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Auf grüner Mission: Start-up liefert Bio-Lebensmittel bis an die Haustür

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Von: Sarah Lorencic

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Baris und Selin Yildiz sind die Gründer von „mymarktstand“und wollen so jedem die Möglichkeit geben, unkompliziert und in bester Qualität Obst und Gemüse zu kaufen. Müsli, Nudeln, Nussmus und andere Besonderheiten gibt es ebenfalls.
Baris und Selin Yildiz sind die Gründer von „mymarktstand“und wollen so jedem die Möglichkeit geben, unkompliziert und in bester Qualität Obst und Gemüse zu kaufen. Müsli, Nudeln, Nussmus und andere Besonderheiten gibt es ebenfalls. © Lorencic, Sarah

Zwei Gründer haben viel vor und verfolgen eine grüne, gesunde Mission. Selin und Baris Yildiz bringen mit ihren Obst- und Gemüseboxen den Marktstand vor die Haustür. Sie verbinden ihre Leidenschaft mit einer Idee, die sich in Corona-Zeiten etabliert hat.

Halver/Brügge – Das Gesicht von Selin Yildiz kennen Marktgänger vom Obst- und Gemüsestand, der sowohl in Halver als auch in Lüdenscheid steht. Die 23-Jährige hilft ihrem Schwiegervater Münür Yildiz – mittlerweile allerdings immer weniger, denn gemeinsam mit ihrem Ehemann Baris hat sich eine neue Idee entwickelt. Für alle, die es nicht auf den Markt schaffen, stellt das Paar den Obststand vor die Haustür. Sei es für Berufstätige oder die Senioren, die nicht mehr so viel tragen können, erzählen die beiden. Der digitale Marktstand wird von immer mehr Menschen angenommen. „Wir freuen uns und sind sehr dankbar dafür“, sagt der 27-jährige Geschäftsführer.

Mit wenigen Klicks bestellt man bei „mymarktstand“ online eine Box voller Obst und Gemüse in gewohnter Marktqualität. Die Lieferanten haben die Gründer vom Vater übernommen. Das Ehepaar fährt die bestellten Boxen mit ihrem Kühltransporter bis an jede Haustür im südlichen Kreisgebiet. In Halver zum Beispiel wird die Nachfrage immer größer, weil dort nur einmal in der Woche Markt ist, vermuten die Lüdenscheider. Aber auch Kunden aus Herscheid und Neuenrade nutzen das Angebot.

Zur Auswahl im Kühlhaus liegen dieselben Produkte wie auf dem Stand des Wochenmarkts von Münür Yildiz, Vater von Baris Yildiz, bereit. Die Produktauswahl ist dennoch kleiner, weil das junge Ehepaar regional und saisonal einkauft.
Zur Auswahl im Kühlhaus liegen dieselben Produkte wie auf dem Stand des Wochenmarkts von Münür Yildiz, Vater von Baris Yildiz, bereit. Die Produktauswahl ist dennoch kleiner, weil das junge Ehepaar regional und saisonal einkauft. © Lorencic, Sarah

Geboren ist die Idee mitten in der Corona-Zeit. Vor allem ältere Personen waren es, die sich zu Pandemie-Hochzeiten nicht mehr vor die Tür trauten und froh waren, dass jemand zu ihnen kam und sie ihre gewohnten Produkte bekamen. Aus dem Service wurde eine eigenständige Geschäftsidee, mit der die Lüdenscheider auch eine Mission verfolgen: gesunde Ernährung, einfach zugänglich.

Dahinter steckt eine persönliche Erfahrung von Baris Yildiz. Der 27-Jährige hat rund 30 Kilogramm abgenommen – mit gesunder Ernährung und Sport. Es hat bei ihm vor einigen Jahren „Klick gemacht“. Von einem auf den anderen Tag änderte er sein Leben, das von Fast Food geprägt war. Döner, Pommes, Burger – nein, das tut er sich und seinem Körper nicht mehr an, sagt er. Heute rät er Freunden dazu, sich besser zu ernähren, und hat seine Überzeugung in seinen Beruf umgewandelt.

Es hat Klick gemacht: Persönliches Schicksal ändert alles

Denn: Wer etwas erreichen will, muss davon überzeugt sein. Und das ist er. Kurz nach seiner Ernährungsumstellung bekam er eine Krankheit, die ihn noch mehr vor Augen führte, wie wichtig eine gesunde Ernährung ist. Die Nesselsucht zeigte ihm auf unangenehme Weise auf der Haut, was er seinem Körper von innen angetan hat. Für ihn ein klares Zeichen, gerade noch die Notbremse gezogen zu haben.

Ihm und seiner Frau geht es auch um Aufklärung. Was steckt in den Lebensmitteln? Welches Obst können Allergiker essen? Wie entstehen Unverträglichkeiten? Im Internet informieren sie dazu immer zu den Früchten und Gemüsesorten und der Saison. Ein wichtiger Punkt im Konzept von Selin und Baris Yildiz: Nachhaltigkeit. Sie bieten ausschließlich Produkte in Bioqualität an und welche, die gerade Saison haben. Nur Himbeeren stehen auch zur Verfügung, weil die Nachfrage so groß ist. Wenige Ausnahmen müssen sie machen, um der Nachfrage gerecht zu werden. Aber Erdbeeren zum Beispiel wird man bei ihnen erst kaufen können, wenn sie in Deutschland wachsen. Man fliegt schon so viele Produkte ein, sagt Baris Yildiz. Solche wie Bananen, die in Deutschland niemals wachsen könnten.

Bei Gemüsehändler Münür Yildiz sind die beiden Gründer oft zu sehen.
Bei Gemüsehändler Münür Yildiz sind die beiden Gründer oft zu sehen. © von der Beck, Peter

Und bei solchen Angeboten soll es auch bleiben. Grundsätzlich setzen sie auf das regionale und saisonale Angebot. Und das Bewusstsein dafür wollen sie weitergeben. Auch auf Plastik verzichtet das Unternehmen mit Sitz in Brügge. Die Produkte kommen in Papiertüten oder recycelbaren Alternativen. Die großen Lieferboxen sind zum Wiederverwenden gedacht. Verschwendet werden soll nichts.

Immer geht es den beiden um Verbindung – zur Umwelt und auch zum Kunden. Wie sie es vom Markt kennen. Den persönlichen Kontakt wollen sie auch weiterhin pflegen. Mit der Marktkultur sind beide groß geworden. Baris mit dem Obst- und Gemüsestand seines Vaters und Selins Eltern verkauften auf dem Markt Antiquitäten. Jetzt entwickeln sie daraus eine junge, moderne Geschäftsidee, die dem digitalen Zeitalter und der immer weniger werdenden Zeit die nötige Qualität geben soll.

„Es macht uns glücklich, wenn andere gut essen“

„Es macht uns glücklich, wenn andere gut essen.“ Mittlerweile beliefern sie auch Kitas, und mehr Firmen hätten sie auch gerne als Kunden. In der Vorstellung des Ehepaars steht in jedem Pausenraum eine Auswahl an gesundem Obst. Mit Blick in die fernere Zukunft stellt sich das Ehepaar zu den Boxen auch passende Rezepte vor. Bis jetzt sind sie nur immer ein Gedanke beim Packen von Selin Yildiz. Etwa, wenn sie weiß, dass die Kundin Kinder hat – statt Rosenkohl gibt es dann buntes Gemüse und Kräuter für eine italienische Gemüsepfanne und Snack-Tomaten für die Schulpause.

Bestellen kann man entweder ganz gezielt oder auch mit Überraschungseffekt – und bei der sogenannten „fresh-box“ macht sich die Geschäftsführerin immer viele Gedanken. Wenn sie schon nicht mehr so oft auf einem Markt stehen kann, will sie ihre persönliche Note und Empfehlung einbringen. Dann fährt sie mit dem Wagen durch das Kühlhaus und überlegt ganz genau, welche Produkte für die Familie Sinn und Freude machen. Und: Wer auf dem Markt etwas probieren darf, darf es in den Boxen natürlich auch.

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