Elf Tage lang verschwunden

Angsthund vermisst: Frau aus MK schaltet professionelle Hundesucher ein

Fiete, ein ein Jahr alter Labrador-Mischling.
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Fiete, ein ein Jahr alter Labrador-Mischling.

Nur ein kurzer Moment, nur ein Mal nicht geschaut und schon war Fiete weg. Elf Tage lang bangte die Familie um die Hündin und suchte nach ihr.

Halver – Durch einen kleinen Spalt, eine winzige Lücke im Garten am Reiherweg nahm der ein Jahr alte Labrador-Mischling Reißaus. Doch so richtig verschwunden war Fiete nie. Die Hündin wurde immer wieder kurz an verschiedenen Orten gesichtet. Am Ende war sie elf Tage lang weg. Elf Tage lang währte das Abenteuer der schlanken Angsthündin. Es ging durch Halvers Wälder und über die Stadtgrenzen hinaus. Sogar bis nach Breckerfeld verschlug es den sensiblen Hund.

Es war am Vormittag des 17. Juli. „Fiete spielte im Garten in der Nähe des Kaninchengeheges. Ich bin nur kurz ins Hause gegangen. Plötzlich war sie weg”, erinnert sich Anja Willms-Reschke an den den Tag von Fietes Verschwinden und zeigt auf die kleine Lücke im Garten, die durch ein schmales, gut 50 Zentimeter hohes Gitter abgesperrt ist. „Fiete kann springen wie ein Känguru”, erklärt sie, die auf Fiete nur aufpasst.

Fiete ist zu Besuch am Reiherweg. Ursprünglich stammt sie aus Gelsenkirchen. Es ist der Hund des Sohnes von Anja Willms-Reschkes Lebensgefährten. „Der Sohn war auch noch im Kroatien-Urlaub, als Fiete weggelaufen ist”, erzählt sie über die unangenehme Situation. Jeden Tag habe sie mit ihrem Sohn telefoniert.

Wieder zuhause: Nach elf Tagen Reißaus hat Fiete (Mitte) es geschafft. Nun ist sie wieder bei Ginger und Anja Willms-Reschke.

Es liegen Tage voller Anspannung hinter Fietes Pflegemutter. Denn nicht nur der Hund, sondern auch sie waren fast ununterbrochen unterwegs. Hinweise zum Aufenthaltsort von Fiete gab es fast täglich. „Immer wenn es einen Hinweis gab, sind wir los. Das war ziemlich anstrengend und kraftraubend.“ Auch ihr eigener 13-jähriger Hund Ginger half mit beim Suchen. Besonders nervenaufreibend waren die ersten beiden Tage. Fiete wurde noch bis zum 19. Juli, zwei Tage nach ihrem Ausreißen, in der Nähe des Reiherweges gesichtet. Lingerweg, Herpine, Falkenstraße, Lingerweg, Falkenstraße. Der Hund war weg, aber doch in der Nähe. Was die Lage noch verzwickter machte, ist das Verhalten von Angsthunden. Die suchen den Weg nach Hause, werden aber immer wieder durch Menschen oder Autos aufgescheucht und laufen weg.

Am 19. Juli habe der Lebensgefährte, erinnert sich Anja Willms-Reschke, im Garten ein Bellen in der Ferne gehört. „Das ist doch Fiete, hat er gesagt. Wir sind dann sofort mit Ginger los. Vielleicht riecht Fiete ja Ginger, aber keine Spur von Fiete.“

Viel Hilfe aus dem sozialen Netzwerk

Über Facebook hat Willms-Reschke viel kommuniziert, postete eine Vermisstenmeldung. „Es gab unglaublich viel Unterstützung bei der Suche und sehr viel Beistand”, sagt die Halveranerin. Über das Soziale Netzwerk habe es viele Hinweise gegeben.

Am 20. Juli dann die Info: Fiete zog es über Halvers Stadtgrenze hinaus. Als sie um 20 Uhr in Rotthausen auf der Schlittenwiese in Schalksmühle gesichtet wurde, dachte Anja Willms-Reschke nur: „Will Fiete etwa zurück nach Gelsenkirchen? Da ist ja ihr richtiges Zuhause.“ Irgendwie beruhigend gewesen sei, dass Fiete immer wieder gesehen wurde. Aber: „Am meisten Angst hatte ich davor, dass Fiete auf einer Schnellstraße von einem Auto erfasst wird.“ Fast jeden Tag ein neuer Ort, an dem Fiete gesehen wurde: Am 22. Juli um 17 Uhr sah jemand sie an der Asenbach in Schalksmühle. Am 23. Juli klingelte um 7.45 Uhr das Telefon: Fiete halte sich auf einer Terrasse in Wahnscheid auf. Um 14 Uhr wurde sie an einem Maisfeld gesichtet.

Professionelle Hilfe hinzugeholt

Es war der Moment, ab dem Anja Willms-Reschke professionelle Hilfe in Anspruch genommen hat. Sie kontaktierte „Passion4Dogs” aus Ennepetal. Ein Unternehmen, das sich unter anderem auf das Suchen nach Hunden spezialisiert hat. Für Betreiberin Antje Henze war der Fiete-Fall sofort klar. „Fiete will nicht nach Gelsenkirchen. Sie will von ihren Laufrichtungen her wieder zurück zu ihrem Zuhause in Halver.” Die Spezialistin erklärt, dass es Hunde gebe, die pendeln, die geradeaus laufen und Angsthunde wie Fiete, die sich um ihr Zuhause im Kreis herum bewegen. Bei einem Angsthund machten viele Hundehalter den Fehler, ihm panisch hinterher zu laufen, erklärt die Hundeexpertin. Das verschlimmere die Situation nur, weil der Hund dadurch zunehmend verängstigt werde, weglaufe und sich so immer weiter von seiner Heimat entferne.

Bei Fällen wie Fiete sind allerdings auch Antje Henzes Möglichkeiten begrenzt. Da sich Fiete immer nur kurz an den unterschiedlichsten Orten aufhielt, machte weder ein Rausfahren, um zu suchen, noch die Alternative Lebendfalle einen Sinn. Was dann noch blieb an Unterstützung, war eine telefonische Beratung und eine Anfertigung eines professionellen Suchflyers.

Als der Labrador-Mischling am 24. Juli abends an der Zurstraße an der Breckerfelder Stadtgrenze in Richtung Hagen entdeckt wurde, konnte Antje Henze wieder beruhigen, denn es handele sich immer noch um die für Angsthunde spezifischen Laufrichtungen. Am nächsten Tag wurde Fiete an der Zurstraße von einem Jäger gesehen. Darauf den Tag abends in Buschhausen. Am 27. Juli wurde die Hündin auf einer Terrasse am Löhbach in Halver entdeckt.

Der erlösende Anruf

An den 28. Juli wird sich Willms-Reschke immer erinnern. Wieder klingelte das Telefon. „Es wurde ein Hund gesehen, der schlafend auf einer Wiese am Löhbach liegt”, erzählt sie. Aber der Hund war ja noch nicht an der Leine und es stellte sich die Frage, ob es auch wirklich Fiete ist. Sofort ist die Halveranerin zur Wiese gefahren. Von Weitem habe sie Fiete bereits erkannt, sagt sie. Ganz langsam und vorsichtig sei sie auf die schlafende Fiete zugegangen. „Sie hat vor Erschöpfung tief und fest geschlafen. Ich habe mich ganz vorsichtig neben sie gekniet. Und sie sofort angeleint”, erzählt Willms-Reschke. An den Moment als Fiete aufgewacht ist, denkt sie gerne zurück. „Fiete hat sich so sehr gefreut, ist an mir hochgesprungen. Es ist ein Unterschied zu sonst gewesen. Ich habe ihr eine unheimliche Erleichterung angemerkt.“

Bis auf 30 Zecken, einer kleinen Wunde an der Pfote und Abgemagertheit ging es Fiete gut. „Sie hat zuhause erstmal nur geschlafen und gefressen”, blickt Fietes Pflegemutter zurück. Was der sensible Labrador-Mischling alles auf seinem Ausflug erlebte, bleibt für immer sein Geheimnis. Der Trip hat Spuren hinterlassen. Verändert hat sich die Hündin vom Wesen her. „Sie ist ruhiger geworden und geht besser an der Leine“, sagt Anja Willms-Reschke.

Ein streunender Hund war vor Kurzem auch Thema im benachbarten Schalksmühle.

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