Sturm "Friederike" und der Hitzesommer sind Schuld

Borkenkäfer in Halver: Große Schäden sorgen für hohe Verluste

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Borkenkäfer – diese hier gehören zur Art der Buchdrucker – hatten in diesem Jahr leichtes Spiel, denn nach Sturm Friederike und dem heißen Sommer waren die Widerstandskräfte vieler Bäume geschwächt.

Halver - Der Borkenkäfer hat auch in den Wäldern im Halveraner Gebiet seine Spuren hinterlassen. Das Ausmaß der Schäden wird vermutlich mehrere Tausend Festmeter Holz betragen und ähnlich hoch ausfallen wie beim Sturm Friederike, schätzt Förster Ulrich Ackfeld.

Bereits jetzt sind es zwischen 3000 und 4000 Festmeter Holz, an denen bisher Borkenkäferbefall festgestellt wurde und die daraufhin gefällt wurden oder noch werden. „Es kommt aber jeden Tag noch etwas dazu“, sagt Ackfeld, der Leiter des Forstbetriebsbezirkes Halver. Er geht davon aus, dass der Borkenkäfer ebenso viel Schaden anrichtet wie das Orkantief Friederike im Januar. Damals gab es 5000 bis 6000 Festmeter an Sturmwurf.

Größter Schaden seit 1947

In anderen Regionen sei die Situation zwar schlimmer als in Halver, aber auch hier sind sie deutlich sichtbar. Gruppen von rotbraun verfärbten oder kahlen Fichten – die vor allem betroffen sind – sind vielerorts zu sehen.

Ackfeld und seine vier Kollegen – jeweils zwei als Holzhauer und Schlepper im Einsatz – müssen teils mehrfach an dieselben Stellen zurückkehren.

Teilweise müssen die Forstarbeiter zu früheren Einsatzorten zurückkehren, weil weitere Schäden erst später festgestellt werden.

Denn wenige Wochen nach der Fällung befallener Bäume würde dann auch bei weiteren Bäumen, die zuvor gesund erschienen, doch noch Borkenkäferbefall festgestellt, erzählt Ackfeld. „Wir haben eindeutig eine sehr große Borkenkäfer-Kalamität.“ Das letzte vergleichbare Schadensereignis war im Jahr 1947, möglicherweise erlebe man in diesem Jahr ein noch größeres.

Zumindest für Ackfeld ist es in seiner 27-jährigen Tätigkeit in Halver der stärkste Befall. Zum ersten Mal müsse er bei der Bekämpfung Gift einsetzen. „Es geht gar nicht anders, wir versuchen, so viele Käfer wie möglich abzutöten.“

Dazu werden Polter, also Stapel von Baumstämmen, mit einem Insektizid speziell gegen den Borkenkäfer besprüht. Für Menschen entstehe dadurch keine Gefahr. Das Begiften soll verhindern, dass die Käfer ausfliegen und weitere Bäume befallen, denn pro Jahr kann es je nach Witterung mehrere Generationen von Borkenkäfern geben.

Buchdrucker und Kupferstecher

Die beiden Arten, die sich derzeit so stark ausbreiten, sind der Buchdrucker, der dickeres Holz benötigt und die Baumstämme befällt, und der kleinere Kupferstecher, der dünnere Äste befällt. „Eigentlich erfüllt der Käfer seinen Job und den macht er total gut zur Zeit“, meint der Förster sarkastisch. Als Reduzent sorgt er mit dafür, dass alles, was wächst, letztendlich wieder zu Humus wird.

Förster Ulrich Ackfeld entfernt an einem Baumstamm die Rinde, unter der die Borkenkäfer ihre Gänge graben.

Dass das in diesem Jahr so gut gelingt, liegt an mehreren Faktoren. Zunächst entstanden durch Friederike Löcher im Wald und dadurch veränderte Lichtverhältnisse. „Und so ungünstig, wie es nur kommen konnte, hatten wir einen außergewöhnlichen sehr heißen und trockenen Sommer“, sagt Ackfeld. Fehlende Niederschläge führten zu akutem Wassermangel und damit zu Stress bei den Bäumen, denen dann die Widerstandskräfte fehlten, etwa zur Abwehr von Borkenkäfern.

Finanzieller Einschnitt für Waldbesitzer

Für die Waldbesitzer sind die Käferschäden ein großer finanzieller Einschnitt, sagt Ackfeld. Das gefällte Holz zu verkaufen, gestaltet sich nämlich schwierig, denn sowohl in den Sägewerken als auch bei den Fuhrunternehmen fehlten Fachkräfte, um das anfallende Holz abzufahren und zu verarbeiten. „Wir sind überall an der Kapazitätsgrenze“, sagt Ackfeld.

Wann das in den vergangenen Wochen geschlagene Holz abtransportiert und verkauft werde, sei derzeit nicht absehbar. „Es kann zur Zeit nicht so viel Holz abgefahren werden, wie wir einschlagen.“ Hinzukommen Verfärbungen durch Pilze, die mit dem Borkenkäfer in das Holz gelangen, sodass der Anteil des minderwertigen Holzes steigt.

Seit Ende der Sommerferien werden rund um Halver Bäume gefällt, die vom Borkenkäfer befallen sind.

„Die Verluste für die Waldbesitzer werden noch größer dadurch, dass die Bäume aufgrund der Trockenheit einen Zuwachsverlust von etwa 40 Prozent haben“, sagt Ackfeld. „In ein paar Jahren wird man den trockenen Sommer 2018 an dem engen Jahresring ablesen können.“

Die Aufforstung werde ebenfalls kostspielig, sagt der Halveraner Förster. Die durch Sturm, Trocken- und Käferschäden entstandenen Kahlflächen böten nun allerdings die Möglichkeit, eine Mischung von Laub- und Nadelbäumen anzusiedeln, die tiefer wurzeln und der Hitze besser widerstehen können – wie Traubeneiche und Esskastanien sowie Lärche, Douglasie und Weißtanne.

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