AFG auf dem Weg ins digitale Zeitalter

Schulfrei am Anne-Frank-Gymnasium. Doch den ganzen Tag über rang das Kollegium und mögliche Wege in die Digitalisierung des Unterrichts.

Halver - Wie digital darf, sollte, muss eine Schule vielleicht sein? Darum geht es zurzeit am Anne-Frank-Gymnasium.

Der gestrige „Pädagogische Fortbildungstag“ für das komplette Kollegium bildete den Auftakt für einen Prozess, der nach Einschätzung von Schulleiter Paul Meurer anderthalb bis zwei Jahre dauern könnte. Dies ist der Zeitraum, in dem entsprechende Konzeptionen bis zur Realisierung ausgearbeitet sein könnten.

Smartphone als Vokabeltrainer

Welche Möglichkeiten sich für Schüler wie Lehrer bieten könnten, erläuterte in einem Impulsvortrag Dr. Susanne Rupp aus Berlin, beim Schulbuchverlag Cornelsen zuständig für didaktische Zukunftsmodelle. Doch es konnte selbst in den anderthalb Stunden nur ein grober Abriss dessen werden, was sich technologisch und didaktisch umsetzen ließe – wenn es denn von der Schulgemeinde mit breiter Mehrheit getragen wird.

Die Technik, die in nahezu jedem Haushalt verfügbar ist, könnte auch in den Klassenräumen des AFG für eine völlig neue Methodik sorgen. Das Smartphone mit einer Durchdringungsrate von 94 Prozent bei 15-Jährigen sei beispielsweise idealer, jederzeit verfügbarer Partner fürs Vokabeltraining. Der Tablet-PC benötige kaum Zeit zum Hoch- und Herunterfahren, eigne sich gleichermaßen für Recherche, Kommunikation und Präsentation. Lerngruppen würden zeit- und ortsunabhängig miteinander arbeiten, schon Fünftklässler agierten ohne Berührungsängste mit dem iPad, schulten im Teamwork daran nicht nur Sprache, sondern auch soziale Kompetenz, zeigte Dr. Rupp die Möglichkeiten auf.

Nicht einfach überstülpen

Dabei ist Meurer klar, dass sich die Digitalisierung der Schule nicht einfach überstülpen lasse. Doch die Diskussion in den Fachschaften ist angelaufen, wie weit die Technologien in den Unterricht eingebaut werden könnten und sollten. Es dürfe „keinen Zweifel daran geben, dass die Technik das Lernen nicht ersetzt“, machte der frühere stellvertretende Schulleiter Franz Zibirre deutlich, der den Einzug der Computer an der Kantstraße und die Vernetzung schon Ende der 90er-Jahre mit angestoßen hatte.

Schon bald schnelles WLAN

Eine wichtige Voraussetzung, um flächendeckend digital arbeiten zu können, ist bereits im Entstehen. Bis zum Jahresende sollen ein Konzept, möglicherweise auch die Umsetzung für ein schnelle drahtloses Internet in allen Teilen und Räumen der Schule geschafft sein. Voraussichtlich über Funk und einem Downstream bis zu 200 Megabit pro Sekunde wäre auf der Hardware-Seite die Basis vorhanden. 20 000 Euro sind dafür im Haushalt der Stadt Halver veranschlagt. Dass es wohl deutlich teurer werden könnte, zeichnet sich aber bereits ab.

Doch die Kostenseite dürfe in diesem Stadium nicht zu Denkverboten führen, mahnte Meurer auch an anderer Stelle: Ob letztlich Schüler mit eigenen Geräten in den Unterricht kämen oder die Schule Notebook oder PC bereitstelle, sei aktuell nicht die entscheidende Frage. Die laute eher, wie sich die Technik als zusätzliches pädagogisches Hilfsmittel einsetzen lasse.

Und setze man allein auf digitale Lernformen, seien Lösungen denkbar, die sogar ohne Klassenräume auskommen, nannte Dr. Rupp ein Beispiel. Der Lernort verlagere sich nach außerhalb, die Schüler kämen zu ihren Lehrern zur Beratung in Fachschaftsräume. Und sie ständen online mit ihm und untereinander in Kontakt.

Dass solche Perspektiven nicht nur Euphorie bei erfahrenen Pädagogen hervorrufen, liegt auf der Hand. Bestimmte Sachverhalte, mahnte beispielsweise ein Naturwissenschaftler, seien eben eher als Versuch und durch das damit verbundene Erlebnis begreifbar zu machen. Zu hinterfragen sei auch, wie in solcher Umstieg mit den vorhandenen Lehrplänen zu vereinbaren sei.

Was in welchem Fachbereich vorstellbar sei, war im Anschluss ans Referat Vortragsthema innerhalb des Kollegiums, das letztlich auch zu gewissen Standards finden müsse, wie Dr. Rupp ebenfalls anmahnte. Für die Schüler sei es schwierig, sich innerhalb kurzer Zeit auf eine völlig andere Form des Unterrichts durch verschiedene Lehrer einzustellen, so ihre Erfahrung.

Unterstützung Ehemaliger

Sollte sich das Anne-Frank-Gymnasium für den konsequenten Weg ins digitale Zeitalter entscheiden, ist jedenfalls die Unterstützung Ehemaliger in Sicht. Dr. Dirk Kleine, AFG-Abiturient und Festredner zum 50-jährigen Schuljubiläum, IOC Microsoft Internet-Portale, zeigt sich hochgradig daran interessiert, ein solches Modell in Halver zu etablieren. Und Jörn Müller, bits & bytes, AFG-Abiturient von 1998, sichtet bereits die technischen Voraussetzungen.

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