nicht austreiben sollten, befasste sich der Ausschuss für Planung und Umwelt mit den drei Linden an der Lohstraße.

Einstimmig erfolgte der Fällbeschluss vom April. Damals war beschlossen worden, die Bäume vor den Häusern Lohstraße 14 und 16 zu entfernen, weil sie die Verkehrssicherheit auf dem Gehweg gefährdeten. Da eine sofortige Fällung nicht möglich war, wurde der Fußbereich um die Bäume notdürftig bearbeitet, wie Michael Schmidt, Fachbereichsleiter Bauen und Wohnen, erläuterte. 

Die nun für Oktober vorgesehene Fällung ist allerdings nicht mehr möglich, da das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz den Baumbestand der Lohstraße ins Alleenkataster des Landes aufgenommen und somit unter Naturschutz gestellt hat. Eine Ausnahmegenehmigung zur Fällung werde es wohl nicht geben, sagte Schmidt. Man müsse das Projekt ganz neu angehen, um eine Lösung zu finden, die Bäume im Straßenbestand zu erhalten. Hier sei eine kurzfristige Planung erforderlich. „Das hat auch Konsequenzen für andere Bäume im Stadtbereich“, so Schmidt. 

"Habe den Eindruck, Wohlergehen der Bäume steht über dem der Bürger"

Für Paul-Adolf Turck (UWG) besteht die Gefährdung für Passanten allerdings nach wie vor. Man habe im April schweren Herzens den Entschluss gefasst, die Bäume zu fällen. Dass dies durch die Aufnahme der Lohstraße ins Alleenkataster nicht mehr möglich ist, kritisierte er: „Ich habe den Eindruck, dass das Wohlergehen der Bäume über dem Wohl der Bürger steht.“ 

Der Gehweg könnte an den betroffenen Häusern im Winter nicht geräumt werden, mit Kinderwagen oder Rollator gebe es kein Durchkommen. Auch Hauseigentümer Heiko Arendt, der ursprünglich die Fällung der Bäume beantragt hatte, fragte: „Seit wann geht Baum vor Mensch?“, und bezweifelte, ob die Lohstraße tatsächlich eine Allee sein könne und ob dies geprüft worden sei. Laut Fachbereichsleiter Schmidt sei der Märkische Kreis der Meinung, dass es sich um eine Allee handelt. Er denke nicht, dass sich das nach einem für Oktober geplanten Ortstermin ändere. 

Martin Halbrügge (Grüne) verwahrte sich gegen den von Turck geäußerten Eindruck, das Wohl der Bürger würde gefährdet. Es gehe darum, Bäume möglichst für die Bürger zu erhalten. Der wegweisende Fall an der Lohstraße zeige, dass man sich mit der Sicherheit der städtischen Bäume insgesamt auseinandersetzen müsse. „Es ist höchste Zeit, dass wir uns damit beschäftigen“, so Halbrügge. Dabei müsse man auch mit den Anwohnern sprechen.

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