Sterbekasse in Anschlag wird aufgelöst

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Solidarvereine oder auch Sterbekassen wie in Anschlag wurden zur Deckung von Beerdigungskosten gegründet.

Halver - Der Gedanke, für seine eigene Beerdigung zu sparen, ist vielen Menschen heutzutage fremd. Dies ist einer der Gründe, warum es immer weniger Sterbekassen gibt - auch in Halver.

Dies muss auch Helmut Wiethege feststellen. Der Halveraner Finanzwirt und Steuerberater kümmert sich seit einiger Zeit um die Angelegenheiten des Solidarvereins der sogenannten Nachbarschaft Anschlag. „Kleine, regionale Strukturen verschwinden und der ländliche Raum verliert immer mehr an Funktion.“

Deshalb hat Wiethege zusammen mit den noch verbliebenen Vorstandsmitgliedern des Vereins beschlossen, die Sterbekasse aufzulösen. Am kommenden Donnerstag, 10. März, ab 20 Uhr soll bei einer Generalversammlung im Feuerwehrgerätehaus Auf der Bommert der endgültige Beschluss verfasst und anschließend dem Regierungspräsidenten mitgeteilt werden.

Helmut Wiethege

Im 18. und 19. Jahrhundert schlossen sich in Deutschland Angehörige bestimmter Zünfte oder Einwohner ärmerer meist ländlicher Nachbarschaften zusammen und legten ihr Geld hauptsächlich zur Deckung der Beerdigungskosten an. Auch in Anschlag und den umliegenden Höfen fand dieser Zusammenschluss statt.

„Wir wissen auch nicht genau, seit wann es die Kasse bei uns gibt. Aber damals ging der Kassenwart noch zu Fuß umher und die Versammlungen fanden im Wirtshaus statt“, sagt Wiethege, der sich selbst als „freischwebender Vorsitzender“ des Solidarvereins bezeichnet. Kleine Bauern oder Knechte hätten damals kaum eine Chance gehabt, in andere Versicherungen einzuzahlen.

Soldiarverein in Anschlag findet keine neuen Mitglieder mehr

Doch die Zeiten haben sich geändert: „Die Aufgaben haben im Laufe der Zeit die gesetzlichen Krankenkassen oder auch Berufsunfähigkeitsversicherungen übernommen. Seit einigen Jahren haben wir keine neuen Mitglieder dazu gewinnen können. Die Nachbarschaft ist sehr überaltert.“

Die Aufrechterhaltung der Sterbekasse in Anschlag hält er für „sinnlos“. Früher habe man das Geld noch ertragreich anlegen können. Heute seien die Verwaltungskosten viel höher als der Gewinn. „Wir haben zwar die Möglichkeit, mit einer Sterbekasse in Dortmund zu fusionieren. Doch dort haben die Verantwortlichen die Problematik auch nur aufgeschoben.“

Deshalb möchte er, nachdem am Donnerstag der Schlussstrich unter den Solidarverein gezogen wurde, das noch vorhandene Guthaben von etwas über 400 Euro anteilig an die rund 100 Mitglieder verteilen.

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