Versäumnisse vorgeworfen

Ölfilm im Vömmelbach: Kritik am Vorgehen der Behörden

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Der Feuerwehreinsatz am Sonntagnachmittag war offenbar nur das Ende einer Verkettung von Missverständnissen, wie Kreissprecherin Ursula Erkens jetzt einräumte.

OBERBRÜGGE - Im Vorfeld des Feuerwehreinsatzes am Vömmelbach kam es bei den zuständigen Behörden offenbar zu Versäumnissen. Das räumte am Montag Ursula Erkens, Sprecherin des Märkischen Kreises, gegenüber unserer Zeitung ein, nachdem Anwohner das Vorgehen der Unteren Wasserbehörde massiv kritisiert hatten.

Mit Dieselkraftstoff in freier Natur ist nicht zu spaßen – das weiß auch Gitta Aubel, die auf der Stadtgrenze zwischen Halver und Lüdenscheid direkt an der Volme wohnt. Als sie am Samstagnachmittag strengen Ölgeruch wahrnimmt, befürchtet sie zunächst ein Leck der Ölwanne im Haus. Doch der Blick in die Volme offenbart die wahre Geruchsquelle: Aubel erkennt einen schmierigen, bläulichen Ölfilm – und alarmiert umgehend die Polizei in Lüdenscheid. Die Wehr, die nach Zeugenaussagen etwa eine Stunde später eintraf, legte am späten Samstagnachmittag erste Ölsperren in der Volme – denn dort war der Ölfilm gemeldet worden – und rückte wieder ab. Dass der oberhalb liegende Vömmelbach die wahre Verschmutzung enthielt, blieb unentdeckt.

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Bereits hier muss es zu ersten Misserverständnissen der Behörden untereinander gekommen sein, wie Kreissprecherin Erkens erklärt. Ein Mitarbeiter der Unteren Wasserbehörde, die in solchen Fällen stets informiert wird, erreichte erst gegen 18.30 Uhr den Einsatzort an der Volme. Offenbar viel zu spät, um der Verschmutzung auf den Grund zu gehen. Hanna Hösch, die mit ihrer Schwester Gitta Aubel das gleiche Haus an der Volme bewohnt, erinnert sich im Gespräch mit unserer Zeitung besonders an eine Aussage: „Der Mann von der Unteren Wasserbehörde sagte, dass es für eine genauere Untersuchung jetzt einfach zu dunkel sei.“ Dabei habe immer noch ein strenger Ölgeruch in der Luft gelegen, der auf eine größere Verunreinigung hinwies.

Warum die Wasserbehörde am Samstag deutlich später als die Feuerwehr am Einsatzort war, erklärte Ursula Erkens mit gleich mehreren Informationspannen: Der Spediteur, auf dessen Grundstück die Verunreinigung gemeldet worden war, habe zwar die Wehr und die Firma Lobbe als Reinigungsspezialisten hinzugerufen. Nicht klar gewesen sei jedoch, dass sich der Dieselkraftstoff auch auf dem Hof ausgebreitet hatte. Die obligatorische Meldung der Feuerwehr an die Kreisleitstelle sei erst beim Einsatz vor Ort erfolgt. Und erst von der Leitstelle wurde dann auch die Untere Wasserbehörde alarmiert. So war es für den Mitarbeiter am Ende „zu dunkel“.

Doch nahm der Wasserspezialist am Sonntagmorgen erneut die Volme in Augenschein. Jetzt bei ausreichendem Tageslicht. Und das offenbarte, dass die Lüdenscheider Wehr ausrücken musste – diesmal, um einige weitere Ölsperren in der Volme zu errichten. Der Vömmelbach wurde immer noch nicht als vorgeschaltete Quelle des Übels identifiziert. Dazu kam es erst am Sonntagnachmittag, nachdem Hanna und Günther Hösch beim Spaziergang die deutliche Verschmutzung des Baches festgestellt hatten. „Der Vömmelbach war voller Öl“, erinnert sich Hanna Hösch. Ihr Mann Günther wollte – einmal mehr – umgehend die Behörden informieren. Doch auch das erwies sich schwieriger als gedacht: „Die Polizei Lüdenscheid verwies mich an die Polizei Halver, die wiederum an die Feuerwehr Lüdenscheid.“ Immerhin stand am Ende der Telefon-Odysee erneut die Untere Wasserbehörde, die diesmal umgehend reagierte und auch dafür sorgte, dass die Halveraner Wehr zum Vömmelbach gerufen wurde.

„Natürlich kann so eine Verunreinigung immer mal passieren. Darum geht es uns auch gar nicht“, betont das Ehepaar Hösch, das viel mehr über das Verhalten der Behörden entsetzt ist. „Man hatte das Gefühl, die nehmen das gar nicht ernst“, erinnert sich Günther Hösch an die erste Meldung vom Samstag. Und seine Frau ergänzt: „Da wurden die Behörden informiert – und kein Mensch hat was gemacht.“

Kritik, die der Kreis als Aufsichtsbehörde anscheinend ernst nimmt: „Da ist wohl einiges schiefgelaufen“, erklärte Ursula Erkens. - Frank Zacharias

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