Windkraft in Warteschleife

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Halver - Die SL Naturenergie als potenzieller Investor in eine Windkraftanlage bei Engstfeld hat ihren Antrag beim Märkischen Kreis nun auch offiziell zurückgezogen. Die Entwicklung der Windkraftnutzung ist damit offen wie im Jahr 2015, als die Entscheidung für die Vorrangzone fiel und die Höhenbegrenzung auf 99 Meter Bauhöhe gekippt wurde.

Die entsprechende Mitteilung des Kreises habe er Ende vergangener Woche auch an die Spitze der Fraktionen im Halveraner Rat weitergegeben, bestätigt auf Anfrage des Allgemeinen Anzeigers Bürgermeister Michael Brosch. Nach Broschs Einschätzung bleibt die Ausschlusswirkung der Zone in Engstfeld unverändert bestehen. Das bedeutet, dass nur dort und nicht an anderer Stelle der Stadt eine solche Anlage gebaut werden dürfte. 

Genau das aber hat SL Naturenergie weiter vor. Ihren entsprechenden Antrag auf den Bau einer vergleichbaren Anlage bei Schöneberge erhält das Gladbecker Energieunternehmen aufrecht (der AA berichtete). Der Märkische Kreis hatte in einer ersten Anhörung auf diese Einschätzung der Stadt hingewiesen. Ein Einvernehmen hatte die Stadt Halver mit Verweis auf die oben genannte Rechtslage versagt. 

Keine Aufhebung der Vorrangzone 

Ausschlaggebend für den Rückzug in Engstfeld waren laut SL Naturenergie „artenschutzrechtliche Gründe“ gewesen. Wie konkret die aussehen, weiß die Stadt Halver bislang nicht. Insofern sieht Brosch zurzeit keine Anhaltspunkte, die Engstfelder Zone aufzuheben. Das wäre dann zu prüfen, wenn der Kreis als Genehmigungsbehörde die Stadt Halver dazu auffordere. 

Abweichend von der früheren Beschlusslage aus dem Jahr 2015 herrscht in der Politik in Halver eine Art Stillhalteabkommen. Damals war deutlich mehrheitlich Tendenz gewesen, den Ausbau der Windkraft voranzutreiben und aktiv nach weiteren möglichen Windkraftflächen zu suchen. Diese Recherche wurde vertagt, weil man vom Engstfeld-Entscheid des Kreises Hinweise auf das eigene weitere Vorgehen erhofft hatte. 

Politisch spannend wird es nun an genau dieser Stelle. Aus Broschs Sicht könnte es sich als sinnvoller herausstellen, statt eigener Flächensuche auf die sogenannte Privilegierung zu setzen. Das bedeutet, dass nicht die Stadt selbst mit erheblichen eigenen Mitteln auf die Suche nach Vorrangflächen geht, sondern mit der Aufhebung in Engstfeld Investoren den Weg frei macht, im Stadtgebiet möglicherweise geeignete Flächen zu suchen und auch auf eigene Kosten deren Tauglichkeit gegenüber den Genehmigungsbehörden nachzuweisen. 

Er vermute, dass sich diese Einschätzung in Teilen der Halver Politik bereits durchsetze. Und er selbst empfinde es als wenig sinnvoll, seitens der Stadt Windkraft-Standorte in Bürgerversammlungen durchzukämpfen, wo massiver Widerstand zu erwarten sei. Angesichts dieser Tatsache, aber auch aufgrund der artenschutzrechtlichen Probleme in und rund um Halver, vertrete er inzwischen die Linie der Privilegierung. 

Entscheidung der Politik offen 

Zum Schwur kommt es allerdings in der jetzigen Situation noch nicht. Noch hat der Märkische Kreis die Zone Engstfeld noch nicht beanstandet. „Bis dahin behält die Vorrangzone die Ausschlusswirkung“, sagt der Bürgermeister. Neu diskutiert werden müsste, falls sich eine politische Mehrheit findet, die sich für eine städtische Initiative bei der neuen Flächensuche stark macht, um die städtische Beteiligung im weiteren Verfahren in der Hand zu behalten.

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