Anfrage der SPD

Handlungsbedarf: Hausärzte in Halver und Schalksmühle oft im Seniorenalter

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Halver und Schalksmühle stehen derzeit im Förderverzeichnis der KVWL.

Halver/Schalksmühle - Der Mangel offenbart sich an vielen Stellen, wenn es um Personal geht: Industrie und Handwerk suchen händeringend nach Fachkräften, Gesundheitsministerium und Kassenärztliche Vereinigung sorgen sich um den Nachwuchs bei Hausärzten.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Gordan Dudas wollte es mit einer Anfrage im Landtag ganz genau wissen. Das Ergebnis ist – für den Augenblick – gar nicht schlecht. Ein hoher Altersdurchschnitt von derzeit etwa 55 Jahren und damit eine Vielzahl von Ärzten, die vor der Rente stehen, treibt gerade in ländlichen Regionen und kleinen Kommunen Politik und Patienten tiefe Sorgenfalten in die Stirn. 

Die Prognose des NRW-Gesundheitsministeriums trägt nicht zur Entspannung bei: „Mit dem Ruhestandsbeginn der geburtenstarken Jahrgänge wird sich diese Entwicklung noch verschärfen.“ Doch für den Märkischen Kreis ist die Entwicklung recht positiv.

Unter 75 Prozent ist es eine Unterversorgung 

Wie viele Ärzte für eine Stadt, einen Kreis oder eine Region benötigt werden, legt die kassenärztliche Bedarfsplanung fest. Durch sie soll eine ausreichende Versorgung mit niedergelassenen Ärzten gewährleistet werden. Stimmt die Relation von Arzt und Einwohnern mit der gesetzlichen Vorgabe (Messzahl), so beträgt der Versorgungsgrad exakt 100 Prozent. 

Sinkt der Grad unter 75 Prozent, liegt eine Unterversorgung vor, ab einem Versorgungsgrad von 110 Prozent sprechen die Fachleute von einer Überversorgung und sperren den Bereich für weitere Neuzulassungen. 

Der Märkische Kreis gliedert sich in die Mittelbereiche Altena (mit Nachrodt-Wiblingwerde), Hemer, Iserlohn, Lüdenscheid (mit Herscheid, Schalksmühle und Halver), Meinerzhagen-Kierspe, Menden (mit Balve), Plettenberg und Werdohl (mit Neuenrade). 

Hausärzte, die sich im Fördergebiet niederlassen wollen, können mit Unterstützung der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe rechnen.

Altena liegt heute bei 78,1 Prozent (72,2 Prozent in 2013), Hemer ist auf 88 Prozent (100) leicht zurückgefallen, Iserlohn nimmt mit 105 Prozent (111,7) noch immer einen hohen Stellenwert ein, Lüdenscheid kommt auf 95,9 Prozent (100), Meinerzhagen und Kierspe haben sich mit 81,7 Prozent (75,8) leicht verbessert, während Menden 92,1 Prozent (101) leicht abrutschte. Spitzenreiter bleibt Plettenberg mit 116 Prozent (114), während Werdohl 85,4 Prozent ausweist und leicht verliert (89,3). 

In die Unterversorgung rutscht nach der jüngsten Erhebung aus Mai damit kein Bereich mehr. „Wir haben jetzt ein zartes Blümchen mit einer positiven Entwicklung“, kommentierte Dudas das Zahlenwerk. „Aber wir können die ganze Region auch nicht über einen Kamm scheren.“ Deshalb müsse die Politik weiter am Ball bleiben. 

„Wir nehmen die Zahlen mit in den SPD-Arbeitskreis Arbeit, Gesundheit und Soziales.“ Dudas ist Mitglied dieses Gremiums. Fest steht für ihn bereits heute: „Wir können uns angesichts des demografischen Wandels nicht zurücklehnen. Viele ältere Ärzte werden sich in den nächsten Jahren zurückziehen.“ Deshalb sei es wichtig, weitere Anreize für junge Mediziner zu bieten.“ 

Deutlicher Handlungsbedarf

Ein Blick auf die von der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) veröffentlichten Altersstruktur macht den Handlungsbedarf deutlich. Der Bereich Lüdenscheid mit unter anderem Halver und Schalksmühle weist beispielsweise nur wenig junge Hausärzte aus. Von den 64 Medizinern sind nur jeweils 1,6 Prozent unter 35 beziehungsweise unter 40 Jahre alt. 

Dann geht es sprunghaft nach oben: Knapp 22 Prozent liegen zwischen 55 bis 59 Jahren, 23,4 Prozent sind zwischen 60 und 64, ein Viertel hat die 65 Jahre bereits überschritten. Mit 7,8 Prozent ist die Riege der über 70-Jährigen fast so stark wie die gesamte Gruppe der unter 44-Jährigen. 

In Hemer (18 Hausärzte) wird erst ab 50 praktiziert. Ohne die Senioren im weißen Kittel sähe es für den Märkischen Kreis ziemlich düster mit der Versorgungsquote aus. Die über 70-Jährigen sind in weiten Bereichen die Stütze für ihre Patienten. Von den 16 Hausärzten in Werdohl haben fast 44 Prozent das Rentenalter schon lange erreicht. Eine Altersbegrenzung gibt es – zum Glück für die Patienten – bislang nicht. 

Trotzdem ist die KVWL alarmiert. „Im Märkischen Kreis werden in den nächsten Jahren einige Hausärzte in den Ruhestand gehen. Die Suche nach einem Praxisnachfolger könnte sich angesichts der angespannten Nachwuchssituation allerdings schwierig gestalten“, erklärte KVWL-Sprecherin Vanessa Pudlo. 

Deshalb habe die Vereinigung zwei Maßnahmen auf den Weg gebracht. Das Förderverzeichnis diene dabei als Frühwarnsystem. Meinerzhagen, Kierspe, Halver, Schalksmühle, Neuenrade und Werdohl stehen derzeit im Katalog. Ärzte, die sich im betroffenen Versorgungsgebiet niederlassen wollen, können auf Antrag Darlehen zum Praxisaufbau- und zur -übernahme stellen oder erhalten Beihilfen für Umzugs- und Einrichtungskosten. 

„Nach der Theorie kommt die Praxis“ 

Die Nachwuchskampagne „Praxisstart“ bündele Informations- und Beratungsleistungen der KVWL. „Unter dem Motto ‘Nach der Theorie kommt die Praxis’ suchen beispielsweise unsere Experten regelmäßig den Austausch mit Medizinstudenten, um sie über die beruflichen Perspektiven im ambulanten Sektor, über die Fragen zur Niederlassung und über die Fördermöglichkeiten zu informieren.“ Interesse sei jedenfalls vorhanden.

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