Streit um Leasing-Kühe: Landwirt verurteilt

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Halver - Es gibt Kühe als Leasing-Objekte – vergleichbar mit Autos, Traktoren oder Industriemaschinen. In diese Welt besonderer Formen der Kreditvergabe führte am Donnerstag ein Strafprozess im Amtsgericht Lüdenscheid umfassend ein.

Weil er nach Auffassung des Schöffengerichts die Eigentumsrechte seines Leasing-Gebers nicht angemessen berücksichtigt und über tote oder zu schlachtende Kühe wie über seine eigenen verfügt hatte, wurde ein Landwirt aus Halver zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 25 Euro verurteilt. „Veruntreuende Unterschlagung in 16 Fällen“, so der Vorwurf. Die Motive für das Leasing-Geschäft erläuterte der Angeklagte am Rande der Verhandlung: Weil Kreditgeber zwar die Anschaffung von Ställen, Maschinen und landwirtschaftlichen Flächen finanzieren, nicht aber den Kauf zusätzlicher Milchkühe, habe er zum Finanzierungsmodell „Leasing“ gegriffen: Der Landwirt ersteigerte die Tiere, und der Leasinggeber aus Wismar bezahlte die 90 Kühe, die der Landwirt nun zurückmietete.

Vergebliche Rettungsaktion

Als er die Leasing-Raten nicht mehr bezahlen konnte, versuchte ein Mitarbeiter des Unternehmens, Möglichkeiten zur Rettung des Kunden auszuloten. Als diese scheiterten, kündigte das Unternehmen den Vertrag und ließ 44 noch transportfähige Tiere abholen. Schon der Versuch, die noch lebenden Leasing-Tiere in der großen Herde zu identifizieren, erwies sich als schwierig. Der Viehhändler, der noch 44 transportfähige Tiere abholte, zeigte sich vor Gericht skeptisch, ob es dieselben waren, die er vor zwei Jahren angeliefert hatte. Die Kühe seien in schlechtem Zustand gewesen, so als hätten die elendsten Tiere ihre Ohren und Erkennungsmarken mit den geleasten Kühen getauscht.

Unrechtmäßige Einnahmen

Dass die Leasing-Verträge des Finanzdienstleisters für Autos, weniger aber für Kühe taugten, machte die Aussage des Firmenkundenbetreuers deutlich: „Um ein kaputtes Auto muss sich auch der Leasing-Nehmer kümmern.“ Eine kaputte Kuh ist allerdings meistens irreparabel geschädigt und nicht vollkaskoversichert. Der Landwirt kümmerte sich deshalb tatsächlich und ging mit den geleasten Tieren nicht anders um als mit seinen eigenen: „Ich habe die Erfahrung, wann eine Kuh nicht mehr auf die Beine kommt.“ Zehn geleaste Kühe verstarben, 24 ließ er schlachten und vereinnahmte das dafür gezahlte Geld – ohne Rücksprache mit den Eigentümern. „Zu Unrecht“, befand das Gericht, das den Schaden vorsichtig auf etwa 8000 Euro schätzte.

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