Planungsausschuss in Halver diskutiert Schillerstein und Herksiepe

Bauchweh bei neuen Baugebieten

Am Ende des Linger Weges könnten zwei neue Baugebiete entstehen.
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Am Ende des Linger Weges könnten zwei neue Baugebiete entstehen.

Es war eine intensive Diskussion und eine sachliche. Und am Ende stand sogar der Beschluss, für die potenziellen Neubaugebiete Schillerstein und Herksiepe bis zur nächsten Sitzung des Ausschusses für Planung und Umwelt ein erstes Erschließungskonzept vorzulegen. Doch diesen Beschluss machte sich der Fachausschuss am Dienstagabend nicht leicht.

Halver - Hatte der Rat anfangs stets einstimmig und per Dringlichkeitsbeschluss für den Erwerb der Flächen gestimmt, um sie im beschleunigten Verfahren für Wohnbebauung entwickeln zu können, sah die Stimmungslage im Fachausschuss deutlich anders aus: Fünf Ja-Stimmen von CDU, UWG und FDP standen sechs Enthaltungen der SPD und der Grünen-Fraktion gegenüber. Eine klare Nein-Stimme kam ebenfalls noch von den Grünen.

Bedenken gegen die rasante Entwicklung der 1 bis 1,5 Hektar großen Flächen speisen sich wesentlich aus ökologischen Erwägungen. „Wir haben gerade das Klimaschutzkonzept mit einem hohen Stellenwert versehen“, sagte Grünen-Ratsherr Uwe Leinung. Die reine Nachfrage nach Einfamilienhäusern dürfe nicht allein Entscheidungshilfe für die Politik sein, stellte er fest. Noch klarer wurde seine Fraktionskollegin Sina Löschke. „Jeder Quadratmeter, der nicht bebaut ist, ist wertvoll“, begründete die Sachkundige Bürgerin ihre Ablehnung. Dass vorherige Generationen mit großen Flächen für Häuser und Wohnungen hätten planen dürfen, könne als Argument für die Zukunft nicht gelten.

Fragen zur Infrastruktur

Reicht die verkehrliche Infrastruktur aus, sind Argumente und Bedenken der alteingesessenen Anwohner ausreichend gewürdigt – das waren unter anderem die Überlegungen, die Astrid Becker und Martin Kastner für die SPD in die Debatte einbrachten. „Wir brauchen nicht nur Grundstücke für Einfamilienhäuser“, merkte der SPD-Fraktionschef an, der zudem Bedenken hegt, nun beide Gebiete quasi parallel zu entwickeln.

„Wir müssen den Markt entspannen“, sagte hingegen Benedikt Haake (UWG) und auch Sascha Gerhardt (FDP) sah in Halver „Potenzial für beides“. „Wenn wir das hier ablehnen, kriegen wir trotzdem keine einzige Geschosswohnung mehr“, hielt seitens der CDU auch Andreas Hesse dagegen. Und der Ausschuss werde bei der Ausführungsplanung sehr genau hinschauen, was die Auswirkungen für die bisherigen Anwohner angehe, die sich ebenfalls zu Wort melden konnten.

Einblick in Gutachten

Die Betroffenen würden Einblicke in ein Grundwasser-Gutachten erhalten, sicherte ihnen Kämmerer Markus Tempelmann zu – auf ihre Nachfrage, ob angesichts zu erwartender versiegelter Flächen nicht ihre Brunnen trockenfallen würden. Und es werde auch ein Verkehrsgutachten erstellt, um die zusätzliche Belastung durch die zusätzlichen Wohneinheiten an Falkenstraße und Linger Weg einschätzen zu können.

Ungebrochene Nachfrage

Viel grundsätzlicher wurde Tempelmann aber an anderer Stelle. Die Nachfrage nach Baugrund sei so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr. Aktuelle Studien gingen von einem zusätzlichen Bedarf in NRW von 51 000 Wohnungen jährlich aus. Das bedeute für Halver, weiterhin eine dynamische Stadt bleiben zu können und als Zuzugsstadt junge Familien an Halver binden zu können. Wenn dies gelinge, sei damit auch die Auslastung von Infrastruktur und beispielsweise Schulen gesichert, deren Kosten beim Schrumpfen der Bevölkerung auf weniger Schultern verteilt werden müssten. Die Ausweisung von ausreichend Wohnraum bedeute in dieser Hinsicht ebenfalls „Nachhaltigkeit“, argumentierte der Kämmerer, der auch die finanziellen Interessen der Stadt selbst nicht verhehlte. Auch der direkte finanzielle Aspekt spiele bei der Vermarktung eine Rolle. Angesichts der schwierigen Finanzsituation in der derzeitigen Corona-Krise bedeuteten die Grundstücksgeschäfte einen Beitrag zum Ausgleich des Haushalts.

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