Amtsgericht: Freispruch für werdende Eltern

- Symbolbild

Halver - Die aktuelle Erfahrung des Pärchens könnte lauten: Manchmal ist es schon ein Kreuz mit diesen Polizisten! Erst sollen sie den Opfern eines Einbruchs beistehen, dann entdecken sie vermeintliche Widersprüche und zeigen diejenigen an, die sie um Hilfe angerufen haben.

Der Vorwurf gegen den Arbeiter (34) und seine hochschwangere Lebensgefährtin (35) lautet auf Vortäuschen einer Straftat. Darauf stehen bis zu drei Jahre Gefängnis.

Die Geschichte klingt simpel. Der Mann kommt am 18. Juni nachmittags nach Hause und findet die Haus- und die Wohnungstür offen vor. Er alarmiert den betagten Hausmeister und bittet ihn, besser mal mit nach oben zu kommen. Doch in der Wohnung ist niemand. „Alle Türen waren zu, die Schränke standen offen“, sagt der Angeklagte.

Der Hausmeister empfiehlt dem Mieter, abends die Freundin zu fragen und dann bei Bedarf die Polizei zu alarmieren. Die Frau, eine brave Verkäuferin, erinnert sich, in der Mittagspause kurz zu Hause gewesen zu sein. „Als ich wieder zur Arbeit musste, habe ich die Wohnungstür hinter mir zugezogen.“ Am Abend fehlen 250 Euro aus einem Schrank, TV-Gerät und Laptop sind aber noch vorhanden.

Im Zeugenstand sitzt eine Polizistin (36). Sie entschuldigt sich bei Strafrichter Thomas Kabus für „meinen etwas mangelhaften Anzeigentext“, aber sie könne sich noch gut erinnern. „Die Wohnung war aufgeräumt, alles chic, nix durchwühlt.“ Das kenne sie nach Einbrüchen anders, so die Beamtin. „Und dann wurde es ein bisschen merkwürdig.“ Schränke offen, Schränke zu – das Pärchen habe sich gegenseitig widersprochen. Ihr Kollege nennt das Verhalten der werdenden Eltern „völlig suspekt“.

Amtsanwältin Martina Herzig ist skeptisch. Sie fragt, ob eine Versicherung bezahlt habe. Die Angeklagte sagt: „Wenn man uns schon nicht glaubt, dann renne ich doch nicht zur Versicherung.“ Herzig sieht „keine Anhaltspunkte dafür, dass alles erstunken und erlogen ist“, äußert „gravierende Zweifel“ an der Schuld der beiden und beantragt einen Freispruch. So entscheidet Richter Kabus. Die beiden Polizisten rollen mit den Augen und verlassen den Gerichtssaal. - von Olaf Moos

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