„Alles abklopfen und nach einer Lösung suchen“

HALVER ▪ Wenn die Pfarrstelle nicht mehr bezahlt werden kann, gilt die Gemeinde als nicht mehr leistungsfähig. Anders ausgedrückt: Die Evangelische Kirchengemeinde Oberbrügge erhält seit dem vergangenen Jahr eine Kirchensteuerzuweisung, die geringer ist als die Pfarrbesoldungspauschale, die an Kirchenkreis und Landeskirche abgeführt werden muss.

„Das bedeutet, dass wir im vergangenen Jahr ein Minus von 7284 Euro hatten“, erklärt der für die Finanzen zuständige Presbyter Klaus Böcker, der zusammen mit Kirchmeister Roland Pfeiffer, dem Förderkreisvorsitzenden Günther Hösch und Pfarrer Werner Kenkel angesichts der sich zuspitzenden finanziellen Lage in die Offensive geht.

Denn in diesem Jahr, so Böcker weiter, steige das Minus auf 13 140 Euro, im Jahr 2012 sogar auf 30 000 Euro. Dadurch ergebe sich für den Gesamthaushalt der Evangelischen Gemeinde ein Fehlbetrag von rund 45 000 Euro. Zwar kann – und soll auch laut Landeskirche – dies noch durch die Rücklage gedeckt werden, aber was passiert danach, wenn in vielleicht gut fünf Jahren die Rücklage aufgebraucht ist?

Die Spitze der Oberbrügger Kirchengemeinde befürchtet ein Ausbluten – dagegen soll eine Lösung gefunden werden: „Wir möchten an der personellen Situation nichts ändern, brauchen aber eine Entlastung bei der Pfarrbesoldungspauschale!“ Auch nach diversen Gesprächen mit Superintendent Klaus Majoress sowie den Presbyterien von Halver und Brügge zeichnet sich aber weder eine solche noch eine andere Lösung bislang ab. Es sei eine sehr schwierige Situation, bei der man die Gemeindeglieder mitnehmen will: Eine Versammlung – auch mit dem Superintendenten – steht am kommenden Sonntag ab 11 Uhr auf dem Programm. Dabei wird man natürlich auch darüber informieren, dass der Evangelischen Gemeinde mit ihren 1190 Gemeindemitgliedern eigentlich keine volle Pfarrstelle zusteht. Auf der anderen Seite arbeite Pfarrer Kenkel zu 50 Prozent für den Verein „Pfarrerinnen- und Pfarrer-Gebetsbund“. Und Pfarrer Thomas Wienand gehört nicht zur Gemeinde, sondern arbeite im so genannten Entsendungsdienst.

Auch wenn es andere kleine Gemeinde im Kirchenkreis gebe, „wir müssen unseren eigenen Weg finden“, ist Böcker, Pfeiffer, Kenkel und Hösch klar, dass nicht die Personalie „Kenkel“, sondern seit 2005 das Finanzausgleichsgesetz der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) das Problem sei. Zudem sei der Kirchenkreis zum Finanzausgleich verpflichtet.

Im Jahr 2009 hätte die EKD mit ihren 24,8 Millionen Mitgliedern über Einnahmen von 4,36 Milliarden Euro verfügen können. Das seien, so rechnet Günther Hösch vor, rund 175 Euro pro Mitglied – in Oberbrügge kämen aber nur knapp 70 Euro an.

Im Haushalt der Kirchengemeinde sei alles „umgeschichtet, was umzuschichten ist“ und auch das Personal zurückgefahren worden. Froh ist man darüber, dass der Förderverein beispielsweise für die Kosten der Konfirmandenfreizeit oder das Defizit beim Theo-Tapsig-Kreis aufkommt. Zwar würde sich die Evangelische Kirchengemeinde noch mehr Förderer und solche, die freiwillig Kirchgeld zahlen, wünschen, aber man wird „alles abklopfen und nach einer Lösung suchen“. Und Pfarrer Werner Kenkel fügt hinzu: „Wir kämpfen dafür, ein Gemeindeleben und Gottesdienste vor Ort zu haben.“ ▪ Det Ruthmann

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