Die raue Welt der Paketzusteller

Ein 39-Jähriger muss sich derzeit wegen Betruges und Urkundenfälschung vor dem Altenaer Amtsgericht verantworten.

HALVER ▪ Tiefe Einblicke in die raue Welt der Paketzusteller gewährte Dienstag eine Gerichtsverhandlung, in der sich ein 39-jähriger Kleinunternehmer aus Altena vor dem dortigen Amtsgericht wegen Betruges und Urkundenfälschung verantworten musste.

Der Vorwurf: Als Subunternehmer der Hagener Filiale eines Paketzustellers sollte er einem 22-jährigen Mitarbeiter aus Halver den Arbeitslohn vorenthalten und eine Erklärung gefälscht haben, in der dieser angeblich zugesichert hatte, die Anzeige gegen seinen Chef zurückzuziehen.

Der Angeklagte versicherte, dass diese Erklärung tatsächlich von seinem Mitarbeiter unterschrieben worden sei, und behauptete, dem Auslieferungsfahrer für dessen Tätigkeit in Halver und Oberbrügge zwischen dem 22. September und 31. Oktober 2011 400 Euro in bar übergeben zu haben – leider ohne Quittung. Das Angebot des Staatsanwaltes, das Verfahren wegen Betruges einzustellen und mit einer Geldstrafe wegen der Urkundenfälschung davonzukommen, wies der Angeklagte zurück. Er warf dem Zeugen, der nicht im Besitz einer Fahrerlaubnis gewesen war, seinerseits vor, ihn getäuscht zu haben. 500 Euro Geldstrafe hatte der Subunternehmer zahlen müssen, weil er nicht kontrolliert hatte, ob sein zukünftiger Mitarbeiter überhaupt im Besitz einer Fahrerlaubnis war.

Weil der Aussage des mutmaßlich geschädigten Fahrers besondere Bedeutung zukam, kündigte ihm der Staatsanwalt die mögliche Vereidigung an, die den Strafrahmen bei einer Falschaussage auf mindestens ein Jahr hochschraubt. Der Zeuge zeigte sich davon unbeeindruckt und versicherte, das fragliche Schriftstück zum ersten Mal bei der Hagener Staatsanwaltschaft gesehen zu haben. „Es waren noch mehrere Auslieferungsfahrer, die kein Geld bekommen haben“, versicherte der Halveraner. Der Subunternehmer habe etwa 3000 Euro von dem Paketunternehmen zur Auszahlung an die Auslieferungsfahrer bekommen, diese aber nicht weitergeleitet. „Nächste Woche“, habe der 39-Jährige immer wieder gesagt. „Die Fahrer eines anderen Subunternehmers haben gestreikt.“

Auf der Grundlage eines graphologischen Gutachtens über die Herkunft der strittigen Unterschrift soll die Verhandlung fortgesetzt werden. Bis dieses vorliegt, setzte Richter Dirk Reckschmidt die Verhandlung aus. Von Thomas Krumm

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare