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Besonderer Innovationspreis: Unternehmen im MK nutzt Fehler

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Von: Florian Hesse

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Anfangs skeptisch, jetzt mit dabei: das Team des Pflegedienstes „In guten Händen“.
Anfangs skeptisch, jetzt mit dabei: das Team des Pflegedienstes „In guten Händen“. © Melanie Hedtfeld

Beim Pflegedienst „In guten Händen“ gibt es Süßigkeiten, wenn bei der Arbeit schon mal was schiefgeht.

Halver - „Vielen Dank für deinen bösen Patzer!“ So steht es auf der Urkunde für den Monat August. Oder: „Danke für das Aufzeigen defizitärer Organisationsstrukturen.“ Der „Fehler des Monats“ wird seit Jahresbeginn ausgezeichnet beim Halveraner Pflegedienst „In guten Händen“. Neben der Urkunde gibt’s einen kleinen Wanderpokal und Schokolade für den Patzer.

Und weil jedem Fehler passieren können, wird man demnächst auch zusammen feiern. 3000 Euro sind im Topf. Die Hüpfburg ist im Programm gesetzt, allein schon deshalb, weil viele der 22 Kolleginnen und Kollegen im Pflegedienst schließlich Kinder haben. Der Wunsch der Mitarbeiter: ein gemeinsames Fest zusammen mit den Angehörigen.

Die 3000 Euro hat Chefin Melanie Hedtfeld Mitte der Woche aus Dortmund mitgebracht. Mit diesem Geld war der Innovationspreis des Vincentz-Verlages dotiert. Die Idee der neuartigen innerbetrieblichen Fehlerkultur empfand die Jury als wegweisend und übertragbar auf alle Pflegedienste, die sich bundesweit über das Vincentz-Netzwerk mit fachlichem Know-how versorgen.

Melanie Hedtfeld, Halver
Melanie Hedtfeld, Pflegedienst in guten Händen. © Florian Hesse

Die Grundidee ist eine völlige Abkehr von der vielfach immer noch gelebten Unternehmenskultur, einen Schuldigen zu finden und ihn durch Chefin oder Chef anschließend zusammenzufalten. Melanie Hedtfeld ist hingegen dabei, das ins Gegenteil zu verkehren, und das Team macht nach anfänglicher Skepsis auch mit.

„Fehler sind Chancen, alles klüger zu machen“, ist ihre Überlegung. Und seit Jahresbeginn schreibt jeder, der irgendeinen Bock geschossen hat, auf, was in der Praxis schiefgelaufen ist und woran es gelegen haben könnte. Und dann wird persönlich darüber gesprochen – und aus dem Fehler abgeleitet, wie man ihn künftig ausschließen könnte. Ausgesucht für den Fehler des Monats wird übrigens der, aus dem man am meisten lernen kann.

Die Ursache von Fehlern lässt sich meist zurückverfolgen bis auf die Leitungsebene.

Melanie Hedtfeld Pflegedienst „In guten Händen“

Und am meisten lernt offenbar die Chefin selbst, die sich übrigens auch in der Reihe der bisherigen „Preisträger“ finden lässt. „Die Ursache von Fehlern lässt sich meist zurückverfolgen bis auf die Leitungsebene“, hat sie in den vergangenen Monaten aus den Gesprächen mitgenommen.

Das Einarbeitungsmanagement beispielsweise fällt wesentlich in ihre Verantwortlichkeit. „Ich dachte, wir wären da schon sehr gut aufgestellt, aber da müssen wir noch besser werden“, sagt sie. Ganz umsonst, hat sie gemerkt, gibt es die neue Unternehmenskultur also nicht: „Das ist zeit- und arbeitsintensiv.“

Am Ende sollen aber alle davon profitieren. Das gilt für das Unternehmen, aber auch die Kolleginnen und Kollegen, die an manche Dinge bewusster herangehen. „Ich merke eine erhöhte Fehlersensibilität“, sagt Melanie Hedtfeld, die mit ihrer Präsentation demnächst in Würzburg und in Berlin auf Pflegemessen unterwegs sein wird, um das prämierte Konzept vorzustellen. Das müsse auch nicht unbedingt auf Pflegedienste beschränkt sein, hat sie längst überlegt.

Vier Schritte zum Ziel

Fehler, Missetat, Patzer, Malheur, Fauxpas beschreiben

Wer hat ihn begangen? Weißt Du warum? Was hat dazu geführt?

Folgen & Konsequenzen des Fehlers – auch: Was hätte passieren können?

Was lernen wir daraus? Was können wir in Zukunft besser machen?

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