Wandel im Bistum

Sandra Schnell leitet bald eine Pfarrei und spricht über Maria 2.0

Gemeindereferentin Sandra Schnell wechselt nach Altena. Das Bild entstand an ihrem aktuellen Arbeitsort in der Pfarrei Christus König noch vor Corona.
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Gemeindereferentin Sandra Schnell wechselt nach Altena. Das Bild entstand an ihrem aktuellen Arbeitsort in der Pfarrei Christus König noch vor Corona.

Halveranerin Sandra Schnell schreibt Kirchengeschichte. Als erste Frau wird die Gemeindereferentin der Pfarrei Christus König Pfarrbeauftragte im Bistum Essen und leitet die Pfarrei St. Matthäus in Altena und Nachrodt-Wiblingwerde. Über diesen Werdegang und Maria 2.0 spricht Ursula Dettlaff-Rietz mit Sandra Schnell.

Wann haben Sie von Ihrer Berufung erfahren?
Das ging alles innerhalb weniger Tage. Ich habe ja das Bewerberverfahren durchlaufen. Es gab mehrere Bewerberinnen. Am 11. Januar war der Tag der pastoralen Dienste. Da wurde verkündet, dass es die Stelle in Altena geben soll. Sie wurde Anfang Februar ausgeschrieben. Die Bewerbungsfrist lief bis zum 17. Februar, am 24. Februar war das Bewerbungsgespräch und am 26. Februar bekam ich mittags telefonisch die Zusage.
Als erste Frau im Bistum eine Gemeinde zu leiten – ich frage mal ganz profan: Was stand denn in Ihrer Bewerbung?
In meinem Motivationsschreiben stand, dass ich hier in unserer Pfarrei auch Leitungsaufgaben übernommen habe und die ganze Zeit im kleinen Team auf einer großen Fläche gearbeitet habe. Das ist in Altena auch so. Und ich kenne die Sauerländer, weil ich hier aufgewachsen bin. Die Mentalität der Menschen und die Pfarrstruktur sind mir vertraut.
Gehen wir an den Anfang. Wie sind Sie zum Glauben gekommen?
Ich bin in einer gläubigen Familie aufgewachsen und habe mich schon als junges Mädchen in der Gemeinde in Herscheid engagiert. Nach dem Abitur absolvierte ich ein soziales Jahr im katholischen Jugendamt in Lüdenscheid. Von 1989 bis 1993 studierte ich Religionspädagogik in Paderborn. Zum Studium gehörten auch Praktika. Eines davon verbrachte ich in Brasilien. Danach arbeitete ich elf Jahre lang in Gelsenkirchen, zunächst drei Jahre in Assistenzzeit, dann als Gemeindereferentin. Aber ich musste da weg, als die Kinder klein waren. Dann habe ich drei Jahre in Dahl und Schalksmühle gearbeitet, vor 13 Jahren wurde dann die Pfarrei gegründet.
Als Frau sind die beruflichen Aufstiegschancen in der katholischen Kirche nicht besonders gut. Hat Sie das nicht abgeschreckt?
Nach dem Abitur überlegte ich, Sozialarbeit oder Religionspädagogik zu studieren. Mir war nicht wichtig, viel Geld zu verdienen. In der Sozialarbeit verdient man ebenfalls nicht viel. Ich entschied mich für die Religionspädagogik. Mir war wichtig, bei den Menschen zu sein. Was ich jetzt hier für eine Aufgabe bekomme, konnte man damals ja noch nicht absehen. Das hätte man ja vor fünf Jahren noch nicht geahnt.
Wie stehen Sie zu den Forderungen der Initiative Maria 2.0?
Finde ich auf jeden Fall gut. Ich glaube, dass es Zeit wäre, dass sich in der Kirche etwas ändert. Aber das sind alles Themen, die auf großer Ebene geklärt werden müssen. Ich habe mich in letzter Zeit für die Dinge eingesetzt, die ein Bischof regeln kann, wie etwa Taufen, Trauungen, Beerdigungen, Pfarreileitungen. Ich bin echt dankbar, dass wir hier so einen offenen Bischof haben, der vieles möglich macht.
Sie engagieren sich nicht bei Maria 2.0?
Nein, ich habe den Weg gewählt, was jetzt wirklich realistisch erscheint. Ich bin ein pragmatischer Mensch.
Profitieren Sie möglicherweise vom öffentlichen Druck der Initiative Maria 2.0?
Nein, der Grund dafür ist der Priestermangel.
16 Jahre lang gehörten Sie zum Pastoralteam der Gemeinde Christus König. Wenn Sie zu besonderen Anlässen das liturgische Gewand trugen, sahen das vermutlich viele Frauen als eine Art Bekundung für Gleichberechtigung. Gab es auch kritische Stimmen?
Auf jeden Fall gibt es die. Gerade am Anfang kamen einige Leute, die sagten: ,Aber wenn ich beerdigt werde, dann bitte vom Pastor.’ Aber das ist ja kein Problem. Das hat sich auch geändert, als die Menschen mich kannten. Ich verstehe das aber auch, denn es gehört hier nicht zum gewohnten Bild. Andererseits gibt es hier viele evangelische Christen und Pastorinnen, deshalb wird das Bild der Frau im liturgischen Gewand immer alltäglicher.
Im Gespräch mit dem Ruhr-Wort haben Sie gesagt: „Ich freue mich sehr darauf, diese neue Aufgabe mit Leben zu füllen und einen solchen für uns neuen Weg mit den Menschen in Altena zu wagen und zu gestalten.“ Gibt es konkrete Ideen?
Es wird um Folgendes gehen: Wo sind jetzt die Themen? Und es geht darum, mit vielen Menschen ins Gespräch zu kommen. Gerade im Augenblick mit Corona. Da läuft viel über Videokonferenzen. Ich habe schon ganz viele nette E-Mails aus Altena bekommen von Menschen, die sich freuen, dass ich komme. Ich bin da ganz zuversichtlich.
Dann gibt es die übergeordneten Termine wie Erstkommunionvorbereitung und Pfarrgemeinderatswahlen. Ein Thema ist auch, einen guten Blick auf die Gemeinde in Nachrodt zu haben, damit sich nicht alles auf Altena konzentriert.
Glauben Sie, dass von Ihrer Berufung eine Art Signalwirkung ausgeht?
Jetzt werden ganz viele Leute beobachtend sein. Ich glaube, dass Altena so ein bisschen im Fokus der Öffentlichkeit steht, zumindest für unser Bistum.
Wie ist Ihre Familiensituation?
Mein Mann Michael arbeitet beim Grimme-Institut. Unser Sohn Samuel ist zehn Jahre alt, unsere Tochter Lea 24, Jakob ist 26 und Tristan, den mein Mann mit in die Ehe gebracht hat, ist 28 Jahre alt.
Haben Sie Zeit für Hobbys?
Ja, Sachen die man machen kann, wenn man Zeit hat. Und wenn man keine Zeit hat, ist es nicht so schlimm, wenn man sie nicht macht. Bis auf die Imkerei, da muss ich mich regelmäßig drum kümmern. Aber sonst: Kräuter sammeln oder einfach mal ein bisschen frische Luft schnappen. Mit meinem jüngsten Sohn Dinge tun, auf die er Lust hat.
 Was werden Sie an Ihrer bisherigen Tätigkeit vermissen?
Meine Chöre, die Band, die Musik, meine Kleider- und Spielzeugmärkte.
Pastor Johannes Broxtermann wird Ihnen als moderierender Priester zur Seite stehen. Was heißt das?
Pastor Johannes Broxtermann wird Ihnen als moderierender Priester zur Seite stehen. Was heißt das?
Pastor Broxtermann übernimmt die priesterlichen Aufgaben, wie den Vorsitz des Kirchenvorstandes, Taufen, Trauungen und die Eucharistiefeier. Ich selbst kann in der Heiligen Messe zum Beispiel die Katechese oder den Gedanken zum Tag machen oder mich musikalisch einbringen. Was wahrscheinlich öfter vorkommen wird, dass ich selbst Gottesdienste halte. Das sind dann Wortgottesdienstfeiern.

Amtseinführung

Die Amtseinführung von Sandra Schnell in der Pfarrei St. Matthäus in Altena findet am Ostermontag, 5. April, um 15 Uhr statt.

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