Krebse sind "eine Art Pest"

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Der Amerikanische Signalkrebs ist bei den Anglern nicht willkommen.

Halver - Die meisten Menschen werden sie kaum zu Gesicht bekommen. Dabei sind sie offenbar überall: die amerikanischen Krebse.

Für Fischzüchter und Angler sind die Krebse in unseren Gewässern inzwischen eine Selbstverständlichkeit. „Es ist eine Art Pest“, sagt Arno Trommer, der selbst angelt und Sportfischer ausbildet, über die Bewohner der Bachläufe und Teiche: „Volme, Hälver, Ennepe – einfach überall.“

Von einem vereinzelten Auftreten kann längst keine Rede mehr sein. Rund 5000 Exemplare hat der frühere Pächter eines Bachlaufs nach eigenen Angaben in einem Jahr gefangen. Gefährdet oder gar geschützt sind der Amerikanische Signalkrebs und der Kamberkrebs – ebenfalls aus den USA nach Deutschland importiert – ohnehin nicht. Im Gegenteil: Am liebsten wäre man sie los.

Doch das wird kaum klappen. Die Neozoen, also Tiere, die in eine fremde Umgebung eingeschleppt wurden, sind Überlebenskünstler. Als „pfeilschnell“ beschreibt sie Trommer. Als Nahrung dient ihnen Aas, und so fungieren sie im positiven Sinne als eine Art Gewässerpolizei. Doch sie sind zugleich nicht wählerisch. Kleine Fische und Fischbrut werden auch nicht verschmäht, was sie unter Anglern ziemlich unbeliebt macht.

Einheimischer Krebs ist gefährdet  

Ein Problem sind sie aber noch mehr für die heimischen Krebsarten. Der europäische Edelkrebs hat gegen die Konkurrenz keine Chance, die die sogenannte Krebspest mitgebracht hat und sie überträgt. Kamber- wie auch der Signalkrebs hingegen sind immun gegen die Krankheit. So gilt der einheimische Krebs weltweit als gefährdet und in Deutschland als vom Aussterben bedroht. 

Krebse sind Aasfresser. Gefangen werden sie in Reusen.

Als Rückzugsorte in der Nähe gelten noch die Jubach- und die Fürwigge-Talsperre, in der der Ruhrverband offenbar erfolgreich im Oktober 2017 rund 2000 Tiere eingesetzt hat. 40 Exemplare konnten im Folgejahr noch sicher nachgewiesen werden. Ob sie sich dauerhaft halten können, muss die Zukunft zeigen. Denn die amerikanische Konkurrenz ist auch noch gut zu Fuß. Bis zu zwei Kilometer geht es zur Not durchs Gelände in den nächsten Bach oder Weiher. 

Lecker aus der Pfanne 

Auch der Kiersper Fischzüchter Torsten Scheider kennt die Problematik von Berufs wegen. Er hat die Krebse in seinen Teichen im Wehetal. An den normalen Fischbestand geht der Krebs nicht ran. Und in einem Teich hält Scheider Störe. Der Teich ist krebsfrei, hat er beobachtet. Nach der Häutung seien die Krebse weich – und lecker für den Stör, so seine Vermutung. 

Dass man die amerikanischen Invasoren jemals los wird, halten die Fachleute für unwahrscheinlich. Eine positive Seite können sie den Tieren allerdings abgewinnen. Trommer schwört auf Rührei mit Krebsfleisch, Scheider mag sie an Dillsauce.

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