Susannenhöhe: Archäologen suchen Spuren

Mit Bagger und Schaufeln waren die Archäologen in den vergangenen drei Tagen auf der Suche nach Resten einer frühindustriellen Ansiedlung. Nun muss der Landschaftsverband entscheiden, wie es an der Susannenhöhe weitergeht. - F. Zacharias

HALVER - Wollmütze statt Lederhut, Notizblock statt Peitsche: Dr. Kai Bulka hat mit Indiana Jones rein äußerlich nicht viel gemeinsam. Was ihn mit dem Leinwand-Wissenschaftler verbindet, ist seine Profession: Bulka ist Archäologe. Und als solcher war er in den vergangenen Tagen mit einem dreiköpfigen Team in Halver auf Spurensuche.

Für die Autofahrer auf der B 229 bei Oeckinghausen waren die tiefen Furchen im Acker unterhalb der Susannenhöhe unübersehbar: Dort, wo die Stadt bekanntlich ein neues Gewerbegebiet ansiedeln will, wurde bereits gearbeitet. Ein Bagger riss drei jeweils vier mal 100 Meter lange Gräben in den Boden. Die Grabung war nicht sehr tief, aber tief genug für Bulka und seine Mitarbeiter, die im Auftrag der Stadt auf der Suche nach Zeugnissen des Mittelalters waren. Denn: Der zu bebauende Acker befindet sich auf einer so genannten Lesefundstelle, in einem Bereich also, in dem in der Vergangenheit bereits häufiger historisch wertvolle Stücke eingesammelt wurden, um sie anschließend dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zu überlassen. Ehe schweres Gerät zur Vorbereitung des Gewerbegebiets anrollt, war die Stadt in der Pflicht, den Bereich auf weitere Fundstücke hin überprüfen zu lassen - und beauftragte damit das Essener Unternehmen „Archbau“.

Kai Bulka ist Niederlassungsleiter für den Bereich Niedersachsen/Westfalen und hat als Doktor der Archäologie Erfahrung mit solchen Projekten. Und er weiß natürlich auch um die Funde, die in der Vergangenheit in dieser Gegend gemacht wurden. „Hier gab es deutliche Anzeichen einer Eisenverhüttung“, sagt er. „Hier wurden Keramik und Schlackereste gefunden.“ Und zwar in solchen Mengen, dass der LWL bereits eine so genannte Prospektion, also die Erkundung und Erfassung des archäologisch interessanten Gebiets, veranlasst hatte. Die seit Mittwoch durchgeführte Überprüfung sollte nun noch einmal Sicherheit darüber geben, wertvolle Funde nicht versehentlich zu zerstören. „Insgesamt 31 Fundorte sind in Halver gelistet“, so Dr. Kai Bulka. „Das ist für eine bergige Region durchaus viel.“ Wenngleich das Münsterland über Abschnitte verfüge, in denen mehr als 200 Fundorte nicht ungewöhnlich seien.

Allerdings: Bis zum Ende der Grabungen am gestrigen Abend brachte die Suche lediglich einen Fund zutage, von dem vor Ort nicht eindeutig geklärt werden konnte, ob er von Menschenhand erzeugt wurde oder natürlichen Ursprungs ist. „Eine geringe Zahl an Fundstücken kann immer auch damit zu tun haben, dass hier schon alles eingesammelt worden ist“, sagt Kai Bulka. Die letzte Entscheidung, ob das Gewerbegebiet im Zeitplan bleibt, fällt nun der Landschaftsverband. Wenn der LWL keine weitere Grabungen veranlasst, kann das städtische Projekt unvermindert fortgeführt werden. Wie Peter Kaczor vom Fachbereich „Bauen und Wohnen“ erklärt, soll die Erschließung nach dem Ratsbeschluss und den letzten erforderlichen Genehmigungen schnellstmöglich starten. „Aber auch, wenn wir was gefunden hätten, wäre hier ein Gewerbegebiet entstanden“, sagt Dr. Kai Bulka. Die Gesetze würden in solchen Fällen nie den Erhalt von Bodendenkmälern vorsehen. „In diesem Fall gäbe es Grabungen, ehe ohnehin alles zerstört würde.“

Die zeitliche Verzögerung für die Stadt würde sich dann auf etwa drei Monate belaufen, so Bulka, der das große Interesse der Anwohner in den vergangenen Tagen durchaus gespürt hat. „Hier waren schon einige Leute, die sich für die Arbeiten interessierten.“ Deren Hoffnung, dass das Gewerbegebiet aufgrund historischer Funde ad acta gelegt werden könnte, musste Bulka ihnen aber nehmen. - Frank Zacharias

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