Ambulante Dienste verärgert über schlechte Pflegenoten

HALVER - Mit schlechten Bewertungen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) sehen sich die beiden heimischen ambulanten Pflegedienste konfrontiert. Die Diakoniestation Halver-Schalksmühle und der Pflegedienst „In guten Händen“ erhielten im Teilbereich „Pflegerische Leistungen“ eine glatte 5,0 – mangelhaft.

Doch diese Note, so betonen die Leitungen beider Einrichtungen, habe mit der tatsächlichen Pflegequalität nichts zu tun.

Seit rund zwei Jahren können interessierte Bürger im Internet die Benotungen der Pflegedienstleister recherchieren. Der MDK veröffentlicht seine Transparenzberichte jährlich unter der Internetadresse www.pflegelotse.de. Doch wirklich bekannt ist dieser Service nicht. Was einige Anbieter wohl kaum bedauern dürften – nämlich genau dann, wenn ihre Benotung fernab des Landesdurchschnitts liegt. Wie etwa bei den beiden heimischen Unternehmen, die mit einer Gesamtnote von 3,8 (Diakoniestation) beziehungsweise 4,0 („In guten Händen“) weit unter dem offiziellen NRW-Durchschnitt von 1,6 liegen. Jedoch hagelt es von Seiten der Halveraner Einrichtungen Kritik am Prüfdienst und an dessen Richtlinien. Die Benotung, so heißt es, würde sich zu sehr an der Dokumentation, weniger an der Pflege orientieren.

Auch die stationären Einrichtungen werden jährlich geprüft (das Haus Waldfrieden erhielt aktuell eine 1,0). Wir berichten, sobald auch für das Seniorenzentrum Bethanien eine aktuelle Bewertung vorliegt.

„Das System ist einfach falsch. Wer, wie wir, sehr gut pflegt, aber schlecht dokumentiert, bekommt eine schlechte Note. Wer aber schlecht pflegt und dabei sehr gut dokumentiert, erhält eine gute“, ärgert sich Susanne Friebe, Pflegedienstleiterin der Diakoniestation Halver-Schalksmühle, über die Transparenzberichte. Und auch Erika Hedtfeld, Inhaberin von „In guten Händen“, hält von der Bewertung nichts: „Ja, bei uns hapert es vielleicht an der Dokumentation – denn wir ziehen den Patienten vor!“ Wie Susanne Friebe hält Hedtfeld nicht nur den Schwerpunkt der Prüfkriterien für falsch, sondern auch einzelne Anforderungen, die im ambulanten Pflegedienst nicht realisierbar seien. „Wenn man etwa eine feste Bezugspflegeperson für eine bestimmte Gruppe von Klienten verlangt, geht das bei einem 24-Stunden-Dienst einfach nicht. Keiner will 24 Stunden am Stück arbeiten, Arbeitnehmer werden krank oder haben Urlaub – das ist nun einmal so.“

Allerdings spielen bei der Gesamtnote nicht nur die „pflegerischen Leistungen“ eine Rolle, sondern auch „ärztlich verordnete Leistungen“. In diesem Bereich schnitten Diakonie (2,5) und „In guten Händen“ (1,4) weitaus besser ab, wenn auch hier Kritik von Seiten der Dienstleister geübt wird. Erneut im Fokus: die Dokumentation. „Wenn ein Arzt etwa ein Medikament verschreibt, muss er das auch in unseren Unterlagen dokumentieren“, erklärt Susanne Friebe.

Komplettiert wird die Benotung durch den Bereich „Dienstleistung und Organisation“, für die die Diakoniestation eine 2,3 und „In guten Händen“ eine 3,4 erhielt. Im Gesamtergebnis nicht berücksichtigt ist jedoch das jeweilige Ergebnis der Kundenbefragung: Dort schnitten beide Halveraner Einrichtungen weitaus besser ab, als es das Protokoll des MDK wiedergab. Die Diakoniestation bekam von den Kunden eine 1,5, der Pflegedienst „In guten Händen“ eine 1,3. Doch selbst diese gute Benotung hält Susanne Friebe für wenig aussagekräftig – wenn etwa Demenzkranke ohne Begleitperson zu Dingen befragt werden, an die sie sich schlichtweg nicht mehr erinnern können.

Dennoch: Der nächste Prüftermin steht noch in diesem Jahr an. Bis dahin hofft Susanne Friebe, den Bedürfnissen des MDK gerechter zu werden und mit einer besseren Benotung abzuschneiden. Dass man den Bedürfnissen der Kunden jedoch bereits jetzt gerecht wird, steht sowohl für sie als auch für Erika Hedtfeld fest.

Frank Zacharias

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