Aufbauarbeit in Kenia mit Herz und Hand

Beim „Home Based Care Visit“ erlebte Martina Lauermann (2. von links) die Armut in Kenia hautnah: Sie lernte eine schwangere, HIV-infizierte Frau kennen, die mit ihren drei Kindern in einer kleinen Hütte lebt.

HALVER ▪ Eine Baustelle ohne jegliche Stromquelle – was in Deutschland undenkbar ist, gehört in Kenia zum Alltag. Auch für drei Halveraner, die es jetzt nach Afrika verschlagen hatte: Daniel Lauermann, seine Ehefrau Linda und Mutter Martina waren im Auftrag des englischen Freiwilligen-Hilfswerks „mission direct“ vor Ort.

Wie berichtet, geht es den Helfern im Süden Kenias um Hilfe für verstoßene junge Mädchen, die nach Zwangsheirat und Flucht aus dem ihnen aufgezwungenen Leben eine neue Chance suchen. Dafür benötigen sie eine neue Heimat – und die wird ihnen mit der Unterstützung von „mission direct“ ermöglicht.

Den Erholungsurlaub tauschten die Lauermanns zwei Wochen lang gegen die Hilfe in Süd-Kenia ein: Sie rührten Mörtel mit der Hand an, schleppten Steine, koordinierten die Baustelle. „Wir waren das erste Team, das dorthin geschickt wurde“, berichtet Daniel Lauermann. „Dabei sollten wir erst einmal herausfinden, ob sich alles wie geplant realisieren lässt“, betont der Sohn von „Haus Waldfrieden“-Chef Bernd Lauermann. Am Ende sollen bis zu 24 Massai-Mädchen auf einer Fläche von 110 Quadratmeter leben können. „Das ist für hiesige Verhältnisse ganz normal“, betont Daniel Lauermann. In Kooperation mit der „Massai Evangelistic Association“ will man den Mädchen eine familiäre Umgebung schaffen, die ihnen auch ein Zufluchtsort sein soll. Daniel Lauermanns Fazit nach den zweiwöchigen Bauarbeiten: „Alles läuft wie geplant. Im Jahr 2012 soll das Haus bezugsfertig sein.“

Allerdings stand für das Halveraner Trio nicht allein die körperlich anstrengende Arbeit im Mittelpunkt: Immer wieder stattete es auch anderen Projekten im Süden Kenias Besuche ab. Martina Lauermann erinnert sich detailliert an teils eindrucksvolle, teils bedrückende Erlebnisse – etwa, als sie an einem so genanntem „Home Based Care Visit“ teilnahm, bei dem bedürftige Frauen zuhause besucht, ärztlich untersucht und unterstützt werden. „Wir haben in diesem Rahmen auch eine schwangere, allein erziehende Frau mit drei Kindern besucht“, so Martina Lauermann. „Sie ist HIV-positiv, lebt in einer kleinen Hütte, die wir noch nicht mal als Gartenschuppen bezeichnen würden. Noch am Morgen wusste sie nicht, was sie ihren Kinder zu essen geben könnte. Das ist für uns in Deutschland unvorstellbar.“ Dennoch habe die junge Frau eine Freundlichkeit ausgestrahlt, die beeindruckte. „So etwas nimmt man mit“, sagt Martina Lauermann, die als Grundschullehrerin nun auch ihren Schülern von den Zuständen in Kenia berichten will. Denn „mission direct“, so sagt ihr Sohn Daniel, sei mehr als die reine projektorientierte Arbeit. „Es geht auch um Verständigung untereinander.“ Wenn Menschen in aller Welt von den Sorgen und Nöten in Afrika erfahren, könne dies in der Folge durchaus von Nutzen sein – etwa, wenn sich der Grundschüler von heute als Erwachsener von morgen aufgrund seines Wissens von der Lage vor Ort für Afrika engagieren will. ▪ Frank Zacharias

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