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Aufforstung: Deshalb blickt Baumschulbesitzer im MK mit Sorgen auf den Ukraine-Krieg

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Von: Sarah Lorencic

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Eichen werden bei Wiesbaden in den Boden einer Aufforstungsfläche gesetzt. © DPA Deutsche Presseagentur

Der Krieg in der Ukraine lässt viele Probleme plötzlich klein erscheinen. Aber nicht alle. Zum Beispiel das Sterben der Fichtenwälder. Es reiht sich ein in die Probleme, gegen die man kaum etwas ausrichten kann. Das Gefühl von Machtlosigkeit beschreibt derzeit vieles, sagt auch Ernst-Ulrich Küch, der in Halver seine Baumschule betreibt.

Halver – Auswirkungen könnte der Ukraine-Krieg auch auf die Aufforstung haben. Denn die Pflanzteams kommen aus Osteuropa. Ob die Männer aus Litauen, Rumänien oder Ungarn, zum Teil auch aus der Ukraine kommen, kann Küch noch nicht abschätzen. Es kann doch alles morgen vorbei sein, sagt der Halveraner und macht sich Sorgen um den Fortgang des Krieges. Bäume pflanzen ist gewissermaßen auch ein Zeichen von Hoffnung, von Leben. Einen Baum pflanzt man nie für sich, sondern für die nächsten Generationen, sagt Küch. Für eine Zukunft, an die man glaubt und besser machen möchte.

Aufforstung ist und bleibt ein Thema in Ernst-Ulrich Küchs Büro in Schmidthausen. In Halver werde man erst im Herbst beginnen, erste Flächen aufzuforsten. In Meinerzhagen und Kierspe war die Baumschule bereits aktiv und hat auch noch weitere Aufträge im Bergischen Land, Ruhrgebiet und Düsseldorf. Grundsätzlich müsse man Geduld haben. „Man kann nur Jahr für Jahr aufforsten“, sagt Küch. Die Pflanzen sind einfach nicht da. Auch in den kommenden Jahren nicht. Denn die Bäume haben zu wenig Saatgut getragen. Es können also gar nicht ausreichend Bäume nachgezogen werden. Dass ab 2023 Probleme bei der Wiederbewaldung spürbar werden, prognostiziert auch Wald und Holz NRW.

Der Fokus liegt für Küch klar auf heimische Sorten. „Exoten lehne ich ab“, sagt der 63-Jährige – etwa den Blauglockenbaum aus China. Die heimischen Insekten brauchen die Nahrung, an die sie angepasst sind, und ähnlich wie beim Springkraut befürchtet Küch bei Bäumen aus fernen Ländern eine Verdrängung heimischer Arten. Neben Waldbesitzern, die etwas ganz Neues ausprobieren wollen, gibt es auch viele, die beim Alten bleiben. „Viele Waldbesitzer pflanzen wieder Fichten. Sie wollen es noch einmal versuchen.“ Man werde sehen, ob es zukunftsfähig ist. Unmöglich sei es nicht, die Naturverjüngung in den Wäldern – also die sich selbst ausgesäten Bäume – lässt man auch stehen, zum Großteil Fichten. In jungen Jahren passen sich die Bäume den Umwelteinflüssen an, kommen dann mit Trockenheit eventuell besser klar, erklärt Küch.

Empfohlen werden jedoch standortangepasste und klimastabile Mischwälder mit mindestens vier Baumarten. Küch schüttelt zu den Vorgaben des Landes nur mit dem Kopf. Er erzählt von genauen Abständen, die die einzelnen Bäume zueinander haben sollen. „Soll ich da mit einem Lineal rangehen?“ Nein, er sagt, gewisse Dinge kann man nicht lernen. Die hat man in sich, sagt er und zeigt auf sein Herz. Man entwickelt mit den vielen Jahren ein Gefühl dafür, wie und wann man am besten pflanzt. Und nicht jede Vorgabe aus Düsseldorf lasse sich automatisch auf jede Fläche in Halver anwenden. Zwei, drei Baumarten reichen auch. Wenn man den Vorgaben gerecht werden möchte und vier bis fünf Baumarten pflanzen muss, gleicht die Beschaffung der Pflanzen einem Puzzlespiel. Nicht umsonst sei die Förderung des Landes nicht gut angenommen worden, sagt der Baumexperte. Auch die Kosten seien immens.

Auf Küchs Schreibtisch liegt eine Bestellung mit der Anmerkung, dass die Förderung höchst wahrscheinlich ausgezahlt wird. Aber so kann Küch nicht arbeiten. Was, wenn die Förderung nicht bewilligt wird? Und ein weiterer Punkt, der in den kommenden Jahren von Bedeutung sein wird: Wenn die Wälder nicht so wachsen wie gewollt, muss die Förderung zurückgezahlt werden. Die Empfehlungen für eine nachhaltige Walderneuerung auf Kalamitätsflächen muss angepasst werden, findet der Halveraner. „Wir sind absolut machtlos“, sagt Küch und spricht die drei Stürme Ylenia, Zeynep und Antonia innerhalb eines Wochenendes an. Sie werden immer häufiger vorkommen, vermutet er. Für ihn verständlich, dass die Waldbesitzer unsicher sind.

Wenn solche Stürme kommen, wenn die Laubbäume im Laub stehen, dann werden auch sie vermehrt umfallen. Man ist abhängig von der Natur, sagt er. Neben der Natur ist man auch abhängig von den folgenden Generationen, die sich intensiv um die neu wachsenden Wälder kümmern müssen. „Einfach wachsen lassen geht nicht.“ Es sind die Enkel, gar Urenkel, die am Ende etwas vom Wald haben, wenn er denn wirtschaftlich genutzt werden soll, sagt Ernst-Ulrich Küch. Bäume und Wälder zu pflanzen ist eben ein Glaube an die Zukunft. „Die Natur zeigt uns jetzt, wo es lang geht. Die will den Menschen nicht mehr.“ Aber ob sich der Mensch nicht doch selbst zerstört, fragt er sich mit Blick auf atomaren Waffen. Er macht wie alle weiter, so gut es geht: Nächste Woche beginnen die ersten Pflanzungen in diesem Jahr. Wir brauchen den Wald zum Leben, sagt Küch

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