Kerzen und Länderfähnchen im Hundehaufen

Gefahr für Vierbeiner: Anwohner erwischen Nachbarin beim Auslegen von Hundeködern

Kerzen oder Fähnchen dienen als Hinweis, der die Hundebesitzer erziehen soll. Dahinter steckt eine Halveranerin, die beim Auslegen von Wurst beobachtet wurde.
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Kerzen oder Fähnchen dienen als Hinweis, der die Hundebesitzer erziehen soll. Dahinter steckt eine Halveranerin, die beim Auslegen von Wurst beobachtet wurde.

Halver – Schon öfter lag am Pestalozziweg Erbrochenes. Jetzt wurde eine Frau dabei beobachtet, wie sie Wurst auf ein Stück Wiese am Fußweg auslegt. Keine Unbekannte. Die Hundebesitzer sind entsetzt und rufen nach Hilfe. Machen kann man wenig, wie Polizei und Ordnungsamt ihnen sagen. Wir haben mit der Frau gesprochen, die noch ganz andere Sachen macht.

Halver – Die Wurst riecht säuerlich, sieht nicht mehr gut aus. So beschreibt eine Anwohnerin die Köder, die für Hunde gedacht waren und am Pestalozziweg auf einer Wiese ausgelegt wurden. Immer wieder kommt es vor, dass Hundeköder gefunden werden. Erst kürzlich im Rathauspark. Sofort warnen Hundebesitzer davor. Wer es war, wusste man bisher nicht. Aber jetzt. Zumindest im Fall Pestalozziweg und Umgebung.

Eine ältere Frau wurde beobachtet und auf frischer Tat ertappt, wie sie Wurst auslegte. Und sie ist bekannt, wohnt in der Nachbarschaft. Die Köder – Brot mit Schinken in kleine Stücke geschnitten – hat die Person, die alles beobachtet hat, eingepackt, um Hunde zu bewahren. Die Frau anzusprechen, hat sie sich nicht getraut. Bekannt sei die Person für ihre aggressive Art, gerade gegenüber Hundebesitzern. Nur in der App Dogorama wurde der Standort geteilt, um andere Hundebesitzer warnen. Von zu Hause Anrufe bei der Polizei, beim Ordnungsamt, beim Veterinäramt. Nichts passiert. „Da kann man nichts machen“, heißt es von allen Seiten. Es sei ja kein Hund zu Schaden gekommen. Nachfrage bei den Halveraner Tierärzten. Sind Fälle bekannt, wollte man wissen. Haben sich Hunde übergeben oder Schlimmeres? Aber man dürfe keine Auskunft geben, erzählt man den Nachbarn, die jetzt aktiv werden wollen.

Anruf bei Peta, Deutschlands größter Tierrechtsorganisation. Klare Empfehlung aus der Rechtsabteilung: „Erstatten Sie Anzeige.“ Die wäre nichtmals gegen Unbekannt. Der Name ist kein Geheimnis, Fotos und den Köder gibt es als Beweis. Wie die Nachbarn vermuten, ist die Frau die Person, die auch Länderfähnchen in Kothaufen steckt. Und sie haben recht.

Das sagt die Frau

Wir treffen die Frau, die die Köder ausgelegt haben soll. Ob das stimmt? „Ja.“ Immer wieder streue sie Wurst aus. Das sei ihr Grundstück, sie dürfe das. Es geht um ein Stück Wiese am Pestalozziweg, dem Fußweg, der von der Goethestraße zum Schulzentrum führt. „Ich stecke auch immer so kleine Fähnchen in Haufen.“ Die Frau geht in ihre Wohnung und holt eine Handvoll Zahnstocher mit Papierfahnen dran. Manchmal sind es auch kleine Kerzen, erzählt sie. Warum macht sie das? Sie hat ein Problem mit dem ganzen Hundekot. Mit den „Hinweisen“ will sie die Hundebesitzer auf die Haufen aufmerksam machen und sensibilisieren. „Das ist eine Erziehungsmaßnahme“, erklärt der Ehemann. Gegen Hunde, betonen beide, haben sie nichts. Nur gegen die Besitzer. In Eigenregie haben die Anwohner auch einen Kotbeutelspender gebaut und am Pestalozziweg angebracht. Tüten gibt es in Absprache mit der Stadt kostenlos. Aber trotzdem liegen noch immer Häufchen entlang des Fußweges. Ein Ärgernis fürs Rentnerpaar.

Zurück zur Wurst. Was, wenn die Hunde sie essen? „Die ist ja nicht vergiftet, so etwas würden wir nicht tun.“ Stattdessen sei die Wurst sogar vom Metzger Wiebel, hat „weiß angesetzt“ – sie selber würden sie nicht mehr essen. Letztens war es ein Stück Mettwurst. „Aber die Hundebesitzer sollen ruhig denken, dass es vergiftet ist“, sagt die Rentnerin. „Dann passen sie auf ihre Hunde auf.“ Und bleiben fern. Das Ehepaar ärgert sich über den ganzen Hundekot in der Stadt. Durch Corona hat das noch einmal zugenommen, sagen sie. Aber ihre Methoden wirken. „Es wird weniger, wirklich.“

Müll sammelt das Paar auch; und Pfand. Den Pfand nehmen sie mit, haben schon viel Geld in den vergangenen Jahren dadurch gemacht. Den Müll legen sie an den Straßenrand, mitnehmen geht nicht auf den Touren, die sie mit dem Fahrrad oder zu Fuß machen. Die Hundebesitzer aus der Nachbarschaft sind entsetzt. Und sauer. Auch sie finden es nicht gut, wenn andere die Hinterlassenschaften ihrer Hunde nicht aufheben. Aber das Verhalten des Ehepaars können sie nicht nachvollziehen. „Schon häufiger lag Erbrochenes am Pestalozziweg“, erzählen die besorgten Anwohner. Über die Wurst, wenn sie auch nicht vergiftet ist, regen sie sich auf. Kleine Rassen seien oft magenempfindlich.

Das sagt die Polizei

Wäre die Wurst vergiftet, wäre das ein klarer Verstoß gegen das Tierschutzgesetz, erklärt Armin Kibbert von der Polizeiwache Halver. Nur Wurst auszulegen, ist zumindest aus dieser Perspektive nicht strafbar. Aber so oder so: „Wir müssen erst einen kranken Hund haben.“ Vorher kann man nicht viel machen.

Das sagt das Ordnungsamt

Bekannt sind die Fälle im Rathaus nicht, sagen sowohl Lutz Eicker vom Ordnungsamt als auch Thomas Gehring, Leiter Bürgerdienste. Grundsätzlich aber sei es nicht erlaubt, Fleisch und andere Restabfälle einfach auszulegen. „Wurst, die abgelaufen ist, auszulegen, ist illegale Abfallbeseitigung.“

Das sagt der Tierarzt

In die Tierarztpraxis von Walter Eichert kommen einmal wöchentlich Hunde mit Vergiftungen. Allerdings sind diese nicht auf mutwillig ausgelegte Köder zurückzuführen, sondern auf Eigenverschulden. Hyazinthenzwiebeln zum Beispiel, seltener Rattengift. Gefressen, weil Hundehalter nicht aufgepasst haben. „Vergiftungen durch Fremdverschulden sind in der absoluten Minderheit.“ Ein Prozent maximal.

Abgelaufene Wurst, sagt der Halveraner Tierarzt, wird im schlimmsten Fall zu Erbrechen oder Durchfall führen. Weil der PH-Wert im Magen eines Hundes zwischen 3,5 und 5 liegt, und der Hund per se ein Aasfresser ist, wird das Tier es ohne Komplikationen vertragen, entwarnt er. Eichert bestätigt den Hype auf Hunde und kann beide Seiten verstehen. Er appelliert an alle Besitzer, sich ordentlich zu verhalten. Dazu gehört vor allem, Kothaufen zu entfernen. „Das fördert die Akzeptanz aller Hundebesitzer.“

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