Anwohner werfen Gartenabfälle in die Natur

Kompost im Wald: Das unterschätzte Umweltproblem

Komposthaufen im Wald.
+
Unscheinbar: Links die Hintereingänge der Gärten der Anwohner am Karpfenweg. Rechts vom Pfad führen mehrere Trampelwege in das Waldstück. Genutzt wird der angrenzende Wald als Komposthaufen.

Wer am Hecht-, Karpfen- oder Schleienweg wohnt, dem sind die Wege, die vom Waldpfad abgehen, eventuell schon einmal aufgefallen. Zumindest gehen davon die Anwohner aus. Der Wald dient als Ort für Komposthaufen. „Das macht hier eigentlich jeder“, heißt es seitens der Gartenbesitzer vom Karpfenweg. Der Wald, der oberhalb der Bolsenbacher Fischteiche liegt, gehört der Stadt. Die wird sich der Sache nun annehmen.

Halver - Ein Rundgang lässt viele Seitenwege entlang des Fußpfades erblicken. Rechts und links vom Trampelpfad akkurate Berge – mit frischen Grasschnitt drauf. Zum Teil aber auch Topfblumen mit Topf, oder Pflanzen, die schon verwittert sind, jedoch noch am Etikett identifizierbar sind. Auf den Haufen liegen auch Eierschalen, Hundebesitzer auf dem Weg erzählen von sämtlichen Dingen, die die Vierbeiner schon mitgebracht haben. Unter den Buchen und Eichen wachsen dementsprechend Pflanzen, die gebietsfremd sind.

Abgesehen davon, dass es sich um fremdes Eigentum handelt, haben Gartenabfälle nichts im Wald zu suchen, sagt Oberforstinspektor Ulrich Ackfeld. Auch wenn manch einer denken möge, es schadet nicht. „Es gehört da einfach nicht hin.“ Aber das Problem sei kein unbekanntes, sondern sogar gängig. Überall dort, wo die Wohnbebauung an ein Waldstück grenzt. Im Falle Karpfenweg enden die Hintereingänge der Gärten am Waldweg.

Schädliche Überdüngung

Die meisten Waldböden sind von Natur aus nährstoffarm. Eine Entsorgung von Gartenabfällen im Wald gleicht einer hoch dosierten Düngung des Bodens, der wiederum wegen Sauerstoffmangels unter den Abfällen erstickt – in der Folge verschwinden typische heimische Pflanzenarten, die wiederum Nahrung heimischer Tierarten sind.

Während der Verrottung des Gartenschnitts wird unter anderem Stickstoff freigesetzt, der das Wachstum stickstoffliebender Pflanzen begünstigt. Dazu gehören auch unliebsame und invasive Arten wie das Indische Springkraut, das sich rasant ausbreitet. Das ist auf solche Entsorgungen zurückzuführen, erklärt Ackfeld.

Doch wer sich als Naturfreund im Frühjahr über die Blütenfülle der Schlüsselblumen unter Bäumen freut, sollte im Sommer bedenken, dass schon eine dünne Schicht hier abgelagerter Gartenabfälle die Vielfalt zerstören kann.

Müll und Weihnachtsbäume

Gehandhabt wird die Kompost-Methode im Wald schon lange. „Ich habe da auch schon 15 Schubkarren Erde rausgeholt“, sagt ein Anwohner. Damals sei der Förster gefragt worden. Solange es nur Baumschnitt sei, könne man das ruhig machen, sagte man den Hobbygärtnern. Anstelle von Baumschnitt liegen jedoch mittlerweile auch Weihnachtsbäume im Wald und neben Gartenabfällen auch Müll.

So manch anderen Anwohner stört das. Auch Hundebesitzer sehen die zum Teil ausgelegten Essensreste kritisch. Auch Wildtiere könnten von den frei verfügbaren Resten angelockt werden, Rehe und auch Wildschweine. Die eigentlichen Komposter stehen ebenfalls nicht auf dem Grundstück, sondern hinter dem Gartenzaun. „Der Garten reicht wieder nicht aus“, kommentiert Ulrich Ackfeld das gängige Verhalten, bei dem sich viele nichts denken.

Pestizide in Zierpflanzen

In Billig-Zierpflanzen finden sich teils enorm hohe Pestizidrückstände, die das heimische Ökosystem beeinträchtigen, und die für die im Wald lebenden Wild- und Honigbienen tödlich sind. Ähnlich schlimm: Gartenabfälle können Wurzeln, Zwiebeln, Knollen oder Samen nicht heimischer, giftiger Pflanzen enthalten. Auch für Hunde ein Problem.

Aufgrund der damit verbundenen Gefährdung des Ökosystems Wald steht das Entsorgen von Gartenabfällen sogar unter Strafe und kann als eine Ordnungswidrigkeit mit einer empfindlichen Geldbuße geahndet werden. Wie die Stadt damit umgeht, wird jetzt besprochen. Grundsätzlich, sagt Bürgermeister Michael Brosch, handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit, die die Stadt beim Märkischen Kreis anzeigen muss. Seitens des Ordnungsamtes der Stadt würden Bußgelder fällig. „Wir haben das Problem leider häufiger“, sagt Brosch. „Das ist eine Unsitte in der Bevölkerung.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare