Weg frei für die Kindervilla

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Der Weg ist frei für die Kindervilla. An der inhaltlichen Ausgestaltung wird noch gearbeitet.

Halver - In zwei Sitzungen am Dienstag und am Mittwoch hat die Politik den Weg frei gemacht für den Umbau der jetzigen Stadtdirektorenvilla an der Mittelstraße zur künftigen Kindervilla.

Sowohl der Ausschuss für öffentliche Einrichtungen als auch der für Bildung und Jugend empfehlen dem Rat das Projekt.

Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten für Sie:

Was kostet das?

Angesichts der erwarteten breiten Mehrheit hatte die Kämmerei in der aktuellen Fassung des Haushalts für 2019 einen Betrag von 380 000 Euro eingestellt, die im Maximalfall für einen Umbau benötigt würden. 

Wer strebt das an? 

Für das Vorhaben hatten sich die vier Fraktionen von CDU, UWG, Grünen und FDP zusammengetan und einen entsprechenden Antrag formuliert. Dem derzeitigen Mieter des Gebäudes, dem Pflegedienst „In guten Händen“, werde man nach Kräften helfen, geeignete Räume in Halver zu finden, betonte am Mittwoch noch einmal CDU-Fraktionschefin Martina Hesse. 

Man habe im Vorfeld stets das Einvernehmen mit Inhaberin Melanie Hedtfeld gesucht und sie über die Pläne informiert, sagte Werner Lemmert (UWG), Vorsitzender des Ausschusses für Bildung und Jugend. 

Was passiert inhaltlich?

Was inhaltlich in der neuen Kindervilla passieren wird, ist nicht abschließend geklärt und wird noch Gegenstand weiterer Diskussionen. Ziel der Antragsteller ist unverändert die Einrichtung einer Großtagespflege und die Installation einer offenen Kinderarbeit, wie sie vom Jugendcafé Aquarium und der Sentiris gGmbH als freiem Träger der Jugendarbeit seit Kurzem wieder in den Räumen des neuen Bürgerzentrums an der Mühlenstraße angeboten wird. 

Insbesondere diese offene Kinderarbeit passe zum zentralen Spielplatz, der gerade zwischen Rathaus und der Villa Wippermann entsteht, so die Überlegungen. Dieses niedrigschwellige Angebot habe lange Tradition in Halver. Als Angebot gerade für junge Familien mache es die Stadt zudem attraktiv. 

Wer bezahlt das? 

Finanziell abgesichert wäre ein solcher Kindertreff über den Märkischen Kreis als Träger der Jugendhilfe in Städten ohne eigenes Jugendamt. Nach den entsprechenden Richtwerten stünden der Stadt Halver für die Kinder- und Jugendarbeit drei Vollzeitstellen zu, erläuterte Matthias Sauerland, Fachplaner beim Kreis, der die Faktenlage im Ausschuss für Bildung und Jugend darlegte. 

Wie nutzt man das Gebäude? 

Wie die Nutzung des Gebäudes aussehen wird, ist bei dieser Variante offen. Würde das Angebot der Kinderarbeit im ersten Obergeschoss stattfinden, wären erhebliche bauliche Veränderungen nötig, unter anderem eine barrierefreie Erschließung über einen Aufzug. Um 50 000 bis 75 000 Euro günstiger würde es, wenn die Großtagespflege das Obergeschoss nutzte. 

Was sagt die Verwaltung? 

Eine Alternative brachte seitens der Verwaltung Bürgermeister Michael Brosch ins Spiel. Seine Überlegungen würden allerdings zumindest zeitweise bedeuten, dass ein Kindertreff nicht installiert würde. Denn die Stadt Halver steht vor einem erheblichen Problem, was die Betreuung von Kindern unter drei Jahren angeht, wie Sauerland darlegte. 

Wie ist die Lage jetzt? 

Die Versorgungsquote liegt bei 23,6 Prozent. Zum Vergleich: Lüdenscheid verfügt über eine Quote von 47,5 Prozent. Ziel für das Kreisjugendamt wären immerhin 35 Prozent in den nächsten Jahren. Über Plätze allein in Kindertageseinrichtungen aber ist das nicht zu schaffen. Broschs Vorschlag ist daher, nicht nur eine, sondern zwei Großtagespflegen in der Kindervilla einzurichten. 

In einer solchen Großtagespflege könnten bis zu neun Kinder betreut und so Entlastung für die Eltern geschaffen werden. Das Angebot werde so kurzfristig um 18 Plätze steigen. 

Wer betreibt die Pflege? 

Das Jugendamt des Kreises ist bereit, bei den Großtagespflegen neue Wege zu beschreiten. Das bedeutet, dass die sogenannten Tagespflegepersonen, die die Kinder betreuen, das nicht unbedingt als Privatpersonen tun müssten, sondern als Angestellte bei einem freien Träger der Jugendarbeit.

 Für den Kreis wäre das verbunden mit einer hohen Verlässlichkeit und zudem der Möglichkeit, auch auf die angebotenen Betreuungszeiten einwirken zu können. Die Bezahlung dieser eigens qualifizierten Tagesmütter orientiert sich wie beim Kindergarten an den Vorgaben des Kinderbildungsgesetzes, also aus öffentlichen Mitteln und einkommensabhängig gestaffelten Elternbeiträgen.

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