Andy Nölling ist Veganer aus Überzeugung: „Weiß, was ich esse“

Ein Leben ohne Fleisch und tierische Produkte: Für Andy Nölling kein Problem. Allerdings: „Wer nicht kochen kann, wird Schwierigkeiten haben, als Veganer zu leben“, sagt der 27-Jährige. ▪

HALVER ▪ Seit rund sechs Jahren hat er nach eigener Aussage weder Fleisch noch tierische Produkte zu sich genommen. Und auch kein Verlangen danach. Aus ethischen und politischen Gründen. Und weil er der Meinung ist, dass der Mensch problemlos und ohne negative Folgen für die Gesundheit auf den Verzehr von Fleisch und Tierprodukten verzichten kann. Andy Nölling ist Veganer. Aus Überzeugung.

„Ich bin gegen Massentierhaltung und möchte nicht, dass ein Tier wegen mir leiden oder sterben muss“, sagt der 27-Jährige. Und das gilt nicht nur für Nahrungsmittel. Auch bei Dingen des täglichen Bedarfs wie Zahnpasta, Mundspülung, Duschgel und Kleidung achtet Nölling darauf, dass diese keinerlei tierische Produkte enthalten. Auch seine Schuhe sind vegan, hergestellt ohne Leder und ohne Verwendung tierischer Fette für das Gummi der Sohlen.

„Zum Glück hat sich viel getan bei den Herstellern, die auch vegane Produkte herstellen und diese entsprechend kennzeichnen, etwa Sojaschnitzel. Außerdem gibt es ja mittlerweile auch mehr Supermärkte, die rein vegane Ware anbieten“, sagt Nölling – und grinst, als er sich an seine ersten Einkaufstouren im Supermarkt als Veganer erinnert. „Ich bin damals mit einem Ratgeber durch die Gänge gestreift, habe alles kontrolliert. Da hat es auch schon mal anderthalb Stunden gedauert, bis der Einkaufswagen voll war.“

Nach Gesprächen mit Vegetariern und Veganern habe sich der selbstständige Musikproduzent vor sechs Jahren entschlossen, komplett auf Fleisch und tierische Produkte zu verzichten. „Eigenverantwortlichkeit ist wichtig, denn man muss viel nachlesen und sich informieren, um wirklich vegan leben zu können“, erzählt der Halveraner. Regelmäßig lese er Bücher zum Thema, durchforste das Internet nach Informationen und tausche sich mit Gleichgesinnten aus.

Nach sechs Jahren wisse er mittlerweile, was er bedenkenlos kaufen könne. Und doch kontrolliert Nölling neue Produkte stets auf tierische Inhaltsstoffe. „Salz und Zucker dürfen beispielsweise nicht raffiniert, also bearbeitet sein, weil sie mit Tierknochen gemahlen werden. Wein und Säfte werden häufig durch Gelatine gefiltert, die kommen natürlich auch nicht in Frage“, erklärt Nölling, der auch keine Geschmacksverstärker wie Glu- tamat in seinen Lebensmitteln haben will. „Fertiggerichte kommen also für mich auch nicht in Frage“.

Schnitzel und Gyros als veganer Fleischersatz

Um seinen Lebensstil aufrecht erhalten zu können, verbringt der Halveraner viel Zeit in der Küche. „Klar, es ist ein Mehraufwand“, sagt Nölling, „aber ich koche gerne selbst, weil ich so genau weiß, was ich esse.“ Und wer Fleisch frisch zubereite, stehe ebenfalls lange in der Küche.

Den Geschmack oder die Konsistenz von Fleisch vermisse er nicht. „Mit Seitan und Soja kann man richtig leckere vegane Ersatzlösungen, zum Beispiel Schnitzel oder Gyros, herstellen. Da braucht man kein Fleisch mehr und muss sich nicht nur von Obst, Salat und Gemüse ernähren“, erklärt Nölling – und betont, mit seinen Kochkünsten „auch die überzeugten Fleischesser“ aus seinem Freundeskreis das eine oder andere Mal positiv überrascht zu haben.

Auch für den Fetthaushalt des Körpers sei vegane Ernährung von Vorteil, weil keine überschüssigen Fette gespeichert würden. „Ich habe 20 Kilo abgenommen seit damals“, sagt Nölling, der sich regelmäßig beim Arzt einem Gesundheits-Check unterziehe, um sich auf etwaige Mangelerscheinungen untersuchen zu lassen. Ergebnis: „Alles Fehlanzeige. Mein Arzt bescheinigt mir, dass ich hundertprozentig gesund bin.“ Was seine Überzeugung zusätzlich stärkt. ▪ Sven Prillwitz

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